12 Tipps, wie du noch bessere Texte schreibst

Das „Wie“ kommt immer vor dem „Was“: Bevor wir also noch bessere Texte schreiben können, lohnt es sich, über den Schreib-Prozess nachzudenken. Hier zwölf Tipps, mit denen du ziemlich sicher schnell zum noch besseren Autor wirst.

Bessere Texte Tipps

Vor dem Schreiben

Übung, Übung, Übung

Der einfachste, effektivste aber aufwendigste Tipp ist natürlich: Schreibe so oft und so viel wie irgend möglich. Man sagt, dass man bei allem, was man tut, 10.000 Stunden bis zur Meisterschaft braucht. Darüber kann man diskutieren. Aber fest steht: Nur, wer etwas wirklich gut kann, wird darin auch kreativ sein. Wenn du also deine Sätze noch vor dem Schreiben im Kopf bildest oder gar die Buchstaben auf der Tastatur suchst, dann bleibt zu wenig Aufmerksamkeit bzw. Gehirnkraft übrig, um wirklich kluge oder kreative Dinge zu schreiben. Das leuchtet ein, oder? Also schreib, wann und wo du immer kannst…

Der richtige Zeitpunkt

Auch wenn es mir nicht passt, bin ich wohl eine Lerche. Das heißt, ich bin morgens recht früh am produktivsten. Wenn ich es also schaffe, von sieben bis zehn Uhr ungestört zu schreiben, geht mir alles unglaublich schnell und einfach von der Hand. Am Nachmittag ist dann aber die Luft raus. Und abends sehne ich mich nach der Couch und nach einem Glas Wein. Wie ist das bei dir? Wann fühlt es sich für dich am besten an, zu schreiben? Wann ist dein Output am besten? Das ist dann – wohl oder übel – der Zeitpunkt, an dem du dir deine Schreiberei einrichten solltest.

Immer und überall Notizen machen

Unser Gehirn arbeitet ständig. Selbst (oder gerade) während einer Meditation gehen uns mehr oder weniger clevere Gedanken durch den Kopf. Das ist auch soweit in Ordnung, denn wir sind es ja auch gewohnt, diese wieder ziehen zu lassen. Das Problem daran ist: Dann sind sie auch wieder weg. Ich fühle mich viel sicherer, wenn ich mir einen guten Gedanken (oder Tasks, oder Dinge, die ich anderen noch sagen will oder, oder, oder) notiert habe. Ich persönlich mache das sehr gerne in Evernote, weil das digital immer in meiner Nähe ist. Und die schönen, persönlichen oder auch besonders wichtigen Dinge kommen seit einigen Jahren in ein Moleskine-Notizbuch, in dem ich auch mal herum male. Dafür habe ich mir sogar einen teuren Füller gekauft. Warum? Ich kann es dir gar nicht so genau sagen. Das macht für mich irgendwie Sinn. Probiere es mal…

Mehr und besser erzählen

Die meisten von uns reden vermutlich ein Vielfaches an Wörtern als sie in Texte schreiben. Doch: Wann hast du dir zum letzten Mal genau zugehört und bewusst versucht, verständlich und originell zu erzählen? So mit Anfang, Mittelteil und Ende? Oder mit originellen Metaphern? Ja, ja: Versuche nun nicht, jedes Gespräch wie gedruckt zu führen. Aber erinnere dich vielleicht zwei oder drei mal am Tag an diesen Tipp und formuliere deine Rede bewusster. Das wirkt sich ziemlich unmittelbar auf deine geschriebenen Texte aus.

Listen schreiben: Genauer hinschauen

Noch eine Alltags-Übung, die wir in den Schreibseminaren machen: Schau aus dem Fenster (oder auf einen sonstwie definierten Bildausschnitt) und lege eine Liste an, was du dort alles siehst. Farben, Formen, Figuren, Menschen, Tiere, die Sonne, vielleicht Schatten, möglicherweise Lichtspiegelungen und so weiter. Nimm dir einige Minuten Zeit, bis du wirklich nichts mehr in diesem Bildausschnitt siehst. Und mache dann weiter. Das schult deinen Blick fürs Detail. Das können wir als Autoren immer gut brachen.

Schlechte Texte redigieren

Und probiere es auch mal mit dieser Übung: Wenn du mal wieder einen schlechten SEO-Text in einem Affiliate-Shop oder in der Lokalausgabe deiner Tageszeitung gefunden hast, schreibe diesen um. Benenne bewusst, was daran schlecht ist („Viel zu lange Sätze“, „Unsinniger Aufbau“ o.ä.) und mache es besser. Es hat sich nämlich gezeigt, dass die Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion, die ihre Zeit mit dem Redigieren von anderen Texten verbringen, einen sehr sauberen und klaren Stil haben, wenn sie selbst schreiben. Und das wollen wir doch alle…

Beim Schreiben

Zehn-Finger-System lernen

Ich hoffe, du belächelst diesen Tipp, weil du schon seit Jahren mit zehn Fingern virtuos auf der Tastatur tippst. Dann ist alles gut. Wenn du aber noch mit einem Adler-System oder einer eigenen 2-8-Finger-Variante die Tastatur quälst, dann ändere das vor allen anderen Punkten hier! Es ist schlichtweg Energieverschwendung, wenn du dein Gehirn damit blockierst, Buchstaben zu suchen – und das tust du, auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlt. Wenn du gut und kreativ schreiben willst, musst du jede andere Ablenkung ausschalten. Und das geht nur mit dem Zehn-Finger-System.

Ablenkungsfreie und/oder inspirierende Umgebung

Das ist so etwas wie die äußere Erweiterung des Punktes mit dem Zehn-Finger-System: Vielleicht kannst du im Großraumbüro, in dem sich Kollegen unterhalten, oder neben einem laufenden Fernseher „ganz gut“ schreiben weil du dich dran gewöhnt hast oder glaubst, dass es dir gefällt. Aber du wirst immer weit unter deinen Fähigkeiten bleiben. Mache alle unnötigen Medien aus (ja, auch den E-Mail-Empfang und Facebook sowieso) und bitte die Menschen um dich herum, deinen Wunsch nach Stille zu akzeptieren, wenn du gerade schreibst. Ich verspreche dir, das macht jeden Inhalt von dir mindestens 23 Prozent besser.

Gewohnheiten und Rituale entwickeln

Vielleicht bin ich morgens auch so produktiv, weil ich mich daran gewöhnt habe? Mit einem Kaffee vor dem Rechner, kurz die E-Mails gecheckt und los geht es. Ich hatte eine Zeit, in der ich viel Zug gefahren bin, und auch dort konnte ich hervorragend schreiben – nach etwas Gewöhnung. Das ist sicherlich ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor für alle, die kreativ sein möchten: gute Rituale entwickeln, Gewöhnung aufbauen und sich davon tragen lassen. Das kann eine Tasse Tee zum Schreiben sein oder eine kurze Meditation davor. Besorge dir den Stuhl, in dem du aufrecht und bequem schreiben kannst und den Computer, der es dir leicht macht. Die meisten Rituale und Gewohnheiten lernen wir immer erst dann kennen, wenn wir sie nicht mehr einhalten. Aber sie haben eine große Macht über uns. Deshalb lohnt es sich, sie auch bewusst aufzubauen.

Die richtigen Pausen machen

Ein großartiges Ritual ist nach jeder Stunde Schreibarbeit ein paar Minuten zu jonglieren (Du weißt schon, das mit den Bällen. Und wenn du das nicht kannst, kannst du das lernen…). Den Segen einer regelmäßigen Pause kennst du vermutlich ohnehin. Mir ist dieser Segen erst so richtig aufgefallen, als ich mit Rauchen aufgehört habe. Danach bin ich nicht mehr alle Stunde mal „runter“ eine Rauchen – also Pause machen. Also war ich nach drei Stunden völlig am A…. Erst, also ich mich dazu gezwungen habe, alle Stunde mal aufzustehen, hatte ich wieder länger Energie. Und, hey: Eines der effektivsten Pausen-Rituale dürfte wohl das Jonglieren (oder das Jonglieren-Lernen) sein. Denn dabei werden beide Gehirnhälften ordentlich stimuliert, du entlastest dein kongnitives Denken und – ich schwöre – du wird dabei die Schreiberei garantiert vergessen. Und nach fünf Minuten bist du fit für die nächste Stunde. Hole dir drei kleine Bälle und fang einfach an. Viel Spaß!

Andere Gedanken „wegnotieren“

Manchmal steigen während des Schreibens auch gute Gedanken auf, die mit dem momentanen Text nichts zu tun haben. Ganz wichtig: Notiere diese (egal, ob in Evernote oder ins Notizheft). Denn dann bleiben sie dir erhalten. Und du musst nicht wieder einen Teil deiner Aufmerksamkeit damit fesseln, diesen Gedanken zu behalten oder gar weiter zu entwickeln. Auch das ist Ablenkung. Stelle sicher: Während du schreibst, schreibst du.

Nicht denken, sondern schreiben (Vorbereitung und Nachbereitung)

Noch mal: Während du schreibst, schreibst du! Das Schreiben eines Textes ist der komplexeste und kreativste Vorgang, wenn es darum geht, einen Inhalt zu veröffentlichen. Zuvor muss man ein Thema finden (evtl. auch Keywords), den Beitrag strukturieren, Inhalte recherchieren und so weiter. Danach muss man Headlines finden, Fehler korrigieren und redigieren. Und genau so solltest du das machen: Es gibt ein VORHER, ein NACHHER und das SCHREIBEN. Trenne diese drei Phasen ordentlich voneinander.

Also: Nicht denken, machen!

So, jetzt bist du dran. Es ist vielleicht keine gute Idee, gleich alle Punkte umzusetzen. Aber wenn du nach und nach einige Tipps umsetzt, dann wird sich deine Schreiberei deutlich verbessern. Du musst es aber tun – und nicht nur wollen.

Und ich freue mich natürlich über weitere Tipps von dir!

(Foto: Fotolia © agcreativelab)

Über uns Eric Kubitz

Eric Kubitz ist einer der beiden Gründer der CONTENTmanufaktur GmbH, gelernter Journalist und begeisterter Autor. In letzter Zeit beschäftigt er sich auch mit Inhalten, die zwischen den Zeilen stehen.

5 Kommentare

  1. Eric, du bist immer wieder eine tolle Inspirationsquelle für mich! Merci:)

  2. Richtig gute Tipps, die ich nach und nach umsetzen/berücksichtigen werde. Interessant ist für mich auch der Hinweis mit der Ruhe, der inspirierenden Umgebung. Dachte schon, mein innerer Wunsch danach wäre „unnormal“ :-). Vielen Dank dafür!!

  3. Danke für das Kompliment!

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