Dir ist endlich aufgefallen, dass „Brainstorming“ im Team nicht funktioniert? Richtig! Aus guten Gründen ist Brainwriting (am besten als 635-Methode) die erfolgreichere Kreativ-Technik.

Na gut, ein Abend mit Lagerfeuer am See fördert auch die Kreativität – ist aber nicht immer möglich. Versuche es deshalb mal mit Brainwriting. (Foto von Alan Labisch auf Unsplash)

Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt, warum die Mona Lisa, die Star Wars Saga und die Relativitätstheorie von einzelnen Menschen – und nicht von einem Team geschaffen wurden? Die Antwort darauf ist: Weil Teams nicht kreativ sind!

Das ist leider tatsächlich wahr. Kreativität hat es in menschlichen Gemeinschaften sehr, sehr schwer. Beobachte ein Team beim Brainstorming: Einige plappern sofort los, während andere noch Zeit bräuchten. Und einige sind eh nicht kreativ sondern schießen lieber die Vorschläge der anderen ab. Egal, ob sie das gerade dürfen oder nicht.

Und ist das „Storming“ vorbei ist und die – eigentlich kreative – Suche nach weiteren, phantasievollen Assoziationen beginnt, pulsiert bei allen das Adrenalin im Blut, weil man sich beobachtet fühlt.

Wieder wird die Angst wird zum Kreativitäts-Killer: Jeder möchte jeder etwas beitragen, hat aber Angst, etwas Blödes zu sagen. Statt entspannendem Serotonin fließt nun Adrenalin (das bei Angst ausgeschüttet wird) durch die Blutbahnen und und macht aus einem Kreativ-Meeting ein Grübel-Treffen.

Am Ende haben wir wieder also wieder die Ideen der Dampfplauderer auf dem Chart stehen und die stillen „Denker“ sind noch frustrierter als zuvor.

Das habt ihr doch auch schon erlebt – oder? Ich habe wirklich keine Idee, warum Brainstorming im Team immer noch populär ist. Vielleicht, weil die es die Dampfplauderer immer wieder auf die Tagesordnung setzen und es besser als nix ist.

(Anmerkung des Autors: Dies gilt hier übrigens nur fürs Brainstorming mit anderen. Wenn du alleine, z.B. mit einer MindMap brainstormst, kann das grandios funktionieren. Denn da brüllt keiner dazwischen.)

Brainwriting: Damit sich ein Team gegenseitig „kreativ infiziert“

Der Vorteil eines Teams ist doch die Vielfältigkeit. Da gibt es welche, die schnell und laut denken und andere, die langsam und leise denken. Und natürlich auch welche, die schnell und leise und langsam und laut denken und sprechen – ja, du weißt schon, was ich meine. Doch damit diese Wunderwaffe „Vielfältigkeit“ funktioniert, muss man jedem seine Zeit geben. So, dass die Lauten die Leisen und Langsamen auch die Schnellen mit ihren Ideen „infizieren“ können.

Um die guten Ideen aller Team-Mitglieder zu „ernten“ brauchen wir also:

  • eine angstfreie Situation,
  • gleiche Voraussetzungen für alle und
  • einen gehirngerechten Zeitrahmen.

Der letzte Punkt bedeutet, dass wir meist nur eine kurze Zeit „kreativ“ sein können. Schon nach zwei oder drei Minuten geht unser Gehirn häufig in einen rationalen Modus in dem bewertet aber nicht produziert wird. Dies kann zwar durch regelmäßige Übung etwa von „Automatischem Schreiben“ überwunden werden – aber dafür ist in einem Kreativ-Meeting nun wirklich keine Zeit…

Brainwriting mit der 6-3-5-Methode

Also etwas anderes probieren: Bei der 6-3-5-Brainwriting-Methode wird mit sechs Teilnehmern auf jeweils drei Blättern oder drei Spalten gearbeitet und jedes Blatt wechselt fünfmal den Besitzer. Das klingt komplizierter als es ist – aber stellt sicher, dass das Brainwriting so kreativ wie möglich wird.

Im Detail funktioniert die Methode folgendermaßen: Du brauchst sechs Teilnehmer und etwa 30 Minuten. Wenn du nur drei oder vier Teilnehmer hast – egal, dann passe das einfach an.

  1. Die Grundfrage bzw. das Grundproblem wird für alle sichtbar auf ein Flipchart geschrieben. Dabei können sich auch alle darüber unterhalten. Es ist gut, wenn sich die Gehirne darauf „einschwingen“.
  2. Jeder Teilnehmer bekommt drei Blätter (oder ein Blatt mit drei Spalten) und sechs Zeilen und schreibt in die drei Zeilen oder Felder der Blätter eine Idee.
  3. Im klassischen Modell geben dann alle (z.B. nach drei Minuten) ihre Blätter nach rechts weiter. Ich finde das nicht optimal – denn dann bekommt Hans immer die Blätter von Tom und der immer von Lina. Lustiger ist es, wenn die Blätter kreuz und quer über den Tisch geschoben werden. Ihr müsst euch nur merken, wer von euch schon ein Blatt bekommen hat und jemanden aussuchen, der keines hat. Das führt manchmal zu ein bisschen Chaos – aber am Ende müsste es wohl passen 😉
  4. Hat jeder die nächsten Blätter (bzw. das nächste Blatt), liest er die vorhandenen Notizen durch und baut mit seinem nächsten Gedanken darauf auf. Das passiert nun fünf mal.
  5. Sind alle Blätter vollgeschrieben kommen sie in die Mitte des Tischs und werden gemischt. Danach bekommt wieder jeder drei „zufällige“ Blätter.
  6. Diese werden durchgelesen und ausgewertet: Jeder schreibt zwei bis fünf Ideen von den Blättern auf Moderationskarten.
  7. All diese Ideen werden präsentiert und diskutiert. Nun ist das Team nicht mehr im Kreativ-Modus sondern arbeitet logisch auswertend und analytisch.

Man kann diesen zweiten Teil (also die Auswahl und Bewertung der Ideen) auch auf den nächsten Tag verschieben. Das darüber schlafen ist ein sehr gutes Regularium. Andererseits werden die Ideen möglicherweise zu kritisch betrachtet. Ich denke, das kommt ganz auf die Zusammensetzung des Teams an.

Wofür eignet sich die Brainwriting-635-Methode?

Achte auf eine halbwegs (!) konkrete Fragestellung, die das implizite Wissen abfragt und möglichst kreativ beantwortet werden kann/muss. Hier ein paar Beispiele:

Nicht so dolle eignen sich diese Fragen:

  • Wie viel Umsatz wollen wir 2020 machen?
  • Mit welchem Redaktionssystem wollen wir die Webseite erstellen?
  • Warum sind wir so unkreativ?

Ganz gut eigenen sich diese Fragen:

  • Wie können wir Produkt xy noch verbessern?
  • Wie wollen wir uns auf der neuen Webseite präsentieren?
  • An welchen Stellen im Unternehmen können wir sparen? (ja, auch das benötigt Kreativität…)
  • Was fördert Kreativität?

Viel Vergnügen!

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