Beginnen wir mit Storytelling: Im Jahr 2015 hatte Dominik Spenst in Kambodscha einen fiesen Motorradunfall, wirklich schlimme Schmerzen und zwölf komplizierte Operationen. Nach 16 Wochen war sein Bein noch dran – aber der 27-jährige war ein anderer Mensch geworden (mehr dazu hier). 

Auf dem Nachttisch: das 6-Minuten-Tagebuch.
Passt prima auf den Nachtisch: das 6-Minuten-Tagebuch. (Foto: UrBestSelf)

Warum interessiert uns hier ein Motorradunfall in Kambodscha? Weil dies die Entstehungsgeschichte des 6-Minuten-Tagebuchs von Urbestself ist. Dominik arbeitet heute mit seinem Team in Berlin daran, Dankbarkeit, Achtsamkeit und Positivität weltweit zu verstreuen. Ich habe mit ihm und Amelie Haupt über Rowohlt, verkleidete Möglichkeiten und weltweite Expansion gesprochen. 

Ein Unfall mit großen Folgen

Eric: Dominik, hat dir vor drei Jahren im Krankenhaus die Dankbarkeitsübung beim Durchhalten geholfen?

Dominik Spenst
Dominik Spenst (Foto: UrBestSelf)

Dominik: Nun, ich war damals nicht gerade das Paradebeispiel eines positiven Denkers und habe mich immer eher als realistischen Pessimist wahrgenommen. Solche Tendenzen waren in meinem Kopf etwas, das genetisch verankert und nur sehr bedingt veränderbar ist.

Als ich dann nach dem Unfall viel über die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Positiven Psychologie gelesen habe, bin ich auf eine für mich revolutionäre Tatsache gestoßen: Nämlich, dass wir mit regelmäßiger Übung auch als Erwachsene noch nachhaltig unsere Gehirnstruktur verändern können.

Mit diesem Wissen habe ich nach und nach ein Gerüst kleiner Schreibrituale in meinem Notizbuch geformt und Teil dieser Mini-Routinen waren auch die tägliche Verschriftlichung von Dankbarkeit und Selbstreflexion. Und, ja, diese Gewohnheiten trugen mich schließlich  durch den Krankenhausalltag. Die gigantischen Negativitäts-Berge, die noch Wochen zuvor meinen Blick nach vorne versperrten, verwandelten sich dadurch in kleine Häufchen. Also, kurz gesagt: Ja.

Eric: Aber warum gleich ein dickes Buch? Wieso nich einfach als praktische App auf dem Hand?

Dominik: Die ältesten Höhlenmalereien sind 70.000 Jahre alt und Schrift, so wie wir sie heute kennen, gibt es seit etwa 7.000 Jahren. Im Gegensatz zu Apps – die es gerade mal zehn Jahren gibt – hatte Schrift viel Zeit, um sich evolutionär in unserer Gehirnstruktur zu verankern. Daher ist es kein Wunder, dass wir Dinge, die wir uns aufschreiben, besser verstehen und sie auch länger im Gedächtnis behalten als bei Getipptem. (hier ein paar Hintergründe dazu, Anm. d. Red) Scheinbar ist es sogar möglich, den Heilungsprozess von körperlichen Verletzungen zu beschleunigen, wenn man darüber in ein Tagebuch schreibt.  Aus diesem Grund ist „Das 6-Minuten-Tagebuch“ keine App, sondern ein physisches Tool, mit dem der fast in Vergessenheit geratene Mehrwert von Stift und Papier genutzt werden kann. Kurz gesagt: Der Stift ist wirkungsvoller als die Tastatur.

Wieso ein Verlag manchmal ein guter Partner ist

Eric: Deshalb auch so ein klassischer und rennomierter Verlag wie Rowohlt? Zu dem kann ich euch ja nur beglückwünschen. 

Dominik: Tatsächlich ist der Rowohlt-Verlag damals auf uns zugekommen und ich hätte ohne das Zureden eines Freundes erst gar nicht zum Hörer gegriffen. Letzten Endes war es dennoch eine wunderbare Entscheidung, da „Das 6-Minuten-Tagebuch“ nun nicht nur in fast jeder deutschsprachigen Buchhandlung zu finden ist, sondern bald schon weltweit in 15 verschiedenen Sprachen. So können wir mehr Dankbarkeit, Achtsamkeit und Positivität über den Globus verstreuen – und wenn wir schon von Dankbarkeit sprechen: Dafür bin ich extrem dankbar!

Die Sprachen sind: Bulgarisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Italienisch, Koreanisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch, Taiwanesisch, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch

Eric: Das klingt perfekt. Und jetzt wollt ihr weitere Produkte entwickeln. Was wird das sein? Was verratet ihr mir?

Dominik: Im Normalfall kommt erst das Startup und dann irgendwann das fertige Produkt. In unserem Fall war das umgekehrt, denn das Produkt gab es schon acht Monate vor der Gründung von UrBestSelf. Dementsprechend arbeiten wir momentan vor allem daran, uns als kompetente Stimme in Sachen Positive Psychologie und Achtsamkeit einen Namen zu machen. Darüber hinaus zieht unsere Expansion in Länder wie Großbritannien, Australien oder die USA gerade mächtig Zeit.

Dominik Spenst hat nach einem Motorradunfall in Kambodscha auch mit Dankbarkeit und regelmäßiger Übung den Krankenhausalltag bewältigt. Nun ist der Gründer von UrBestSelf.   

Zurück zur eigentlichen Frage: Aktuell tüfteln wir fleißig an unserem zweiten Baby, dem „6-Minuten-Erfolgsjournal“, das 2019 in Kooperation mit dem Rowohlt Verlag erscheinen wird. Mit diesem Erfolgsjournal treffen bewährte Strategien für mehr Achtsamkeit und Produktivität aufeinander, um konkrete Ziele mal anders zu verfolgen: nicht nur konsequenter, sondern auch gelassener. Dafür werden wieder praxiserprobte Prinzipien der Positiven Psychologie genutzt… und mehr verrate ich erstmal nicht 😉

Besser Dankbarkeit als Angst

Eric: Das verstehe ich! Nun zur „Dankbarkeit“: Warum ist das denn so ein starkes Mittel?

Dominik: Die Tatsache, dass die immense Wichtigkeit von Dankbarkeit eines der wenigen Themen auf diesem Planeten ist, über das sich Atheisten, Anhänger aller Weltreligionen sowie Wissenschaftler einig sind, zeigt wie stark der Wert der Dankbarkeit im Menschen verwurzelt ist.

Im „6-Minuten-Tagebuch“ wird diese Frage sehr ausführlich beantwortet, aber wenn ich sie in 10 Sekunden beantworten müsste, würde ich Tony Robbins zitieren, der vor ein paar Jahren gesagt hat: „Die zwei Emotionen, die uns das meiste versauen, sind Wut und Angst. Du kannst nicht gleichzeitig dankbar und wütend oder dankbar und besorgt sein. Dankbarkeit ist einzigartig, weil sie diese negativen Emotionen überwältigt.”

Ein Leben im achtsamen Büro

Eric: Großartig! Ich hoffe, du bist einverstanden, wenn ich das in meinem Beitrag über Dankbarkeit ergänze. Du hattest erwähnt, dass ihr im Office Achtsamkeit und Positive Psychologie lebt. Wie viele seid ihr denn? Und wie lebt ihr das?

Amelie Haupt (Foto: UrBestSelf)
Amelie Haupt (Foto: UrBestSelf)

Amelie: Zur Zeit sind wir zu neunt, aber da wir alle auch von Zuhause aus arbeiten können, sind wir meistens sechs bis sieben Leuten im Büro. Neben der täglichen Meditation (immer um 15.30) machen wir auch eine wöchentliche Reflektionsrunde, bei der wir zum einen erzählen, was wir gemacht haben, und zum anderen von unseren schönsten Momenten erzählen. Und manchmal heißt Achtsamkeit für uns auch, dass wir kurz innehalten und dem Regen lauschen.

Dominik: Außerdem gibt es bei uns keine Probleme, sondern nur „verkleidete Möglichkeiten“. Jedes Mal, wenn jemand das Wort „Problem” anstatt “verkleidete Möglichkeit” benutzt, muss derjenige etwas zum Naschen für das Team kaufen. Das klingt vielleicht etwas radikal, schärft aber wirklich den Blick für Lösungen anstatt sich in Problemen zu verfahren. Ich praktiziere diesen Mini-Hack nun schon seit knapp zwei Jahren und kann wirklich jedem empfehlen, es mal für ein paar Tage auszuprobieren.

Eric: Hoffentlich gibt es dann nur gesunde Naschsachen, das klingt nach keiner ganz leichten Übung. Überhaupt stelle ich mir die Frage, was eigentlich, wenn jemand grad mal keine Lust auf eine Meditation hat?

Amelie: Haha, witzige Frage! Das kommt tatsächlich nur sehr selten vor, aber wenn es mal der Fall ist, machen wir alternativ einen kleinen Spaziergang. Außerdem ist nun auch eine gelernte Yoga-Lehrerin – mit einer wirklich sehr beruhigenden Stimme – Teil unseres Teams und erweitert unser Entspannungs-Repertoire mit Yoga-Sessions.

Meditation bei UrBestSelf
Werktäglich, 15:30 Uhr bei UrBestSelf in Berlin… 

Ein kleiner Zusatz zur Meditation: Selbst diejenigen in unserem Team, die  mit Meditation eher weniger anfangen können, spüren die positiven Auswirkungen dieser zehnminütigen Unterbrechung und fühlen sich hinterher ausgeruhter – oder ausgeschlafener 😉

Und doch ein paar „Hacks“

Eric: Also, nun meine Frage an die Profis: Welche drei „mentale Biohacks“ empfehlt ihr für ein glückliches Leben?

Dominik: Ich bin kein großer Fan von „Hacks”, weil das für mich immer so nach Abkürzung und kurzfristiger Lösung klingt. Wenn ich aber unbedingt drei kleine „Hacks” nennen sollte, die das Leben ein bisschen leichter machen, würde ich sagen:

  1. Den Fokus auf gute Gewohnheiten anstatt auf gute Ziele legen, weil man mit guten Gewohnheiten nicht nur eher seine Ziele erreicht, sondern auch noch ein besseres Leben führt.
  2. Sich so wenig wie möglich mit den Dingen beschäftigen, die man ohnehin nicht ändern kann.
  3. Sich selbst akzeptieren mit all den Emotionen, Ecken und Kanten und sich selbst nicht so ernst nehmen.

Amelie: Ich bin vor allem im Home Office ein großer Fan von der Pomodoro-Technik. Ich nutze dafür die Browser-App „Forest“, die mir fiese Ablenker, wie Facebook, sperrt. Für die nächsten 25 Minuten arbeite ich dann fokussiert an einer Aufgabe. Diese Arbeitsweise erlaubt mir in den „Flow“ zu kommen. Und der ist bekanntlich besser als jede Droge!

Eric: Vielen Dank für diese Tipps! Ich füge noch einen Tipp für meine Leser hinzu: Wenn ihr einfach mal strukturiert starten wollt, holt euch das 6-Minuten-Tagebuch und fangt einfach an. Leichter geht der Start wohl nicht. 

Zur Info: Die Kommentare hier kommen von der Verlosung von zwei 6-Minuten-Tagebüchern von UrBesSelf. Die Gewinner wurden benachrichtig.

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