Denkst du auch, dass „Kreativität“ vor allem dann entsteht, wenn ein „Kreativer“ etwas „Kreatives“ tut? Wenn etwa ein Maler ein Bild malt oder eine Redakteurin einen Text schreibt? Nun, dann liegt da ein Missverständnis vor: Erstens können auch umkreative Aufgaben kreativ gelöst werden. Und zweitens können alle Menschen kreativ sein – oder es zumindest lernen.

Kreativität
Eine heikle Sache: Die Kreativätit leuchtet meist nicht einfach auf Knopfdruck. (Forto von Riccardo Annandale auf Unsplash)

Es ist nicht einfach, kreativ zu sein

Kennst du das von dir oder von anderen: Wir sitzen von dem Computer oder mit dem Stift in der Hand vor einem Skizzenbuch – und werden regelrecht wütend. Schon das erste Wort oder der erste Strich ist echt Scheiße,. „Und mehr will mir gerade wirklich nicht einfallen. Sollen doch die anderen kreativ sein! Ich kann auch ohne leben.“ Was für ein Missverständnis! Gerade solche selbsternannten „Unkreativen“ sind oft in der Lage, sehr komplexe Probleme oder problematische Entwicklungen lächelnd zu bewältigen – und zwar mit (versteckt) kreativen Mitteln. Sitzen sie aber vor einem Text oder einem Bild, scheitern sie. Warum? Vielleicht, weil das Schreiben oder Malen nicht ihr Stilmittel ist. Und das ist natürlich in Ordnung. Und trotzdem bist du nicht „umkreativ“.

Es gibt noch eine zweite Gruppe von „Unkreativen“. Nämlich die, die zum Beispiel tolle Kurzgeschichten im Kopf oder großartige Bilder vor der Kamera haben – daraus aber einfach nichts machen können. Vielleicht haben sie das Schreiben sogar zum Hobby erhoben – sind aber sehr unzufrieden mit den Ergebnissen und lassen es irgendwann ganz sein. Dramatischerweise sind das häufig die Mitmenschen, die auch beruflich im eine kreative Arbeit zu erledigen haben. Vielleicht das Entwickeln von Kampagnen-Ideen, das Formulieren von Webseitentexten oder die grafische Gestaltung von Flyer. Das machen sie auch ganz gut – aber haben den Glauben an ihre „Kreativität“ verloren. Leider!

Denn woran liegt diese „Schreibhemmung“? Solche Hobby-Kreative quälen sich sich nach einem langen Arbeitstag noch an den Rechner und versuchen, eine Kurzgeschichte zu schreiben, oder sie packen teure Fotokurse in ihre Wochenende und hoffen darauf, irgendwann mal mehr Zeit dafür zu haben. Und am nächsten Montag ziehen sie sich – um ein wenig zur Ruhe zu kommen – in das hinterste Eck des Großraumbüros zurück um das Event-Konzept zu formulieren.

Und irgendwann sagen sie sich: „Kreativität kommt von Kreativen, die sich das leisten können.“ Doch das ist – verdammt noch mal – falsch!

Zu welcher Gruppe gehörst du?

  • die kreativen Performer: Naja, dann würdest du das hier vermutlich gar nicht lesen. Es sei denn, du weißt nicht so genau WARUM du eigentlich kreativ bist und will das stabil professionalisieren.
  • die fähigen Unkreativen: Du muss (und willst) weder malen noch schreiben aber hast das Gefühl, dass du mit kreativen Ideen dein Leben oder deine Arbeit noch besser machen kannst.
  • die kreativen Träumer: Du träumst davon, deine Texte oder Kampagnen (oder auch technische Konzepte) kreativer gestalten zu können – aber glaubst, du kannst das nicht.

Wenn du zu einer dieser Gruppen gehörst, könnte „4modes“ etwas für dich sein. Denn diese Idee basiert darauf, dass wir nicht mit einem Fingerschnippen kreativ sind – sondern uns in nicht weniger als vier verschiedenen Übungsfelder für unsere eigene „Kreativität“ in Stellung bringen können.

Und das Schöne daran: Du musst weder dein Leben ändern und fortan stundenlang Meditieren noch teure Seminare besuchen. Was man dazu wissen sollte, habe ich versucht, in diesen Artikel zu schreiben.

Wie es zu den „4modi“ kam

Ich selbst halte mich seit meiner Jugend nur für einen begrenzt kreativen Menschen. Zwar habe ich schon früh für die lokale Tageszeitung geschrieben und gebe seit langem für jährlich mehrere hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer Seminare in „professionell Online Schreiben“. Allerdings habe ich das immer auf meine schwäbische Art zurückgeführt: viel üben, immer fleißig sein und Herausforderungen nicht aus dem Weg gehen. Und, hey, das hat ja sehr gut funktioniert.

Dann wurde ich gebeten, ein „Kreativ-Kurs“ zu entwickeln. Es ging eigentlich „nur“ um Kreativitätstechniken im Online Marketing. Doch, fleißig wie ich bin, habe ich sehr umfassend recherchiert und einiges ausprobiert. Und siehe da: Ich hatte zum ersten mal verdammt viel Spaß bei einer kreativen Arbeit (wozu ich die Entwicklung eines solchen Seminars zähle). Und dank der gefundenen Forschungsergebnisse und einem überraschenden Rhythmus in der Entwicklung des Seminars stieß ich mit der Nase auf einige Ideen die mich verblüfften. Und die am Ende nicht nur mir sondern auch den Teilnehmern und allen anderen gefallen haben, denen ich bisher davon erzählt habe.

Genannt habe ich das die „4modes“ – da es hierbei um vier, nun ja, „Aggregatzustände“ handelt, in denen wir uns in die Lage versetzen, kreativ zu sein. Das alles ist etwas „unscharf“ und natürlich überschneiden sich diese Modi. Aber so ist nun mal das reale Leben. Keiner von uns lebt ja in einem Labor 😉

Der Stand der Forschung

Kreativität-Forschung? Wenn du mal danach googlest, wirst du etwas enttäuscht sein. Denn irgendwie scheint da in den vergangenen Jahren wenig passiert zu sein. Und das, was es gibt, wirkt auf mich auf Arbeitsoptimierung (und es geht dann immer um große Bürolandschaften, in denen fröhliche Teams massenhaft PostIts an die Wand heften). Das hat mich nicht so arg interessiert. Ich will ja nicht deinen Arbeitgeber optimieren – sondern dir zu einem guten Gefühl bei der kreativen Arbeit verhelfen.

Aber es gibt drei andere Wissenschafts-Richtungen, in die es sich lohnt zu denken:

1. Motivationsforschung

Der Wissenschaftler Dan Pink hat getestet, was Menschen wirklich motiviert. Dazu gibt es ein fast schon legendäres Video. https://www.ted.com/talks/dan_pink_on_motivation?language=de

Kurz zusammen gefasst: Wenn es um einfache und wiederkehrende Aufgaben geht, ist Geld ein guter „Motivator”. Wenn du also am Band stehst und Löcher in Metallbleche schneidest, wirst du mehr solcher Löcher bohren, wenn man dir mehr Geld verspricht. Wenn es aber um komplexe Tätigkeiten geht (und „Kreativität“ jeglicher Art gehört dazu) gibt es eindeutig andere „Motivatoren“. Die Formel, die Dan Pink dafür nennt, sieht so aus:

Autonomy + Mastery + Purpose = Motivation

Wenn du deine Handlungen also selbst organisieren kannst, dafür auch die notwendige Kompetenz hast UND auch noch einen Sinn darin siehst, bist du besser motiviert, als durch ein paar Euros mehr.

Das ist zwar ziemlich einleuchtend – hilft uns bei der Entwicklung von Kreativität leider nicht immer weiter. Denn wer kann schon bei der Arbeit mehr „Autonomie“ oder gar „Sinn“ verlangen? Das Video von Dan Pink richtet sich eher an Unternehmen, die anhand des Beispiel „Google“ lernen können, wie sie ihre Mitarbeiter motivieren können. Wer sich aber selbst „kreativitieren“ möchte, muss etwas anderes probieren.

2. Im Flow sein

Du kennst das? Eine Arbeit geht dir wie von selbst von der Hand; Du bist danach sogar noch frischer als am Anfang? Dann bist du eindeutig im Flow. Beschrieben hat dies der Psychologie-Professor Mihály Csíkszentmihályi. Das einfachste Bild dazu sieht so aus:

Dort, wo du gefordert bist – aber nicht unterfordert – kannst du in den “Flow” kommen. Doch beachte: Mit mehr Übung bzw. Zeit können (und sollten) die Anforderungen wachsen.

Der Trick, dabei ist dabei, dass du jederzeit etwas tust, was dich ein wenig aber nicht zu sehr fordert. Und, natürlich, dass es selbstbestimmt ist.

Hier könnte man ansetzen – aber auch dafür haben wir nicht immer die Mittel in der Hand. Denn wenn der Chef sagt, du muss bis morgen diese verdammte Präsentation fertig machen, dann klingt es nicht sehr klug, wenn du erwiderst, dass dir dann der Flow verloren geht 😉

Für selbstbestimmte Projekte ist allerdings schon etwas drin, was wir für die 4modes gut brauchen können: Eine kreative Arbeit könnte dann im Flow sein, wenn sie irgendwo zwischen Druck und Freiheit pendelt. Das brachte mich auf die Idee, mal über die Botenstoffe im Gehirn nachzudenken.

3. Der Gehirn-Chemie folgen

In meiner Ausbildung um Psychotherapeuten habe ich folgendes gelernt:

  • Wenn du Adrenalin und/oder Cortisol im Blut hast, dann hast du neben einigen anderen körperlichen Veränderungen einen ziemlich fokussierten Blick auf die Welt. Das macht Sinn, denn diese Botenstoffe werden bei Angst und bei Stress ausgeschüttet und die Ur-Ängste der Menschen haben viel mit Situationen zu tun, in denen man zum Beispiel gegen ein verdammt großes Tier kämpfen oder davon wegrennen muss. Und das ist nicht der Moment, den Sonnenuntergang zu genießen oder sich von einer duftenden Blume ablenken zu lassen.
  • Wenn du aber mit einem Schuss Dopamin oder Serotonin im Blut versorgt wirst, dann bist du gut durchblutet, voller Elan und genießt dich und deine Welt. Beste Voraussetzungen für kreative Arbeiten, denn dadurch geraten wir natürlich viel schneller in einen Flow und trauen uns viel mehr zu als unter Stress.
  • Das Hormon Melatonin schließlich ist für guten Schlaf wichtig und dieser sortiert die Eindrücke und Erlebnisse des vergangenen Tag in unser Unterbewusstsein ein. Das ist daran zu erkennen, dass ohne gesunden Schlaf das Gedächtnis und die Lernfunktionen eindeutig leiden. Kurz durchdacht bedeutet dies aber auch: Ohne diese Entspannungsphase lernst du schlecht und hast auch keine Möglichkeit, kreativ zu arbeiten.
  • Und dann gibt es noch die Spiegelneuronen: Diese wurden erstmals 1992 beschrieben – sind seitdem aber nicht mehr aus der Psychologie wegzudenken. Im Prinzip ist ein Spiegelneuron eine Nervenzelle, die Betrachten eines Vorgangs das gleiche Aktivitätsmuster zeigt, wie wie wenn wir diesen Vorgang selbst ausführen würden. Wir lernen also schon beim Betrachten eines Vorgangs – fast – so, wie wenn wir das selbst tun würden. Und wir können dies auch nutzen, indem wir Dinge vor unserem inneren Auge ablaufen lassen.

Noch ein kleiner Ausflug: Geräusche können durch Wiederholung einen Lernvorgang wieder „hervorrufen“. Oder, anders gesagt: Wenn du wieder die Musik hörst, die du bei deinem ersten Kuss gehört hast, fühlt es sich – ein bisschen – wie damals an. Auch das können wir nutzen; aber das werde ich in einem anderen Artikel beschreiben.

Natürlich gibt es aus der Psychologie und der Gehirnforschung noch weitere Ergebnisse, die wir verwenden können. Aber ich möchte es hierbei belassen. Denn die „4modes“ sind auch ohne doppelte wissenschaftliche Begründung ziemlich einleuchtend – und vor allem einfach zu verwenden.

Was ist „Kreativität“ in diesem Sinne?

Ohne, wir könnten einen ganzen Abend sehr intensiv über diese Frage diskutieren. Und würden vermutlich ohne Konsens nach Hause gehen. Denn sobald man über „Kreativität“ nachdenkt, stößt man unweigerlich an angrenzende Begriffe wie „Intelligenz“ und „Intuition“. War Albert Einstein eigentlich „nur“ schlau? Oder nicht auch wahnsinnig kreativ? Und kaum ein Künstler würde behaupten, dass er seine Werke ganz alleine erschafft; viele sprechen von einer höheren Kraft, ich würde das gerne als „Intuition“ bezeichnen (um nicht ins Esoterische zu geraten).

Ich ziehe mich deshalb auf eine gute Standard-Definition zurück: „Kreativität ist die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, was neu oder originell und dabei nützlich oder brauchbar ist.

Überraschend ist in diesem Satz der „Brauchbarkeit-Aspekt“, gell? Doch der ist nötig, damit man nicht jede bizarre Äußerung oder Handlung als „kreativ“ bezeichnen muss.

Als Folge dieser Definition sehe ich kreativ Schaffende als Menschen, die „etwas können“ und damit etwas „Neues“ erschaffen. Das kann (und muss mittlerweile meist) ein Sampling von bestehenden Aspekten sein. Will sagen: Es gibt vermutlich keine Tonfolge, die noch nie gespielt wurde. Ein neuer Song ist nicht grundlegend neu. Und jeder Satz wurde schon einmal geschrieben. Ein neuer Roman ist also ein Sampling von vorhandenen Wörtern und Gedanken. Was ist das „Kreative“ dann daran? Vielleicht das Plus, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist. Doch diese Diskussion ist philosophisch und führt uns momentan nicht weiter. Fest steht, eine kreative Arbeit benötigt diese Komponenten:

  • ein gewisses „Können“ oder „Wissen“
  • eine neue „Verknüpfung“ dieses Wissens
  • ein Ergebnis, in dem sich diese beiden Punkte manifestieren. Oder anders gesagt: Irgend etwas muss am Ende fertig sein 😉

Das sind vielfältige Herausforderungen – deshalb haben wir auch vielfältige Dinge zu lernen und zu üben.

Die 4modes

Nicht immer trennscharf und sicherlich nur selten in ihrer reinen Form: Die 4modes – die Kreativität ermöglichen.

Ich habe die 4modes als einen Kreislauf angelegt. Damit meine ich aber nicht, dass wir im Laufe von irgendeiner Zeiteinheit diesen Kreis immer wieder durchlaufen. Ich wollte damit vor allem eine sinnvolle Abfolge andeuten – wobei es wirklich nicht darauf ankommt. Wichtig ist vor allem, dass wir alle vier Modi in unserem (Arbeits-)Leben integriert haben. Und dass wir alle vier ernst nehmen.

Doch Vorsicht: Natürlich gehen diese Modi ineinander über. Vielleicht kommt manchmal auch der Creative Mode zusammen mit dem Focus Mode oder dem Learn Mode daher. Wir sollten nicht kindisch sein, und das alles zu schematisch deuten! Ich möchte dich allerdings dazu bringen, diese unterschiedlichen Zustände zu erkennen und auch gedanklich zu kennen. Denn jeder ist mit anderen Botenstoffen und damit mit einem anderen Verhalten von dir verknüpft. Und wenn du mit deinem kreativen Output gerade nicht zufrieden bist, hat du vielleicht in dem einen oder anderen Mode eine Schwäche.

Der Learn Mode

Ohne Kontakt zur Außenwelt und ohne „Input“ bleiben wir immer dort, wo wir gerade sind. Und wenn „Kreativität“ bedeutet, dass wir aus unserem Wissen neue Verknüpfungen entstehen lassen – dann benötigen wir zunächst Wissen. Und zwar nicht nur Buchstaben-Wissen sondern auch die Einsichten, Emotionen und Entwicklungen die wir im Gespräch mit anderen erkennen können.

Hier spielen übrigens unsere Spiegelneuronen eine wichtige Rolle: Schon wenn wir in einem problematischen Meeting sitzen und zuschauen, wie ein emphatischer Projektmanager die Kontrahenten befriedet, haben wir etwas gelernt. Am meisten profitieren wir davon, wenn wir das bewusst durchdenken.

Und wie ist es mit Hörbüchern, während du zur Arbeit fährst? Was interessiert dich?

  • Welche Tätigkeiten dazu gehören
    • Gespräche mit schlauen oder emotional intelligenten Menschen
    • Online-Seminare zu allen erdenklichen Themen
    • Präsenz-Seminare, weil dann die Spiegelneuronen erst richtig „feuern“
    • gute Bücher, auch Sachbücher. Vielleicht hast du Lust, ein Seminar in „Schneller lesen“ zu machen?
  • Der besondere Tipp: Um Verknüpfungen überhaupt möglich zu machen, empfehle ich dir, nicht nur neue Dinge aus deinem Fachgebiet zu lernen. Je verschiedenartiger die Themen sind, in denen du etwas lernst, umso größer ist die Chance auf wirklich NEUE Verknüpfungen z.B. zwischen Welpenerziehung, Quantenphysik und Online Marketing.

Merke: Bevor etwas heraus kommt, muss etwas hinein! Zeige mir einen einzigen kreativen Kopf, der nicht selbst neugierig und lernbegierig ist!

Also: Wie viel Zeit pro Woche verbringst du mit lernen und guter (!) Kommunikation?

Defalt Mode

Das ist kein Witz: In unserem Gehirn gibt es einige Gehirnregionen, die beim Nichtstun aktiv werden. Diese werden „Default Mode Network“ genannt und kommen in Schwung, wenn du etwa im Zug sitzt und die Landschaft an dir vorbei ziehen lässt – während du also anscheinend gar nichts denkst. In dieser Zeit geht dein Unterbewusstsein genau deine Erlebnisse durch und sortiert diese ordentlich ein. Und bildet damit deine, nun ja, Identität und Persönlichkeit.

Für unseren kreativen Nutzen habe ich diesen Gedanken ein wenig erweitert und möchte es so formulieren: Das, was wir im Learn Mode aufgenommen haben, muss abgelegt und in die bisherigen Lebenserfahrungen eingefügt werden. Ja, wir sprechen von Ruhe, Entspannung und Zeit zur Verarbeitung.

  • Welche Tätigkeiten dazu gehören:
    • Ausschlafen (also mehr, als der zum Überleben notwendige Schlaf)
    • Tagträumen
    • Meditation und einige Achtsamkeitsübungen (nicht alle, weil manche sehr anstrengend sind)
    • ein ausgedehnter Spaziergang
  • Der besondere Tipp 1: Manchen Menschen fällt es schwer, sich zu entspannen. Das ist aber bei den oben genannten Tätigkeiten allerdings eine Voraussetzung. Ist dies bei dir der Fall, verknüpfe deinen Default Mode mit einer stupiden, immer wiederkehrenden Tätigkeit, die du eh machen musst. Staubsaugen, ins Büro laufen oder Büroklammern sortieren. Hauptsache, die Tätigkeit ist nicht anspruchsvoll und sie bringt dich – zumindest ein bisschen – weiter. Dann ist dein innerer Antrieb beruhigt und der Default Mode kann seine Arbeit trotzdem tun.
  • Der besondere Tipp 2: Falls du gerne auf deinem Handy mit Facebook, Twitter oder Instagram spielst, weißt du schon sehr genau, wann du den „Default Mode“ üben kannst. Nämlich genau dann, wenn du normalerweise Katzenbilder guckst oder Posting schreibst, die schon in zwei Stunden wieder vergessen sind. Probiere das zumindest mal für eine Teil deiner „Social Media Zeit“. Ich verspreche dir: Das fühlt sich sehr, sehr schwer an. Aber wir wissen beide, dass es sinnvoll ist. Richtig?

Ich weiß, es ist nicht leicht, in einer Welt, in der wir ständig funktionieren und immer beschäftigt sind, in eine Art Schwebezustand zu gehen. Doch ohne das geht es einfach nicht.

Creativity Mode

Nun sind wir – scheinbar – am Herzstück der 4modes angelangt: dem kreativen Moment. Ziemlich häufig entsteht dieser auch recht überraschend aus einem“Default Mode“. Oder ist dir noch nie beim Duschen eine grandiose Idee gekommen?

Hier soll es darum gehen, wie du gut geplant in diesen Mode kommst. Dazu zwei wichtige Punkte:

Erstens wird dir das nur gelingen, wenn du Spaß daran hast und Sinn dahinter siehst. Ich erinnere an die Motivationsforschung weiter oben. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Situation weitgehend stress- und angstfrei sein muss weil dir ansonsten das Adrenalin einen Strich durch die guten Ideen macht. Das ist auch der Grund, warum die vermeintliche Kreativität-Technik „Brainstorming“ nicht optimal funktioniert. Denn wer Stress hat, in einer Gruppe frei zu reden, wird seine Ideen bei sich behalten. Und auch knappe Termine oder enge Vorgaben sind echte Kreativitäts-Killer. Fest steht: Du wirst nur in einem weitgehend stress- und angstfreien Zeit- und Raumgefüge kreativ sein – wie klein das auch sein mag.

Zweitens kannst du das aber mit einem Ritual unterstützen: Der eine lutscht beim Schreiben immer Werthers Echte, die andere trinkt schwarzen Kaffe oder beginnt die „freie Zeit“ mit einer kleinen Meditation. Merke: Dein Ritual ist DEIN Ritual. Damit kannst du deinen Synapsen signalisieren, dass sie jetzt gefälligst zu senden haben.

  • Welche Tätigkeiten dazu gehören:
    • schreiben, malen, musizieren
    • konzeptionieren
    • forschen, testen
    • über die eigene Zukunft nachdenken
  • Der besondere Tipp: Ungeübte Kreative können sich etwa eine Stunde lang in ihre Gedanken (siehe „Deep Work) versenken, echte Profis bis zu vier Stunden. Länger funktioniert das ohnehin nicht. Mein Tipp ist, dass du in dieser kurzen Zeit alle elektronischen Störungen unterbinden solltest. Wenn du eine Stunde keine E-Mail empfängst, ist das für jeden akzeptabel. Und wenn du zwei Stunden lang nicht auf Facebook schaust – macht sich sogar Marc Zuckerberg noch keine Sorgen.

Versuche diesen Mode so lange wir möglich zu halten. Lasse jeden Gedanken zu und stecke in keine Iteration und keine Idee zu viel Kraft. Denn jetzt ist es noch wichtig, dass du alles wieder abschießen kannst. Hier gilt: Viel hilft viel. Wenn du 1.000 Kampagnen-Ideen hast, musst du 999 davon abschießen. Aber die, die übrig bleibt ist viel besser, als wenn du nur zwei Ideen en Detail ausgearbeitet hast.

Focus Mode

Und, ja: Irgendwann muss etwas raus! In jedem kreativen Projekt gibt es den Moment (ob man ihn bewusst wahrnimmt oder nicht) an dem aus Kreativität endlich Produktion wird. Wenn du den Moment der Freiheit so lange wie möglich mit verrückten Ideen ausgekostet hast, wird es irgendwann Zeit, sich für eine Version zu entscheiden und diese umzusetzen. Versuche, diesen Zeitpunkt so lange wie möglich hinaus zu schieben – und setze dir dann einen klaren (und gerne auch knappen) Termin.

Denn im Focus Mode ist es sinnvoll, sich zu „fokussieren“. Und unter welchen Voraussetzungen können wir Menschen das besonders gut? Genau: Wenn etwas Angst („Schaffe ich den Termin wirklich?“) oder zumindest Stress uns vor den Ablenkungen fern halten. Cal Newport empfiehlt in seinem großartigen Buch „Konzentriert arbeiten“ zur Übung von Deep Work mit sehr engen Zeitplänen zu arbeiten. Und zumindest für die Fertigstellung, die Produktion, das Finishing ist das auch aus meiner Sicht eine gute Idee.

  • Welche Tätigkeiten dazu gehören
    • redigieren, Korrektur lesen
    • Reinzeichnen
    • Kampagnen weiter entwickeln oder adaptieren
    • umsetzen, was umzusetzen ist
  • Der besondere Tipp: Finde nun den ersten (und damit besten) Zeitpunkt, an dem du Feedback für deine Idee, Kampagne oder Text einholen kannst. Selbst, wenn es sich für dich nicht fertig anfühlt (und es auch noch nicht ist), wirst du durch ein frühes Feedback viel schneller zum besten Produkt kommen, das du produzieren kannst.

Nun, vermutlich muss ich zu diesem Mode am wenigsten sagen – denn in der digitalen Arbeitswelt sind wir ja alle auf maximalen Output in kurzer Zeit programmiert. Vielleicht entwickelst du aber mit der guten Vorlage aus dem Creative Mode ein noch besseres Produkt. Ich bin da ganz bei Cal Newport, der uns Wissensarbeitern empfiehlt, eben nicht an der Oberfläche zu bleiben, sondern via Deep Work tiefere Löcher zu bohren.

Darf ich mich denn gar nicht mehr bei Netflix und Facebook entspannen?

Natürlich gehen dir nun Widerstände durch den Kopf. Denn jeder von uns ist Spezialist für etwa einen dieser vier Modi und jeder von uns möchte lieber auch mal vor Netflix entspannen, als kreativ oder produktiv zu sein – oder zu meditieren. Kann man denn nicht auch einfach mal abschalten?

Ja, das kann man natürlich. Doch, einmal ganz plakativ: Auf was möchtest du einst stolz sein – wenn es Zeit wird, Abschied zu nehmen? Dass du alle Episoden irgendeiner Serie auf Netflix gesehen hast? Dass du alle Fußballspiele des FC Bayern gesehen hast? Dass du jeden Tag eine oder zwei Stunden auf Facebook geschaut hast? Oder auf kreative Werke, die du geschaffen hast?

Und natürlich haben wir massive Widerstände dagegen, unsere Zeit auf alle vier Modi zu verteilen. Denn jeder hat einen (oder zwei) dieser Modi schon ganz gut geübt und es ist einfacher, dabei zu bleiben. Doch Vorsicht! Wer sich nur auf einen dieser Modi konzentriert, läuft Gefahr, die Schattengestalt dahinter zu treffen. Hier eine Grafik, in der ich diese zeige.

Die dunkle Seite der 4modes.
Wer nur einen der 4modes trainiert, läuft Gefahr, dessen “dunkle Seite” zu treffen. Und wer kennt nicht die Klugscheißer, Pedaten, Narzisten und Faultiere?

Ausblick: Ohne „Deep Work“ geht das nicht

Klingt das logisch und hilfreich für dich? Schon, oder? Dann musst du es „nur noch“ umsetzen. Ich empfehle dafür, eine Liste von realen Tätigkeiten aufzuschreiben, die jeweils zu jedem Modus passen. Und versuche dann, deine Zeit zum Beispiel im Laufe einer Woche möglichst gleichberechtigt über diese Modi zu verteilen. Ich werde demnächst hier ein Arbeitsblatt dazu veröffentlichen.

Und am besten holst du dir zusätzlich noch das Buch oder Hörbuch „Konzentriert arbeiten“ von Cal Newport. Auch da findest du noch einige praktische Tipps, wie du beim Thema bleiben könntest,

Und schließlich gibt es da noch die 4m. Das sind vier einfache Möglichkeiten, sich schnell und genussvoll in einen großartigen Status zu bringen. Aber dazu ein anderes mal mehr.