Die individuelle Keyword-Recherche

Bevor man an Technik, Content und Backlinks herumoptimiert, sollte man sich in einer Keyword-Recherche darüber klar werden, für welche Suchbegriffe die Seite passt! Es geht schließlich nicht darum, IRGENDWELCHE Besucher per Google SERPs auf die eigene Webseite zu locken, sondern die richtigen. 

Für eine gute Keyword-Recherche legst du bitte auch mal das Tool aus der Hand und schaust genauer hin.

Für eine gute Keyword-Recherche legst du bitte auch mal das Tool aus der Hand und schaust genauer hin. (Photo by Ran Berkovich on Unsplash)

Für die Keyword Recherche hilft es, mal die Perspektive zu wechseln und sich zu fragen: „Auf welche Fragen und Bedürfnisse habe ich eigentlich die richtigen Antworten?“ Nicht: „Was will ich unbedingt den Usern sagen?“ Und dieser Frage will ich in diesem Basic-Artikel  über die Instant-Keyword-Recherche nachgehen.

Aber Vorsicht! Das hier ist eher ein Denk- statt Tool-Ratgeber. 

Das richtige Keyword ist wichtiger als je zuvor

Was soll das eigentlich? Google verlangt von uns eine Menge „Qualität“ in den Keywords:

  • Der Inhalt sollte sich um das Keyword (und seinde Nebenkeywords) drehen.
  • Die internen und externen Links, die auf die Seite zeigen, sollten (zumindest teilweise) das Keyword enthalten.
  • Die Besucher, die das Keyword in Google eingeben, sollten auf UNSERE Seite klicken, die CTR sollte also stimmen.
  • Wenn Sie auf der Seite sind, sollten sie nicht sofort wieder zurück schrecken. Der Inhalt soll also passen.

Man kann das also auch abkürzen: Nicht WIR definieren die Keywords – sondern unsere Besucher. Nur wenn DIESE der Meinung sind, unsere „Antwort“ auf ihre Suchanfrage passt, werden wir dafür auch gut ranken. Textlänge, Keyword-Dichte und all die anderen 08/15-Rankingfaktoren spielen dabei keine oder zumindest eine sehr untergeordnete Rolle. 

1. Tipp: Das Keyword muss exakt zur gewünschten Suchanfrage UND zum Content passen. Wenn ihr für „Slackline Einsteiger Set“ gefunden werden möchtet, braucht ihr einen Beitrag über „Slackline Einsteiger Set“ und nicht irgend was Allgemeines zum Thema „Slackline“. Das klingt banal? ist es aber nicht. Probiert das mal.

Was heißt hier eigentlich „wollen“?

Es gibt noch viel zu viele Pseudo-Cleverle, die glauben mit *irgendeinem* Text der *irgendwo* gefundene Begriffe enthält, top ranken zu können. Doch das ist falsch. Ich wiederhole: Dein Artikel rankt für ein Keyword genau dann, wenn die User der Meinung sind, dass der Inhalt zum Keyword passt. Wir müssen uns also vor der Keyword-Recherche über den User klar werden:

  • Wie ist die Suchmotivation? Möchte der User etwas kaufen („iphone bestellen“) oder will er sich informieren („iphone bedienungsanleitung““). Manchmal gibt es übrigens auch Mischformen. Dann kannst du dich vielleicht für den „informationellen“ oder den „tranksaktionellen“ Teil der Fragen kümmern.
  • Will er aktuelle Informationen („Flukatastrophe“) oder ist auch ein älterer Artikel („Erderwärmung“) passend?
  • Geht es um textliche oder um visuelle Fragen? („Leonardo da vinci lebenslauf“ vs. „leonardo da vinci werke“)
  • Welche anderen Begriffe und Unter-Themen spielen eine Rolle?
  • Und natürlich: Geht es um etwas Allgemeines oder um etwas Spezielles? Das ist dann der Kampf zwischen Longtail und Shorthead. Wenn es um etwas „Allgemeines“ geht, dann brauchst du vielleicht sogar ganz wenig Text – aber supergute weiterführende Verlinkungen. Oder viel Text mit allgemeinen Infos.

Du merkst schon: Es gibt keine allgemeinen Antworten – es geht immer um den individuellen Fall. Um das individuelle Keyword also. 

Erstens: Die 15-Sekunden-Keyword-Recherche (bei vorhandenem Artikel)

Gehen wir davon aus, ein Redakteur hat einen Artikel verfasst (oder muss einen Print-Artikel ver-onlinen). Dann empfehle ich ihm diesen Ablauf:

  1. Erster Gedanke – richtiger Gedanke: Über was hast du gerade geschrieben? Über die Erderwärmung? Nein! Sag es mir genauer! „Erderwärmung Anzeichen“ oder „Erderwärmung Folgen“?
  2. Google Suche – mit Verwandten Suchanfragen: Auf der Google Suchergebnisseite findet sich unter den Suchergebnissen der Bereich „Verwandte Suchanfragen. Von hier aus kann man noch konkreter werden – und zwar innerhalb der Begrifflichkeiten, nach denen die User gesucht haben:
    Was sagt Google zum Thema?
    Weitere ähnliche Suchbegriffe gibt es natürlich auch im Keyword-Tool von AdWords und in diversen Tools. Allerdings soll es hier ja schnell gehen – deshalb reicht uns die Suche hier.
  3. Frage dich: Gehöre ich da hin? Schließlich schaut man sich das Suchergebnis zu dem Keyword an und beantwortet sich ehrlich die Frage, ob das klappen kann. Wer mit einer News-Seite dort nur lauter Shops sieht, sollte sich wohl ein anderes Keyword suchen. Und wer mit eine Mini-Seite nur Ergebnisse von Spiegel, Welt und Süddeutsche findet, sollte das Keyword auch noch mal überdenken.

Natürlich schaust du auch auf die bestehenden Suchergebnisse und prüfst, ob es dich denn überhaupt braucht. Denn ganz sicher ist: Wer einfach nur etwas kopiert, ist völlig unnötig. Und das weiß auch Google.

Also: In diesen handgestoppten 15 Sekunden findet man also das richtige Keyword für den gerade verfassten Beitrag. Ein paar Minuten länger dauert es, wenn man noch den Sicherheitsgurt anzieht:

2. Extra-Tipp: Suche, ob es für dieses Keyword auf deiner Website nicht schon eine aussichtsreiche, bessere Seite gibt. Einen älteren Artikel, ein schickeres Produkt oder eine tolle Beratungs-Story. Das machst du entweder mit einem handelsüblichen SEO-Analyse Tool. Oder mit der Site-Abfrage „site:domain.de [keyword]“ bei Google. Findest du bei DIR eine bessere Seite zum Thema, solltest du die neue Seite vergessen und die bestehende überarbeiten. Das macht weniger Arbeit und führt schneller zum Erfolg.  Mehrere Beiträge auf ein Keyword zu optimieren ist jedenfalls Unfug.

Die 60-Sekunden-Keyword-Recherche (für einen neuen Beitrag)

Wenn du eine neue Webseite, mehr Zeit und das Bedürfnis hast, noch mehr User zu generieren (und wer hat das nicht?), möchtest du vermutlich auch mal einen neuen Artikel schreiben – ohne zu wissen, worum es eigentlich gehen soll. Dann empfehle ich folgende Keyword-Recherche:

  1. Suche dir – ganz grob – ein Thema, um das es gehen soll (z.B. „Slackline“)
  2. Schau in den Verwandten Suchanfragen nach Begriffen, die passen könnten (Shops suchen nach Keywords aus der Warenwelt, Infoseiten nach Wissensfragen u.s.w.). Sammle einige mögliche Keywords, die dir plausibel erscheinen (und die zu dir passen und deren dahinterliegende Fragen du gut beantworten kannst).
  3. Checke diese Begriffe im Google AdWords Keyword Tool oder in der Search Analyse deiner Wahl nach: potentieller Traffic, Wettbewerb und Zeitverlauf.
  4. Prüfe deine Chance – also gib das Keyword bei Google ein und stell dir die Frage, ob du in diese Ergebnisliste hinein passt.

3. Extra-Tipp: Wenn du zu dem dazugehörigen oder einem ähnlichen Thema schon einen Beitrag hast, solltest du diesen auch als Link-Ausgangspunkt zum neuen Beitrag machen. Das sorgt für Freshness, eine bessere interne Verlinkung und glückliche User.

Die ganz aufwändige Keyword-Recherche mit WDF*IDF

Und was hat es nun mit diesen WDF*IDF-Tools auf sich? Sind das nicht auch Keywords? Im Prinzip schon – aber anders. Denn dort findest du „Nebenkeywords“. Also Begriffe, die auch im Text stehen und damit Google zeigen, dass du dich auskennst. Das gilt auch für die „Ähnlichen Suchbegriffe“. Klingt kompliziert, ist aber im Prinzip ganz einfach:

  • Eine WDF*IDF-Analyse zeigt sprachwissenschaftlich plausibel, mit welchen Begriffen die schon bisher gut rankenden Seiten arbeiten. Das sind also keine Synonyme sondern eher „ergänzende“ Begriffe. So, wie das Wort „WDF*IDF“ und das Wort „SEO“ irgendwie in einem Text rund um „Keyword-Recherche“ gehört. Damit zeigst du der Suchmaschine (und übrigens auch den Lesern), dass du dich mit dem Thema auskennst. Doch Vorsicht! Auch hier gilt: Wenn du dumpf einfach diese Nebenkeywords verwendest (also den Inhalt den schon vorhandenen Seiten sehr, sehr ähnlich bist), dann braucht dich keiner mehr. Du musst also schon noch ein paar Gedanken oben drauf legen.
  • Die Ähnlichen Suchanfragen (siehe oben für „Erderwärmung“) sind Wörter, die Nutzer im Zusammenhang mit dem Hauptkeyword in die Google-Suche eingeben. Wenn du diese also verwendest, dann weiß die Suchmaschine, dass du zumindest teilweise die Sprache der Nutzer sprichst.

Mehr über WDF*IDF habe ich hier aufgeschrieben.

Tools: With a little Help from…

Hier noch einige weitere Tools, die uns verraten, was die User eigentlich wollen:

  • Die eigene Suche auf der Seite ist exakt das, was die Leser von uns wollen und in der Sprache, in der sie sprechen. Also aktiviere diese und schaue an, was deine Besucher dort eingeben.
  • In der Google Search Console finden wir unter „Zugriffe / Suchanfragen“ alle Suchen, bei denen wir angezeigt werden – und auch die Klickraten. Warum nicht bei einen schlecht „klickenden“ Beitrag das Snippet verbessern?
  • Das Adwords-Keyword-Tool bietet uns natürlich auch eine feine Möglichkeit, noch mehr neue Keywords kennen zu lernen.

Noch ein Extra-Tipp für Journalisten

Hand aufs Herz: Ihr wollt zwar möglichst viel Reichweite und Traffic. Aber nicht um jeden Preis. Eine Keyword-Recherche erscheint euch irgendwie wichtig – aber Keyword-Mutanten-Beiträge will keiner von euch schreiben. Deshalb empfehle ich folgenden Ablauf beim Schreiben von Artikeln, bei dem ihr dieser Gefahr entgeht:

  1. Thema des Beitrags grob z.B. in der Redaktionskonferenz festlegen.
  2. In 15 Sekunden mit der Keyword Recherche passendes Suchwort finden und damit das Thema feintunen.
  3. Den Beitrag ohne weitere Gedanken an das Keyword schreiben
  4. Überarbeitung des Beitrags für das Keyword. (Dazu ein andermal mehr…)
  5. Perfektionierung des Snippets (also Title-Tag und Description-Tag)

Denn wenn ihr beim Schreiben das Keyword aus dem Kopf bekommt, wird euer Inhalt besser. Garantiert.

Mehr lesen? Gerne:

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