Sensation (von französisch „sensation“, „Sinneseindruck“; aus lateinisch „sensus“ „Gefühl“, „Verstand“ und „sentire“ „empfinden“, „fühlen“, „mit den Sinnen wahrnehmen“) steht im psychologischen Sinne für ein fühlbares Ereignis, eine Empfindung im Körper. Das kann ein Wärmegefühl, ein Kribbeln oder auch ein Entspannungsschmerz sein. Um etwas „Sensation“ nennen zu können, muss es nicht aufsehenerregend oder auffällig sein. Es darf nur da sein und gespürt werden.  

Schöne, bemerkenswerte Wörter

Wenn wir an „Sensation“ denken, denken wir an einen Weltrekord oder ein ähnlich bemerkenswertes Ereignis aus den Nachrichten oder auf Facebook. Würden im nächsten Jahr die Bayern NICHT Deutscher Meister, wäre das eine Sensation. Ebenso eine Sensation war es, dass im Banner Desert Medical Center in Arizona 16 Intensivkrankenschwestern gleichzeitig schwanger geworden sind.

Na gut. Vielleicht wird der Titel „Sensation“ heute zu schnell verliehen – da viel zu viele Ereignis in durch unsere Timelines huschen. Ganz kurz denken wir dann, DAS ist aufsehenerregend, DAS wird uns bereichern – und dann ist es doch nur ein Katzenvideo oder ein längst bekannter Trick zum Abnehmen.

Körper-Sensationen sind anders

Wenn wir allerdings in den Wortschatz der Psychologen, Traumatherapeuten und Achtsamkeitstrainer blicken, erleben wir ganz andere Sensationen. Denn dort meint dieses Wort eine haptische Wahrnehmung, etwas das wir spüren können. Und je feiner und zarter diese Wahrnehmung ist, umso hilfreicher ist es, sie zu spüren.

Die Sache ist diese: Ständig liefert unser gesamter Körper Informationen ans Gehirn. Der leicht juckende Mückenstich, die latent vorhandenen Rückenschmerzen, das warme Gefühl im Bauch, wenn wir einen lieben Menschen nach langer Zeit wiedersehen. Unser Gehirn filtert aus diesem Datenstrom heraus, was wichtig sein könnte und liefert nur die stärksten Empfindungen ans Bewusstsein. Das sind dann natürlich Signale, die eine sofortige Handlung benötigen weil zum Beispiel Gefahr droht. Ein Jucken ist dafür „zu klein“ und die Rückenschmerzen sind ohnehin immer da.

Und, hey: Es ist prima, dass uns das Jucken nicht von unserer aktuellen Beschäftigung ablenkt. Dieses überlassen wir gerne unserem Unterbewusstsein, dass dafür sorgt, dass irgend ein Finger am Mückenstich herumkratzt. Erst wenn dieser sich entzündet, wird es Zeit, sich darum zu kümmern. Der dazugehörige Schmerz wird recht schnell ans Bewusstsein geliefert.

Der Vorgang sichert unsere Alltagstauglichkeit. Doch manchmal sollte es anders sein. In einigen Formen der Traumatherapie  und bei allen Achtsamkeits-Übungen stehen gerade die kleinen, feinen „Körper-Sensationen“ im Mittelpunkt. Dann wollen wir das wahrnehmen, was kein großer Schmerz sondern ein zartes Signal ist. Immer dann, wenn wir genau „spüren, was ist“, beginnen wir mit den kleinen Sensationen unseres Körpers. Denn jedes große Gefühl, jeder Affekt und jede frühere Verletzung beginnt mit einer Empfindung.

Merke: Gefühle wollen gefühlt werden – und zeigen sich zuerst im Körper als „Sensation“. 

Es ist gut, wenn ein Traumapatient, der seine schrecklichen Erlebnisse immer und immer wieder durchlebt, die feinen körperlichen Echos spüren lernt, die seine Flashbacks verursachen – und dadurch nach und nach sein Leben zurück erhält. Es ist gut, wenn der Manager die Signale seines Körpers lesen lernt – um nicht mehr vor Müdigkeit und durch Stress krank zu werden. Und es ist großartig, wenn wir den Mückenstich frühzeitig erkennen und behandeln können – bevor wir ihn entzündlich kratzen.

Mir gefällt das Wort „Sensation“ auch deshalb, weil es ausdrückt, wie sensationell und großartig unser Körper funktioniert. 

Du willst das auch spüren? Nichts leichter als das: Mache es dir JETZT für einige Minuten bequem, schließe die Augen und wandere mit deinen Gedanken durch deine Füße, Beine, den Bauch, den Rücken, die Arme und über den Hals zum Kopf bis in die Haarspitzen. Erfühle dabei, welche Körperteile – vielleicht nur ein wenig – angespannt sind, jucken oder vielleicht etwas wärmer sind als andere. Denke dabei auch an den Kiefer, die Schultern und den Beckenboden. Entspanne diese Bereiche ein wenig. Spüre. Öffne dann wieder die Augen und genieße die kleine Ruhe das bisschen Mehr an Freiheit dass du gerade gewonnen hast. 

Das ist die wahre Sensation!

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