Business ModelleTexte mögen der Treibstoff des Internet sein. Doch für die Autoren bedeutet das zunächst nichts Gutes: Seit die digitale Welt in die klassischen Business Modelle der Verlage eingebrochen ist, wurden die Honorare der Text-Liferanten kräftig gestutzt. Hier eine Systematik des Geldverdienens für Autoren.

In den 90er-Jahren habe ich als freier Journalist Geld verdient. Gut Geld verdient. In unserem Redaktionsbüro konnten wir als Autoren für Special-Interest- und Nachrichten-Magazine ordentliche Honorare für unsere Inhalte über Handy-Tests, die digitale Revolution und Service-Ratgeber erlösen. Unsere Kunden war die Wirtschafts-Verlagswelt (Manager Magazin, Impulse, Wirtschaftswoche u.w.w.), die Technik-Magazine (PC Professional, connect u.s.w.) und einige Nachrichten-Publikationen (Stern, SZ, Die Woche u.s.w.).

Doch das ging nur so lange gut, bis der Stern unsere Beiträge bei pc professional lizensierte, die Druck-Auflagen (teilweise auf null) sanken und allen dämmerte, dass die Werbevermarktung von Online wohl kaum ordentliche Honorare rechtfertigte. Einige PR-Jobs und Corporate Publishing waren einige Zeitlang die Rosinen im Autoren-Müsli. Doch die Textbörsen mit halb-professionellen Inhalten und kopierte Herstellerangaben senkten auch dort die Einkunfts-Chancen auf Akkordarbeiter-Niveau. Das Internet schien den Autoren die Butter vom Brot zu nehmen. Andere verzweifelten und maulten – wir orientierten uns in eine andere Richtung.

Doch Content ist immer noch der King! Nach was suchen die Leut‘? Texte, garniert mit guten Bildern, sind immer noch ein wichtiger Grund für die Leser-Website-Bindung. Auch in dieser Welt gibt es Business Modelle für Autoren. Ich habe die verbliebenen und neu gewachsenen Geschäftsideen für gute Schreiber sortiert. Da ich keinen Alllwissenheits-Gen habe, freue ich mich, falls die Leser hier ihre eigene Erfahrung einbringen.

1. Redaktionelle Lohnschreiber: Themen, Themen, Themen

Drei Dinge braucht ein Autor, der von seinen Fähigkeiten leben möchte: Er muss schreiben können, er muss sich in einem oder mehreren Themen gut auskennen und er braucht Reputation oder zumindest einige Referenzen.

  1. Schreiben können: Ein Volontariat bei einer Zeitung, einem Magazin oder einer Agentur zwingen zur Übung. Und Schreiben lernt man immer noch besser durch Schreiben als durch Lesen. Natürlich gibt es Naturtalente. Doch auch die werden ohne Anleitung und ohne Übung immer nur das eine Pferd reiten – bis es tot ist. Ich sage nicht, dass man ein Volontariat braucht. Aber Schreiben muss man schon auch lernen…
  2. Inhaltliche Kenntnisse: Ein guter Autor kann über alles schreiben, behaupten manche Journalisten. Das war schon immer Quatsch. Ohne Fachwissen etwa über Technik, die Wirtschaft oder die die Trends im Internet wird kein Artikel entstehen, der den Leser nicht beleidigt. Und wer sich dieses Fachwissen bei jedem Thema „drauf schaffen“ muss, wird beim Beweis dieser Aussage verhungern.
  3. Reputation, Referenzen: Das ist einfacher geworden! Während die Ressortleiter von SZ und Wirtschaftswoche früher als Tor-Wächter nur die besten Autoren zuließen, blicken sie heute auch mal auf ihr schmales Budget und nehmen einen unbekannten Autoren – wenn der Inhalt in Ordnung ist. Und so ist es heute immer noch gute Sitte, ein paar aufwändige Artikel für die eigne Reputation zu schreiben – und damit woanders hausieren zu gehen.
4 Cent/Wort für professionellen Journalismus? Puh, das wird schwierig...

Textbörse: 4 Cent/Wort für professionellen Journalismus? Puh, das wird schwierig…

Worauf Lohnschreiber achten sollten: Verplempert eure Zeit nicht damit, bei Textbörsen ein paar Cents zu verdienen, sondern arbeitet an eurem Erfolg. Verfeinert eure Schreibkunst und euer Fachwissen und überzeugt die großen Magazine mit tollen, aufwändigen Geschichte, die sie sich sonst gar nicht leisten könnten. Wenn euer Name mal in Erstliga-Publikationen stand, wird sich das auf euer nächstes Honorar auswirken.

2. Marketing-Lohnschreiber: Content Marketing & PR

Während es im vergangenen Jahrtausend noch genau zwei Seiten gab – nämlich den Journalismus und die andere Seite – wird die Grenze zwischen beiden immer durchlässiger. Das mag man bedauern, doch es ist eine Tatsache. In jedem Fall ist es einträglicher, von jemandem bezahlt zu werden, der einen Marketing-Etat zu verantworten hat, als aus dem dünnen Redaktions-Budget. Auch die Stilformen sind heute wilder gemischt. Denn ein Markenhersteller, der ein Info-Portal betreibt, benötigt News und Interviews, nicht mehr nur Marketing-Texte.

Social Media Newsroom einer Versicherung: Journalistische Beitragsformen im Dienst des Marketings.

Social Media Newsroom einer Versicherung: Journalistische Beitragsformen im Dienst des Marketings.

Wir bieten in unserer Agentur auch Content Marketing-Inhalte an. Und wir haben verblüfft und begeistert zur Kenntnis genommen, dass hier ein sehr großes Potential an Kreativität und guten, journalistischen Tugenden der Schlüssel zum Erfolg sind. Genau genommen, sogar mehr, als sich das rein journalistische Produkte überhaupt leisten können.

Worauf es im Content Marketing für Autoren ankommt: Achte sehr genau auf das Briefing, bring dich mit Fachkenntnis und Kreativität ein und sei immer pünktlich und zuverlässig. Das sind meiner Erfahrung nach genau die Punkte, die viele Autoren falsch machen. Und, ach ja, noch eines: Nimm für gute Arbeit gutes Geld. Wenn du für den Spiegel schreibst, kannst du ein mieses Honorar mit hoher Reputation rechtfertigen. Wenn du über Maggie Tütensuppen schreibst, geht das nicht.

3. Autoren als Kleinunternehmer: Affiliate und so

Jeder kann heute ein Verleger sein! Dank Internet geht das ziemlich einfach. Leider vergessen Autoren, dass Verleger neben dem Veröffentlichen von Publikationen noch viele andere Dinge tun. Zum Beispiel für Einnahmen sorgen. Oder sich um die Technik kümmern. Deshalb sind die Einzelpersonen, die kleine aber wirtshaftlich erfolgreiche Webseiten betreiben leider meist keine Autoren. Das sieht man den Seiten ja dann meist auch an. Ein pfiffiger Netzbewohner hat schnell eine WordPress-Seite für ein Nischenprodukt (Dampfgarer) gebaut und mit einem lohnenden Affiliate-Programm verbunden. Seine Inhalte besorgt er dann über Textbroker & Co. Schade, denn wer selber gut schreiben kann, hat mehr Möglichkeiten und verblödet seine Leser weniger.

Na gut, es gibt auch schönere Themen mit Einkunfts-Chancen: Affiliate-Seite.

Na gut, es gibt auch schönere Themen mit Einkunfts-Chancen: Affiliate-Seite.

Ich möchte gar nicht dazu raten, zu irgend einem Thema eine Seite zu basteln. Doch Autoren mit Hobby, können ihr privates Steckenpferd zum Beispiel zu einer wirklich guten und wirtschaftlich erfolreichen Segelurlaub-Vermittlung oder Grüner-Tee-Infoseite machen.

Vorsicht, Kleinunternehmer: Die Arbeit, die in einer solchen Seite steckt, sollte man nicht unterschätzen. Es ist nicht damit getan, schöne Texte und Bilder zu erstellen. Es braucht auch ein gutes Layout, ein lohnendes Partnerprogramm für die Einnahmen und starkes Durchhaltevermögen. Denn erst nach vielen Monaten wird sich eine solche Seite lohnen.

4. Content Marketing: Schau, was ich kann

Das Leben ist Marketing. Auch das kann man mögen oder nicht. Doch für Autoren ist es ein durchaus gutes Business Modell, eine eigene, gut gepflegte Seite oder einen Blog zu betreiben. So, wie es die großen Marketing-Agenturen und auch die Brands machen: Schenke Wissen, dann wird dir Aufmerksamkeit geschenkt. Content Marketing in eigener Sache kann ganz verschiedene Formen haben:

  • Das Betreiben eines eigenen Blogs – natürlich zu einem Spezialthema das einem liegt – ist wohl die häufigste Form. Hey, wir sind Schreiber! Also lasst uns schreiben und den anderen zeigen, was wir können.
  • Schreiben für Fachmagazine: Dazu braucht man zwar schon einen gewissen Namen – aber eine gute Mahlzeit wird ja auch Bissen für Bissen gegessen. Es gibt eine ganze Reihe von Publikationen, die schon heute keine Honorare mehr zahlen und darauf angewiesen sind, kostenlose Autoren zu finden. Das kann man veruteilen – oder mitmachen.
  • Gastautoren, Kommentierer, Social Heros: Selbstverständlich kann man auch auf anderen Blogs Beiträge oder kluge Kommentare hinterlassen oder sich mit coolen Tweets oder reichlich Google+ Beiträgen einen Namen machen. Allerdings denke ich dazu immer: My Blog is my Castle.

So funktioniert Self Content Marketer: Nimm dir Zeit und arbeite konzentriert. Du kannst deine Social Media Timeline und deinen Blog nur dann stolz vorzeigen, wenn du stolz darauf bist. Ich habe selbst viele Jahre lang krudes und kompliziertes Zeug in einen Blog geschrieben – und bin heute gar nicht mehr froh, wenn sich das ein Kunde von mir durchliest. Du brauchst dich nicht zu verbiegen – aber denke bei jeder Äußerung daran, dass sie in ein paar Jahren immer noch zu lesen sein wird.

5. Diversifikation: sei dein Verleger (und so)

Neutral betrachtet ist es doch so: Jemand kann etwas  sehr gut – und das Internet hilft dabei, daraus einen Broterwerb zu machen. Freilich, das ist manchmal (oder meistens?) nicht gerade einfach und braucht Kretivität und Durchhaltevermögen. Aber wem muss ich das sagen? Mein fünftes und letztes Business Modell für Autoren im Internet ist irgendwie eine Minschung aus allem und kommt deshalb der Realität am nächsten: Sei dein eigener Verleger und denke über den Tellerrand hinaus:

Nicht sonderlich einträglich - aber lohnend: Fachbücher für gute Fachverlage schreiben.

Nicht sonderlich einträglich – aber manchmal lohnend: Fachbücher für gute Fachverlage schreiben.

  • Vielleicht hast du das Wissen und das Konzept für ein Buch? Egal, ob im Selbstverlag oder als Buchautor für die etablierten Verlage: Das bringt zwar nicht viel Geld, aber Reputation, Übung und eine starke Grundlage.
  • Zweitverwertung: Es kommt natürlich auf die Verträge mit deinen Abnehmern an. Aber auch eine zweite Version eines Beitrags oder die weitere Auswertung einer Recherche sind schnell in einen ansprechenden Text geschrieben. Und bei einem Markplatz wie dieRedaktion findet man ohne großen Aufwand manchmal gute Abnehmer dafür.
  • Kannt du Seminare? Kluge Menschen, die anderen etwas beibringen, verdienen meist mehr Geld als Lohnschreiber. Nicht jeder kann zwar sein Wissen gut vermitteln – aber Autoren haben davon meist etwas Ahnung. So kann eine Lehrtätigkeit zu einem angenehmen Zusatzeinkommen führen.
  • Mach deinen Branchendienst: Wer wirklich tief in einem Thema steckt, kann sich überlegen, einen eigenen E-Mail-Branchendienst zu machen. Dann muss man zwar früher als andere aufstehen und immer etwas schneller sein. Doch für gute Information an die Entscheider finden sich manchmal gute Sponsoren.
  • Content hinter der Bezahlschranke: Das ist wohl eher etwas für technisch ambitionierte Fortgeschrittene. Denn wer anfängt, ein Payment-System zu bauen, wird über zwei Dinge sehr überrascht sein: Erstens wie kompliziert so etwas selbst heute noch ist. Und zweitens, wie weniger Nutzer bereit sind, Geld für Inhalt zu bezahlen.
  • Mach deine App: Die digitale Geldbörse im iPhone oder auf dem Android Tablet sitzt im Gegensatz zum oberen Punkt recht locker. Da es meistens die Technik ist, die Apple-User begeistert, werden sich Autoren als Content-Lieferanten schwer mit einer Bezahl-App tun. Aber mit ein bisschen Kreativität, geht vielleicht etwas…

Was fällt euch noch ein? Bitte ergänzt diese Liste und schreibt mir auch, wenn ihr Erfahrung mit diesen Punkten gesammelt habt. Ich werde das gerne hier mit einbauen.

Wer sonst noch im Internet textet

Natürlich gibt es auch viele Autoren, die im Web texten, ohne damit Geld verdienen zu müssen. Herzlichen Glückwunsch dem Entwickler, der am Abend noch Lust auf einen eigenen Blog habt. Ich freue mich (mit bitter verzerrtem Gesicht) auch für die vielen Menschen mit offensichtich viel Zeit, die auf Textbörsen wie textbroker und content.de kiloweise Texte für wenig Geld verscherbeln. Ich ärgere mich schon eher über selbst-angelernten Online-Marketing-Experten, die glauben, mit Textbrei ein Geschäft machen zu können. All die schreiben online, weil sie es können – aber nicht müssen.

Und dann gibt es einige Netzbewohner, die tatsächlich der Meinung sind, dass es böse ist, im Internet Geld zu verdienen. Vermutlich gut situierte Söhne und Töchter oder gut dotierte Professoren. Die schreiben, weil sie Zeit und Lust darauf haben und zeigen mit dem Finger auf jeden, der im Web sein Geld verdient.

Autoren dagegen müssen schreiben. Vielleicht, weil es das ist, was sie am besten oder am liebsten tun – oder weil sie nichts anderes gelernt haben. Jedenfalls mussten sie in den vergangenen zehn Jahren feststellen, dass die etablierten Einnahmequellen erodieren. Das ist nicht schön. Andererseits gibt es neue Business Modelle. Und ich hoffe, ich habe einige neue Ideen dafür hier genannt.

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