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Ein Buch schreiben: von der Idee zum Konzept

Glückwunsch, endlich hast du dich entschieden über „dein Thema“ ein Buch zu schreiben. Was dir jetzt noch fehlt, ist eine Struktur, ein roter Faden. Viele Autoren fangen an diesem Punkt an, Kapitel zu entwickeln – und überspringen einen wichtigen Schritt, der entscheidet, ob am Ende nur du oder auch deine Leser dein Buch neugierig in die Hand nehmen.

Trial & Error: Jede Seite, die du wieder löschst, wird dich weiter gebracht haben. Wenn du dein Buch aber konzeptlos vor dich hinschreibst, ist das pure Verschwendung. (Bild von congerdesign auf Pixabay)

Es gibt nicht den einen besten Weg, um von einer Buchidee zur Gliederung zu kommen. Während im Bereich der Belletristik oft mit Frameworks gearbeitet wird, mit 3-Akt-, 4-Akt- oder 5-Akt-Struktur, wird diese Arbeitsphase in Sachbuchratgebern meist individueller abgehandelt: Recherchiere, strukturiere deine Inhalte sinnvoll in Kapitel und fang dann an zu schreiben.

Oft stellen Autoren dann unterwegs fest, dass sie Kapitel umstellen müssen, dass ihre Message so doch nicht ganz klar wird, dass sie bestimmte Aspekte besser ganz streichen und andere noch neu recherchieren müssen. Kurz: Es entsteht Mehraufwand, Stress und der ganze Prozess ähnelt einem Fahren auf Sicht.

Dabei geht es auch einfacher. Denn der Framework-Ansatz lässt sich leicht abgewandelt auch für Sachbücher nutzen. Er sorgt dafür, dass du dein Thema auf persönliche und neue Weise vermittelst und im Schreibprozess einer klaren Linie folgen kannst.

Warum ein Thema nicht ausreicht

Du liebst Hunde? Du schwörst auf Bitcoins? Egal, welches Thema dich umtreibt, in 99 Prozent der Fälle gibt es hierzu bereits eine ganze Reihe von Büchern – und viele davon sind durchaus gut geschrieben. Warum sollte sich also jemand für dein Buch interessieren? Abgesehen davon, dass du natürlich ganz tolles Marketing machen wirst.

Wenn du ein Sachbuch schreiben willst, dann schreib nicht über Hunde, sondern frag dich, worum es dir wirklich geht. Was willst du deinem Leser vermitteln? Betrachte das Thema aus einer persönlichen Perspektive. Was sind deine Meinungen und Erfahrungen zum Thema. Daraus entwickle eine Kernthese.

Beim Thema Hunde könnte sie lauten: „Mit dem richtigen Hund an der Seite lassen sich Krisen leichter überwinden“. Bei Bitcoins vielleicht: „Bitcoins sind die beste Anlageform für die Generation Z.“ Arbeite den Mehrwert für den Leser heraus.

Wenn du die These aufgestellt hast, wird dir die Entscheidung, welche Aspekte du in dein Buch aufnimmst und welche du bei Seite lässt, sehr viel leichter fallen. Denn jedes Kapitel muss sich aus deiner These ableiten lassen und sie stützen.

Was ist die 3-Akt-Struktur für Sachbücher?

Noch mehr Klarheit gewinnst du, wenn du dich an einer 3-Akt-Struktur orientierst, die sich an das klassische Stoytelling-Framework der Belletristik anlehnt. Sie arbeitet mit Einleitung, Hauptteil und Schluss. Du lernst einen Helden kennen (Akt 1), er muss eine Herausforderung bewältigen und trifft auf Probleme (Akt 2), ehe er schließlich doch zu einer Lösung findet (Akt 3). 

Übertragen auf die Konzeption deines Sachbuchs lassen sich folgende 3 Akte definieren:

  1. Akt: Hier schilderst du die Ausgangssituation, die Relevanz des Themas.
  2. Akt: Hier erläuterst du deine These und beschreibst, wie sich durch „dein Thema“ die Ausgangssituation verbessert.
  3. Akt: Hier behandelst du Stolperfallen und gibst Tipps, wie die Veränderung für den Leser gelingen kann.

Beispiel: Wie du die 3-Akt-Struktur auf dein Thema überträgst

Das klingt dir fast zu einfach? Ich finde, der Schreibprozess selbst wird noch schwierig genug, warum also unnötig Hürden aufbauen? Das Framework funktioniert in der Praxis erstaunlich gut. Werfen wir einen Blick auf eines unserer Beispiele.

These: „Mit dem richtigen Hund an der Seite lassen sich Krisen leichter überwinden“

  1. Akt: Schildere deine persönliche Krise oder die Erfahrungen anderer, die in einer Krise einen Hund zu sich genommen haben.
  2. Akt: Beschreibe, wie sich das Leben durch den Hund zum Positiven verändern kann. Hier ist Raum für wissenschaftliche Studien und persönliche Erfahrungen, Fallbeispiele. In unserem Beispiel geht es um den „richtigen Hund“, d.h. im zweiten Akt würdest du auch erklären, was in dem Fall unter richtig ist. Auf welche Charaktereigenschaften ist bei der Hundewahl zu achten o.ä.
  3. Akt: Den Abschluss bilden konkrete Tipps und Empfehlungen für die Veränderung. In unserem Fall erfahren Leser vielleicht, wie sie den richtigen Hund finden, was bei der Pflege eines Hundes zu beachten ist und wie sie erkennen, ob ein Hund überhaupt eine gute Haustierwahl für sie ist.

Die Akte geben dir eine erste Orientierung, sind aber nicht mit Kapiteln zu verwechseln. Ein Akt kann (und wird meistens) mehrere Kapitel enthalten und auch die Länge der einzelnen Akte kann sich unterscheiden. Akt 2 ist typischerweise der längste Akt, weil es hier um den Kern deines Themas geht.

Tipp für die Umsetzung: Wenn du deine These in Akte gegliedert hast, hilft es, ein großes Blatt Papier zu nehmen (Flipchartpapier) und die drei Spalten mit ihren Themenblöcken aufzuzeichnen. Wenn dir während der Recherche neue Aspekte deines Themas begegnen, kannst du sie direkt in die jeweilige Spalte notieren. Am besten mit Post-Its, dann bleibst du flexibel und siehst im Laufe der Zeit immer klarer, welche Kapitelstruktur in deinen Akten steckt.

Mehraufwand für mehr Qualität – immer eine gute Idee

Die 3-Akt-Struktur für Sachbücher ist sicher nicht für jedes Buchprojekt geeignet. Wer wissenschaftliche Erkenntnisse darstellen will, wer ein Kompendium über ein Thema verfasst – für den sind andere Herangehensweisen besser geeignet.

Wer aber zu einem Thema schreiben will, zu dem es mehr als nur eine richtige Meinung gibt und wer mit seiner Veröffentlichung seinen Expertenstatus ausbauen möchte, für den bietet das Framework eine intelligente Arbeitshilfe.

Auf den ersten Blick ist es vielleicht ein unnötiger Zwischenschritt, sich erst über These und Akte Gedanken zu machen, statt sofort in medias res zu gehen. Die Mehrarbeit zahlt sich aber aus: Das Framework hilft dir, von Beginn an eine gute Basis für die Qualität deines Buchs zu schaffen. Die Bücher werden so stringenter und leserorientierter.

Selbst wenn du schon mitten in deinem Schreibprozess bist, kannst du noch auf die Methode zurückgreifen. Merkst du, dass dir der rote Faden verloren geht oder diskutierst du mit dir, welche Aspekte du wie ausführlich in dein Buch aufnehmen willst? Dann versuch deine bisherigen Inhalte in die drei Akte zu gliedern. Was nicht reinpasst, fliegt raus. Was fehlt, nimmst du noch hinzu. Mit dem Framework als Ordnungshilfe kommst du so aus vielen Schreibblockaden erstaunlich schnell heraus.

Übrigens, auch aus Marketing-Sicht bringt das Framework Vorteile. Denn es sorgt dafür, dass du am Ende einen Titel veröffentlichst, der eine kontroverse Position und/oder einen konkreten Nutzwert für den Leser bietet. Beides sind die besten Verkaufstrigger im Sachbuchsegment.

Wenn du bisher Schwierigkeiten mit der Konzeption hattest oder gerade in der Ideenphase für dein erstes eigenes Buch steckst, probiere das Framework doch einfach mal aus. Wenn es für dich nicht funktioniert, hast du nur etwas Zeit verloren, aber ich könnte mir vorstellen, dass er dich genauso überzeugt wie mich.

Schreib gerne auch einen Kommentar, wie deine Erfahrungen mit dem Ansatz sind, oder, wenn du erfahrener Autor bist, wie du selbst beim Gliedern deiner Sachbücher vorgehst.

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