TQualitäts Inhaltext-Auftraggeber verwechseln gerne ihren Qualitäts-Anspruch an Inhalte mit der Anzahl der Sterne, die sie bei der Bestellung bei Texbroker & Co anklicken können. Das ist ein bedenklicher Irrtum. Wir Autoren wissen: Die richtige Content-Welt ist viel komplizierter…

Zunächst einmal ist der Begriff “Qualität” wertfrei und meint “die Summe aller Eigenschaften  eines Objektes“. So gesehen hat auch der Text aus einem Scrampler Qualität, denn auch er hat Eigenschaften – etwa die Zahl der Wörter oder deren Sprachnivau oder sonstwas. Ja, so ein Wortgemenge kann sogar optimale WDF*P*IDF-Eigenschaften aufweisen!

Doch die zweite Bedeutung von „Qualität“ heißt „die Güte aller Eigenschaften eines Objektes“. Also gute Keyworddichte, gute Grammatik, gute Textmenge. Und, natürlich: gute Sprache, guter Inhalt, gute – ja, was denn noch? Und: Was ist eigentlich mit „gut“ gemeint?

Also: Was sind nun “Qualitäts”-Merkmale von Content?

Erste Regel: Es gibt nicht DIE gute Qualität. Sondern es gibt eine Summe von Eigenschaften deren Güte nur im Auge des Lesers zu finden ist. Ein Beitrag muss dorthin passen, wo er veröffentlicht wird. Genau genommen kann sogar ein Ein-Sterne-Text von guter Qualität sein – wenn er den Google-Robot füttern soll. Und eine News darf kurz und sogar Duplicate Content sein – wenn sie in einem News-Ticker steht. Die jeweils wichtigen Eigenschaften sind dann dort nun mal anders als in einem Shop-Text oder einem Erklärbär-Artikel.

1. Objektive Qualitäts-Kriterien

Es gibt allerdings einige Eigenschaften, die mehr oder weniger objektiv bewertet werden können. Die also jedem Leser an jedem Ort so etwas wie Qualität signalisieren. Auf die sollte jeder Autor immer achten:

  • Fehlerfreiheit: So blöd das auch klingt (und ich weiß, ich bastle hier auch hin und wieder Vertippppper rein). Grundsätzlich sollten Inhalte richtig geschrieben und mit einer Grammatik formuliert sein, die der deutschen möglichst nahe kommt.
  • Wahrheit: Man kann mit einer einzigen falschen oder ungenauen Information die Inhalte einer ganzen Webseite entwerten. Also lieber noch mal genauer überlegen, was drin steht…
  • Strukturierung des Textes: Gehen wir davon aus, dass wir nicht das gesamte Layout der Seite beeinflussen können – so doch zumindest die Textgestaltung. Und dazu gehören Überschrift, Dachzeile, Vorspann, Zwischenüberschriften, Aufzählungen und Fazit. Mindestens. Dann wird der Text lesbarer. Egal welcher. Jede Wette.
  • Recherchetiefe: Wir haben in unserer Agentur eine Regel, die besagt, dass selbst bei einem Kategorie-Standard-Text zumindest eine Information überraschend oder neu sein sollte. Die Leser leben ja in derselben Welt wie wir und wenn sie nur den üblichen Textbrei bekommen, werden sie sich unwohl fühlen. Deshalb gehört auch in die Shop-Kategorie-Beschreibung für “Kinderbetten” irgendwas rein, was man vorher nicht wusste. Etwas, das überrascht.
  • Konkrete Aussagen, roter Faden: Was will mir der Autor eigentlich sagen? Das dürfte die wohl am häufigsten gestellte Frage bei Internet-Texten sein. Wer viele Informationen aneinander reiht ohne einen roten Faden zu haben, der faselt. Es fühlt sich für den Leser aber gut an, wenn er auf eine klare Aussage trifft und die Gedanken des Autors nachvollziehen kann.

2. Subjektive Qualitäts-Kriterien

Hier begeben wir uns nun auf die Augenhöhe mit dem Leser. Wir schauen ihm (gedanklich) tief in seine Augen und erraten, was er sich wünscht. Und das wäre:

  • Empathie: Beim Gewinnen von Lesern geht es darum, ihnen ein Wohlgefühl zu geben. Und das erreicht man dann, wenn man sich in sie einfühlt, sich nicht nur auf pure Information setzt, sondern sie abholt, wo sie sind. Was hat den Leser hierher geführt? Wie fühlt er sich gerade? Wer das zurückhaltend einfließen lassen kann, hat schon eine ganze Menge gewonnen.
  • Sprachniveau: Es gibt einige technische Möglichkeiten, das Sprachniveau zu messen. Hierbei wird der Wortschatz, die Satzlänge u.s.w. gemessen und bewertet. Und das gibt manchmal auch schon einen ganz guten Blick auf einen Text. Und trotzdem: Es gehört menschliches Einfühlungsvermögen dazu, sich auf das Niveau seines Lesers zu bewegen. Ein begeisterter Sportangler wird (von den objektiven Kriterien abgesehen) sich bei einem Text über Angelköder exakt auf dem richtigen Sprachniveau befinden – ein Text-Schreiber muss sich das erst erarbeiten.
  • Leseransprache: Na klar, auf einem Blog ist die “Ansprache” des Lesers auch mal direkt und mit “du”. In der Süddeutschen wird so etwas nie der Fall sein. Sind die Leser jung oder älter, Fachpublikum oder Einsteiger, vorwiegend Frauen oder Männer? Sind Mode-Begriffe peinlich oder würzen sie den Inhalt? Auch darüber muss man sich in der Qualitäts-Debatte Gedanken machen.
  • Stil: Wer hin und wieder schreibt, sollte versuchen, gar keinen Stil zu haben. Denn schlimmer als kein Stil ist schlechter Stil. Deshalb: Macht kurze Sätze, verwendet verständliche Wörter, seid kreativ beim Einsatz von Satzzeichen sowie Absatzmarken und versucht ansonsten, möglichst neutral zu schreiben. Nur wer viel Übung hat oder wirklich auch als Autor hervortreten möchte, sollte sich um eine eigene “Handschrift” bemühen. 99,9 % aller Autoren gehören nicht in diese Gruppe.
  • Standard-Daten: Je nach Text (also für ein Briefing notwendig) sind Faktoren zu definieren wie Textlänge, Beitragsart, Sprache u.s.w..

Nicht die „Qualitäts-Sternchen“ entscheiden

Alles klar? Es geht überhaupt nicht darum, auf einer geraden Qualitäts-Skala von 0 bis 5 einen Text zu bewerten. Man sollte vielmehr versuchen, für das Text-Dokument vor der eigenen Nase eine eigene zu Bewertung machen. Und zu dieser Entscheidung gehört auch immer der Leser.

Na gut, das ist alles ein wenig theoretisch. Aber das muss ja auch mal sein!

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