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Textanfänge: 5 Tipps, die Leser scrollen lassen

Überschriften sind echte Rampensäue. Hauptsache, den Leser auf die eigene Seite locken. Und dann? Wer keine guten Textanfänge hinbekommt, verliert Leser schneller als er Bounce-Rate sagen kann. Dabei sind wirksame Teaser keine Raketenwissenschaft – zumindest nicht mehr für dich, wenn du diesen Artikel zu Ende liest.

text einstieg teaser
Schon mal ziemlich gut, wenn der Eingang einladend aussieht.(Foto von Arno Smit auf Unsplash)

Warum der Eingang so wichtig ist

10 bis 20 Sekunden bleiben Leser im Durchschnitt auf einer Website und die meisten lesen nur ein Viertel des Textes einer Seite. Die Studienergebnisse der Nielsen Norman Group sind zugegeben ernüchternd, wenn auch wenig überraschend. Für Autoren im Netz heißt das: Mit einer grandiosen Überschrift ist nicht viel gewonnen.

Ja, der Leser ist vor dem Geschäft stehen geblieben. Im besten Fall wirft einen Blick durchs Schaufenster. Gekauft hat er damit aber noch nichts. Wie du das Schaufenster so gestaltest, dass du Leser fast automatisch in deinen Text hineinziehst? Die ultimative Formel gibt es nicht. Denn so wie die Meinungen in Stilfragen auseinandergehen, wird nicht jeder Teaser zu jeder Zielgruppe passen.

5 Tipps für bessere Texteinstiege

Die folgenden Tipps sind aber ein Grundstoff, aus dem du wirksame Textanfänge weben kannst. Auf den ersten Blick erscheinen sie recht simpel. Vielleicht sogar offensichtlich. Die Herausforderung: aus den generischen Formeln individuelle Textanfänge zu schneidern, die deine Handschrift tragen und die deine Schreibstimme hörbar machen – sonst wird der beste Hook deine Leser nicht zum Weiterscrollen motivieren.

  • Stell eine Frage
  • Leser-Ansprache
  • Überraschender Fakt
  • Kontroverser Standpunkt
  • Storytelling

1. Stell eine Frage

Was ist der häufigste Fehler, den Texter bei Textanfängen machen? Mit welchem kurzen Wort kannst du die Zahl der Nutzer, die deinen Text bis zum Ende lesen verdoppeln?

Das menschliche Gehirn ist neurobiologisch darauf ausgelegt, jede Frage, die wir ihm stellen, zu beantworten. Lesen wir eine Frage, wollen wir die Antwort wissen – selbst wenn das bedeutet, dass wir in einen 3000 Worte-Artikel eintauchen müssen. Fragen sind also immer gute Texteinstiege. Nur einen Fehler solltest du nicht machen: dem Leser eine zufriedenstellende Antwort vorenthalten. So wie ich hier. Sorry. Du merkst, das verärgert und zeigt keine Wertschätzung für die Zeit deiner Leser und ihr Vertrauen in dich.

2. Leser-Ansprache

Und wieder starrst du auf den blinkenden Cursor. Schreibst zwei Sätze, nur um anschließend die Hälfte wieder zu löschen. Eigentlich ziemlich peinlich. Nach so vielen Jahren sollte das ein Klacks für dich sein. Aber du brauchst für die erste Sätze länger als für den gesamten Text.

Das kleine Wörtchen du kann Wunder wirken, weil es eine Haltung widerspiegelt. Es geht – ausnahmsweise mal nicht – um dich. Du stellst dein Gegenüber in den Mittelpunkt und nicht nur das, du zeigst ihm, dass du seine schwierige Situation nachvollziehen und verstehen kannst. Wenn du jetzt noch klar machst, dass es dir ganz ähnlich ging, du aber aus dieser Misere herausgefunden hast, brauchst du dir um die Leserzahl für diesen Artikel keine Sorgen mehr machen.

3. Überraschender Fakt

Websites mit Fehlern in Rechtschreibung und Grammatik vergraulen knapp 60 Prozent ihrer Leser.

Überraschende Fakten, unerwartete Statistiken oder ungewöhnliche Forschungsergebnisse machen den Leser neugierig und stärken gleichzeitig deine Expertise als Experte. Denn, so unser gedanklicher Kurzschluss, wer sich mit solchen seriösen und fundierten Inhalten beschäftigt, muss wohl selbst tief drin stecken in der Materie.

Wichtig: Wenn du diese Technik anwendest, nenne die Quelle und verlinke auf sie. Wenn nicht im Teaser, dann zumindest später an passender Stelle. Dann besteht auch nicht die Gefahr, dass du deinen Leser im Teaser selbst von deiner Seite beförderst.

4. Kontroverser Standpunkt

Lange Blogbeträge sind NICHT die besseren SEO-Artikel.

„Du willst mehr verkaufen? Schreib seltener an deine Mailingliste!“

„Social Media ist tot.“

„Was? Das glaube ich nicht.“ Provoziere deine Leser. Wecke Widerspruch in ihnen. Damit sie wissen wollen, wie du auf diese doch sehr weit hergeholte, unsinnige, zumindest aber für sie neue Position kommst. 

Kontroverse Positionen können dir die stundenlange Recherche nach seriösen Studien sparen, die etwas Erstaunliches ans Licht gebracht haben. Aber, verwende das Stilmittel vorsichtig: Provokation passt nicht zu jedem Schreibstil und sie nutzen sie sich schnell ab.  Vor allem, wenn deine Haltung am Ende deutlich differenzierter ist und das verkürzte Statement zu Beginn eben doch nur ein Köder war. Wohl dosiert, macht der Einstieg aber nicht nur dem Autor, sondern auch den Leser Spaß. Teste es einfach selbst und schau auf die Verweildauer deines Artikels.   

5. Storytelling

„Jeder Autor wünscht sich, mit seinen Geschichten wahrgenommen zu werden, Leser zu berühren und zu bewegen. Seitdem mir eine meiner Geschichten den Job gekostet hat, bin ich mit meinem Wunsch nach schriftstellerischer Aufmerksamkeit allerdings zögerlicher geworden.“

Würdest du weiterlesen? Das fiktive Beispiel zeigt, dass Geschichten als Texteinstiege funktionieren können, wenn Leser sich in der Geschichte wiederfinden und sie in bewährter Cliffhanger-Manier nicht die ganze Story erfahren. Was Leser eher verscheucht, sind ausführliche szenische Schilderungen, bei denen selbst durch Lesen der Überschrift nicht klar wird, worauf der Autor eigentlich hinauswill. Solche belletristischen Schilderungen sind besser zwischen zwei Buchdeckeln aufgehoben.

Und: Elemente, die nie fehlen dürfen

Egal, welchen Einstieg du wählst: Keiner von ihnen wird funktionieren, wenn du nicht zwei weitere Elemente berücksichtigst. 

  • Element eins: Klarheit. Die beste Geschichte und die schockierendste Statistik nützt nichts, wenn du keinen Bezug zu deinem Thema herstellst. Nach den ersten Sätzen muss jedem Leser klar sein, worum es in deinem Artikel geht. Im Zweifel schraub deine schriftstellerischen Ansprüche herunter und halte es einfach.  Warum liest man immer noch in diversen Ratgeberportalen wenig einfallsreiche Sätze à la „In diesem Artikel erfährst du, wie du …“? Weil sie funktionieren.  
  • Element zwei: Relevanz. Erinnere dich, wie du drei Jahre alt warst. Dieses ständig warum-fragende Kind lebt in allen von uns weiter. Der Leser will wissen, warum er seine wertvolle Zeit mit deinen Zeilen verbringen sollte. Mach die Relevanz deines Themas deutlich.

Wer großartige Texteinstiege schreibt, kann die Verweildauer seiner Website-Besucher leicht verdoppeln und damit mehr Conversions, mehr Leads und am Ende mehr Umsatz generieren. Nur, indem er ein paar Minuten mehr in die ersten Sätze seines Texts investiert. Das wäre doch ein guter Aufhänger für diesen Text gewesen, oder? Beim Nächsten Mal.

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