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Die drei fehlenden Tipps für „SEO-Texte“

An allen SEO-Ecken wird intensiv über Länge, Aussehen und Keywords gestritten, wenn es um suchmaschinenfreundliche Texte geht. Dass man Fragen beantworten muss und Entitäten unbedingt auszeichnen sollte. Doch drei wesentliche Eigenschaften von relevantem Content fehlen fast immer: Rechtschreibung, Berechtigung und Besonderheit.

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Passt zwar alles. Aber irgendwas fehlt… (Foto von Manuele Sangalli auf Unsplash)

Disclaimer: Dieser Text beruht nicht auf 42 Google-Patenten oder umfassenden Forschungsergebnissen – sondern auf meiner Erfahrung, einer genauen Beobachtung der Suchergebnisse sowie auf Logik. Das kann in Einzelfällen zu verstörenden Einblicken führen, für die ich keine Verantwortung übernehme.

Welche Eigenschaften „SEO-Texte“ haben können

Texte, die in der Suchmaschine ranken, sollten gebührend lang aber scannbar sein, die Fragen der Nutzer:innen beantworten und ordentlich in den Meta-Angaben ausgezeichnet sein. So in etwa kann man man zusammenfassen, wie die Eigenschaften von suchmaschinenrelevanten Texten derzeit beschrieben werden. Und das ist schon ziemlich gut. Es gibt noch einige andere Eigenschaften, hier der Versuch, all das in eine Liste zu bringen:

  • Länge: Dem Thema angemessen. Wobei SEOs eher eine Tendenz zu längeren Texten haben. Was ich als falsch ansehe. Schau einfach mal auf die Top-Ergebnisse, ob es da nur 3.000-Wörter-Texte gibt? Verstehste? Ich denke, es kommt wirklich nur auf das Thema an — und was du dazu zu sagen hast.
  • Scanability: Mit gutem Layout lässt sich ein ordentlicher Text dank Fettungen, Zwischenüberschriften und anderen Elementen beim Scannen inhaltlich überblicken. Bei längeren Inhalten empfiehlt sich immer eine Sprungmarkennavigation.
  • Keywords, Nebenkeywords: Damit Google versteht, worum es auf der Seite geht, sollte natürlich das Thema als „Keyword“ verwendet werden. Plus möglicherweise Synonyme und semantisch passende Begriffe wie WDF*IDF-Keywords. Das ist zu tatsächlich sinnvoll, um das Vertrauen der Suchmaschine zu verdienen.
  • Meta-Angaben wie Title-Tag und Description: Natürlich ist es schlau, wenn das Snippet in der Google-Suche gut getextet ist und sagen, worum es auf der Seite geht. Das gilt übrigens auch für die Snippets für Facebook und Twitter. Deshalb sind OpenGraph und Twittercards (mit extra dafür erstellten Texten) manchmal mindestens ebenso wichtig.
  • Verlinkung zu passenden Themen: Neulich habe ich wieder gelesen, dass Links ablenken. Da das ganze Internet aber eine Ablenkungs-Maschine ist, machen sie trotzdem Sinn.
  • Fragen beantworten: Natürlich sollten, äh, MÜSSEN die Fragen der Nutzer beantwortet werden. Warum sonst sollten wir den sonst überhaupt in der Suche auftauchen wollen? Die Frage ist allerdings: Welche und ob das reicht… (dazu weiter unten mehr).
  • Usability: All die hier genannten Faktoren (übrigens auch die drei vergessenen) machen nur Sinn, wenn die Seiten dann auch bei den Nutzern funktionieren. Falls du wegen Länge/Keywords/Verlinkung/Antworten/Berechtigung/Besonderheit auf Position drei kommst – und die Nutzer dich blöd finden (also z.B. massenhaft bouncen) fliegst du wieder raus.

Und das war es schon. Kompliziert wird es, wenn man nach einem vermeintlich langen Text vor dem Yoast-Plugin in WordPress sitzt oder via Ryte-Textanalyse erfährt, dass noch dieses Wort rein müsste und überhaupt zu lange Absätze oder zu wenige Bindewörter vorhanden sind. Dann steht die Ampel auf gelb und du fumnmelst an – absolut sinnlosen – Details.

Nun, dieser Text besteht aus vielen langen Wörtern (und teilweise langen Sätzen). Außerdem habe ich drei Absätze, die offenbar zu lang sind. Das sind durchaus sinnvolle Hinweise. Aber momentan geht es mir um den Inhalt. Sorry.

Merke: All diese Scores spielen #irgendwie eine Rolle. Aber nimm sie nicht zu ernst. Noch einmal: Schau dir einfach die topgerankten Seiten zu deinem Thema an und entscheide dann, ob Bindewörter entscheidend sind…

Die drei vergessenen Ranking-Faktoren

Es gibt drei Eigenschaften von Texten, die nie in solchen Ranking-Faktoren-Listen genannt werden. Und das aus guten – aber völlig unterschiedlichen – Gründen.

1. Warum „Rechtschreibung“ ganz sicher ein Ranking-Faktor ist

Für Yoast und alle anderen SEO-Text-Tools ist es ziemlich einfach, Satzlängen zu messen, um den Flesh-Index eines Textes anzugeben. Auch Bindewörter, Absatzlängen und sogar WDF*IDF-Nebenkeywords zu generieren ist eine schlichte Anforderung an die IT. Vor allem, wenn die SEO-Szene darüber so engagiert diskutiert.

Ein bisschen schwerer ist die Sache mit der Rechtschreibung. Denn die ist gar nicht so einfach und schon gar nicht in einen Score zu packen. Außerdem: laaaaannnggggweilig! Immerhin bestellt man SEO-Texte ja von einer Agentur und erwartet, dass diese korrekt geschrieben sind.

Soweit die eine Realität.

Ein anderer Aspekt der Realität ist, dass es richtige Rechtschreibung, korrekte Wortverwendung, gute Grammatik (und auch schlechte Grammatik) und sogar verschiedene Stufen von Wortwahl und Stil gibt. Wer so ein Tool bauen wollte, müsste verzweifeln.

Anders sieht das bei Google aus: Da arbeiten nicht nur Nerds, sondern die schlauesten Menschen aus Psychologie, Sprachwissenschaften und Soziologie. Wenn du für die größte Suchmaschine der Welt einen „Sprachbewerter“ programmieren willst, dann wird der ziemlich gut sein. Auch, wenn ein 2-Mann:Frau-Team beim Tool-Anbieter dabei scheitert.

Und, mal ganz ehrlich: Wie relevant/glaubwürdig/aussagekräftig ist denn eine Webseite mit Schreibfehlern? Ich finde zwar mittlerweile auch auf der Süddeutschen immer wieder Tippfehler – aber viel seltener als bei Blogs (wie diesem hier übrigens auch) oder bei hingerotzten SEO-Texten für 8 Cent/Wort.

Deshalb: Schreib richtig und korrigiere.

Sieht gut aus: Zwar mault das Language-Tool weil es manche Wörter nicht kennt – aber das sind auch Eigennamen und besondere Begriffe.

Ich verwende zum Beispiel das Language-Tool, das mir auch in den WordPress-Blocks Korrekturvorschläge macht und habe meine eigene Rechtschreib- und Grammatik-Übersicht geschaffen und beginne das auch für Stilfragen. Einfach nur, weil ich es besser verstehe, wenn ich es mal geschrieben habe.

2. Wieso du eine „Berechtigung“ brauchst (aka „Diversity rules“)

Nehmen wir einmal – nur ganz kurz – an, eine Suchmaschine hätte die Aufgabe, die Fragen ihrer Nutzer zu beantworten. Und stellen wir uns vor, dass unsere Suchmaschine zirka vier Milliarden Suchanfragen gestellt bekommt und semantisch schlau genug ist, diese in „Fragen“ zu übersetzen. Wenn etwa tausendmal nach „SEO Texte“ gesucht wird

Dann könnte die Suchmaschine etwa anhand der weiterführenden Suchanfragen ein Gefühl dafür bekommen, was die Leute dazu interessiert. Richtig?

Und ein guter SEO würde sagen, dass er in seinem Inhalt etwas über „SEO Texte prüfen“, ein „Tool“ und „Agenturen“ schreiben sollte.

Das klingt plausibel, gell?

Ein noch besserer SEO würde sich zusätzlich die Konkurrenz anschauen. Und weil diesem SEO der Blick nicht mit Tools und berechenbaren Rankingfaktoren verstellt ist, würde er sich die entscheidende Frage stellen: Welche dieser Fragen sind denn schon ausreichend beantwortet worden?

Wofür BRAUCHT Google denn noch Antworten? Wenn es in den Top-10 schon drei Seiten gibt, die Text-Generatoren vorstellen – wird die Suchmaschine abwinken, wenn du damit um die Ecke kommst.

Schaue dir die Suchergebnisse nach den Core-Updates an: Statt vormals drei umfangreichen Krankheitsratgebern zu Heuschnupfen, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Diabetes von Onmeda, Netdoktor und Apotheken-Umschau gibt es nur noch jeweils einen! Die zwei anderen Plätze haben teils weniger umfangreiche Seiten von Organisationen, Ärzten oder Selbsthilfegruppen bekommen. Warum? Weil es Sinn macht! Weil kein Mensch DREI ähnliche Ratgeber braucht – sondern nur einen. Du hast nur die Berechtigung zu ranken, wenn du etwa etwas beantwortest, das die anderen noch nicht beantwortet haben.

Alle Fragen schon beantwortet? Dann wird das schwierig. Aber vielleicht haben die anderen noch etwas übrig gelassen? Auf jeden Fall geht es um Diversity!

Deshalb: Deine Seite hat nur dann die Berechtigung auf ein gutes Ranking, wenn sie zum Beispiel andere Fragen als die anderen beantwortet, wenn sie einen anderen Seitenaufbau hat und vermutlich ein anderes (!) Backlinkprofil wie die anderen Seiten vorweisen kann u.s.w..

Und warum ist das kein bekannter Faktor? Weil er so wachsweich ist und man dafür kein Tool bauen kann. Kein Toolanbieter, keine Agentur, kein Berater will damit werben, es ANDERS als die Top-Seiten zu machen. Und weil der Content in der SEO-Szene von Toolanbietern, Agenturen und Beratern stammt, sagt es halt keiner.

3. Warum Google „besondere“ Texte ranken MUSS

Der nächste Punkt klingt ähnlich. Aber zwischen dem berechtigten Zugang zur Top-Ten und einem Text, der die Suchmaschine zwingt (!) ihn gut zu ranken, ist ein Unterschied. Diesen Unterschied könnte man auch „Schöpfungshöhe“ oder manchmal auch „Aktualität“ nennen.

Nehmen wir noch einmal an, wir könnten die Suchmaschine beim Arbeiten beobachten. Sie kennt die Fragen der Nutzer und kann die Antworten auf den Webseiten dieser Welt semantisch sinnvoll zuordnen. Damit hat sie bisher einen so guten Job gemacht, dass sie die größte Suchmaschine des Universums geworden ist.

Doch nun stößt sie bei einer neuen (oder aktualisierten) Webseite auf einige Inhalte, die ungewöhnlich sind: Diese Webseite gehört zu einer Domain, die schon bisher für das Thema im weiteren Sinne ordentliche Antworten parat hatte. Und ein kurzer Check der Nebenkeywords zeigt, dass es tatsächlich um, sagen wir mal, „SEO-Texte“ geht. Also das alles wirkt irgendwie vertrauenswürdig.

Doch: Was ist das? Der Beitrag beinhaltet – auf inhaltlicher Wortbasis – noch weitere Aspekte, die noch nicht einmal die Nutzer nachgefragt haben. Während die anderen immer über „Text Tool“, „Generator“ und so weiter schreiben – steht hier etwas über Rechtschreibung und Grammatik. Das bringt die Suchmaschine ins Grübeln:

  • Das Vertrauen zum Thema hat die Domain und damit auch die URL.
  • Wie aber mit neuen, unbekannten Aspekten umgehen?

Was tun? Wenn ICH eine Suchmaschine programmieren würde, wäre das der Zeitpunkt, an dem ein Trigger dafür sorgt, dass DIESE URL für getestet werden muss. Denn es gibt nur drei Möglichkeiten:

  1. Die Typen, die das geschrieben haben, standen unter dem Einfluss von psychotropen Substanzen.
  2. Die Typen, die das geschrieben haben, haben etwas herausgefunden, was die anderen nicht wissen.
  3. Es hat sich etwas in dem Thema weiterentwickelt (was selbst bei „SEO-Texten“ der Fall sein könnte…).

In zwei der drei Fällen, ist es eine gute Idee, die Seite mal von Nutzern checken zu lassen.

Da gibt es ein Thema, das die anderen Seiten UND die Nutzer noch nicht kennen? Das sollte die Suchmaschine doch sehr interessieren…

Wie gesagt: Ich kenne dafür keine Patente und vor allem keine Tools, die euch die Arbeit des Nachdenkens abnehmen. Andererseits gehe ich davon aus, dass bei Google sehr schlaue Leute arbeiten. Und die haben sicherlich ein Interesse daran, dass erstens alle Fragen und Ansprüche der Nutzer beantwortet werden („Berechtigung“) und dass neue Aspekte unbedingt auch auftauchen sollten („Besonderheit“).

Wie also beim Schreiben von suchmaschinenfreundlichen Texten vorgehen?

  1. Recherchiere in den Suchergebnissen zu deinem Thema („Was ist die Suchintention“)
  2. Welche Fragen werden an das Thema gestellt? („Ähnliche Suchanfragen“, „W-Fragen Tools“)
  3. Welche Fragen werden von welchen Seitentypen ordentlich beantwortet? (Augen auf in den SERPs)
  4. Was kannst du neues oder zumindest anderes beitragen?
  5. Erschaffe nun den besten Content für deinen Ausschnitt zum Thema.
  6. Kümmere dich um eine ordentliche Qualitätskontrolle. (Uasability, Stil, Rechtschreibung, Grammatik)
  7. Sei stolz drauf und sag anderen Bescheid, was du geschaffen hast.

Noch einen (Geheim-)Tipp

STOPP! Halte ein, bevor du nun begeistert mit der Planung eines neuen Artikels startest. Denn das wäre Energieverschwendung. Du hast doch schon viel Content auf deiner Webseite – kümmere dich erst einmal darum. Und das geht so:

  1. Schaue in die Google Search Console und suche dir die zehn URLs heraus, mit denen du den meisten Traffic machst. Fast immer sind es zwei bis acht Prozent der URLs die für mehr als 80 Prozent der Suchmaschinen-Besucher verantwortlich sind.
  2. Nimm den Ersten davon und stelle diesem Text die drei Fragen oben nach Daseinsberechtigung, Schöpfungshöhe und Rechtschreibung/Grammatik.

Und schon hast du eine Menge zu tun.

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3 Gedanken zu „Die drei fehlenden Tipps für „SEO-Texte““

  1. Sehr guter Beitrag! Komme nicht umhin zu denken, meinen Teil an Inspiration beigetragen zu haben 😉 Deine Tipps sind unbezahlbar – ich bin begeistert! Liebste Grüße in die Gisela

  2. Hey Eric,
    danke für den ausgezeichneten Beitrag. Ich war mir erst nicht sicher, ob ich ihn lesen sollte, da die meisten Beiträge zu dem Thema alle gleich sind. Deiner ist aber vollkommen anders und trifft es meiner Meinung nach auf den Punkt. #WarumGoogleBesondereTexteRankenMUSS

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