Contentman > Mit bunten Stiften und gutem Licht noch wirksamer schreiben

Mit bunten Stiften und gutem Licht noch wirksamer schreiben

Es ist nicht egal, in welcher Umgebung wir schreiben! Natürlich nicht. Doch während wir etwa akustische Störungen meist gut vermeiden, legen die meisten Autor:innen und Journaler:innen leider wenig Wert auf das richtige Licht und die richtigen Farben. Dabei können uns genau diese unbewusst von der Spur abbringen – oder wieder auf diese setzen. Hilfreiche Tipps für kreatives (und heilsames) Schreiben.

Der Unterschied zwischen diesem Licht und deinem Monitor kann deine Kreativität bremsen. (Bild von karla31 auf Pixabay)

Was Licht und Farben in uns anrichten

Während ich das hier schreibe, sitze ich mit einer Blaufilterbrille vor dem Bildschirm. Das sieht ziemlich dämlich aus. Doch die Sonne ist längst hinter dem Horizont verschwunden und draußen ist die von Fotografen so geschätzte Blaue Stunde angebrochen. Wenn ich jetzt stundenlang in das fiese Licht des Monitors schaue, tränen mir die Augen und meine Ideen versanden. Vor allem: Ich finde später nicht mehr in einen guten Schlaf.

Bei dir ist das nicht so?

Bist du dir sicher? Weißt du denn, wie du dich fühlst, wenn du am Abend NICHT auf einen Flatscreen oder einen Bildschirm starrst? Selbst Apple hat schon reagiert und steuert mit der „Night Shift“-Einstellung auf iPhones dagegen. Dank dieser Funktion ist es mir übrigens erstmals aufgefallen, wie angenehm es ist, am Abend in ein ausgewogeneres Licht zu schauen.

Warum reagieren wir so „allergisch“ gegen Blaulicht am Abend?

Seit es uns Menschen gib, leben wir in einem jahreszeitlichen Rhythmus und einem 24-Stunden-Kreislauf, der auch „Zirkadianer Rhythmus“ genannt wird. Wie das Laufen auf zwei Beinen sind diese Abläufe etwas, das wir nicht lernen müssen – sondern einfach können und wahrscheinlich niemals verlernen werden. Nachts schlafen wir, morgens geht es zur Jagd und am Abend versammelt sich der Stamm um ein Lagerfeuer. Das ist bei dir nicht mehr so? Vermutlich, aber in den letzten paar Hunderttausend Jahren hat sich der menschliche Organismus erfolgreich daran gewöhnt.

Dieses Farbspektrum hat das Sonnenlicht (Innovative Eyewear, vielen Dank für die Bilder auf dieserSeite)

Den Takt dafür liefert seit jeher die Sonne: im Sommer mit all ihrer gleisenden Pracht, im Winter eher zurückhaltend.

Doch auch Sonnenlicht ist nicht gleich Sonnenlicht: Die grelle, senkrechte Mittagssonne im Sommer enthält ein anderes Farbspektrum als das Abendrot über dem Meer und die darauffolgende „blaue Stunde“. Und darauf verlässt sich unser Körper und mixt unser tägliches Hormoncocktail: morgens ein bisschen mehr Dopamin für die Motivation, abends etwas Melatonin zur Beruhigung.

Diese Botenstoffe wirken intensiv aber sublim. Ingo Maurer, einer der weltweit bekanntesten Lichtdesigner, beschreibt die Sache mit dem Licht so: „Man kommt abends nach Hause und fühlt sich irgendwie ein bisschen unwohl. Man weiß aber nicht, dass es das falsche Licht ist. Mit einem guten Licht zu Hause, das einem die Seele streichelt, ist man viel, viel glücklicher.“

Du wirst ungeduldig? Was hat all das mit der Schreiberei zu tun? Frag dich selbst: Wann schreibst du kreativer und wann ist dein Dankbarkeitstagebuch wirkungsvoller? Wenn du dich unwohl fühlst oder wenn du „glücklicher“ bist? Das hat das mit dem Schreiben zu tun.

Bei welchem Licht schreibt es sich am besten?

Das ist natürlich vom Tagesablauf abhängig: Mit dem Motivation-Hormon Dopamin im Blut wirst du vermutlich am besten durchhalten. Es ist also kein Wunder, dass die erfolgreichsten Schriftsteller schon vor dem Frühstück einige hundert Wörter geschrieben haben. Dabei wurden sie vermutlich auch von einem guten (!) Maß an Adrenalin unterstützt, das durch den Stress des Abgabetermins im Blut zirkuliert. Wobei natürlich immer auf die vier Phasen der Kreativität geachtet werden sollte.

spektrum licht
Oben eine Glühlampe, unten eine Energiespalampe.
Was sieht gesünder aus? (Bilder: Innovative Eyewear)

Wenn am Abend dein biologisches Gleichgewicht in Richtung Schlaf pendelt, ist es vermutlich keine gute Idee, ist bei den meisten „die Luft raus“ – wobei „Luft“ in diesem Fall gleichbedeutend mit „Dopamin“ ist. Dann ist es keine gute Idee, mit einem unausgewogenen Licht noch mehr sublimen Stress zu verursachen. Zwar könntest du versuchen, mit einer Tageslichtlampe die Hormone anzuregen um wach zu bleiben. Doch das ist ein fieser Trick, der nur einige Tage gut funktionieren wird und dir den Schlaf ruiniert. Natürlich kann unser Körper Ausrutscher (wenn der Abgabetermin drück) gut überstehen. Aber zum Ritual soll das nicht werden.

Ich höre schon die Proteste von kreativen Schreiber:innen, die viel lieber abends beim Gläschen Wein schreiben. Nun: Alkohol steigert auch die Dopamin-Ausschüttung des Körpers. Und ihr wisst ja selbst, dass man nach zwei Gläsern vielleicht besser ein- aber schlechter durchschläft. Das ist einer der Gründe dafür. Regelmäßiger Alkoholgenuss ist also kein Ersatz für einen grundsätzlich vernünftigen Umgang mit den Tageszeiten.

Deshalb lege ich lieber die Schreibarbeiten in den Abend, die mir ohnehin Spaß machen (wie z.B. das Schreiben von Artikeln für den Contentman) und die mich selbst motivieren. Zusätzlich vermeide ich mit einer Blaulichtbrille den Licht-Stress und tränende Augen.

Versuche es mit diesen Regeln:

  • Die härteste „Schreibarbeit“ ist frühmorgens am leichtesten. An düsteren Tagen kannst du mit einer Tageslichtlampe nachhelfen. Ein nettes Gadget ist der HumanCharger, den ich noch nicht ausprobiert habe.
  • Hin und wieder ein „Kick“ mit einer Tageslichtlampe, einer starken Tasse Kaffee oder Alkohol ist in Ordnung. Wenn das allerdings zur Regel wird, muss dein Körper ständig Stress aushalten. Das fördert weder Kreativität noch die heilsame Kraft des Schreibens.
  • Zumindest am Abend und am Morgen kann das Schreiben von Hand auf Papier die Gedanken besser blitzen lassen. Wie wäre es mit Notizen per Hand und die Abschrift per Tastatur?
  • Blaulichtfilter-Brillen sind eine angemessene Lösung. Vermutlich könnte man sie bei der Bildschirmarbeit ständig nutzen. Denn das unausgeglichene Blaulicht der Monitore erhöht auch mittags den Stress. Der Nutzen einer solchen Brille (oder eines Brillenaufsatzes) ist vor Sonnenaufgang und in den Abendstunden besonders nützlich.
  • Vielleicht kannst du auch andere miese Lichteinflüsse ein wenig reduzieren. Stelle das Handy zumindest auf „Night Shift“ – oder lasse es auch manchmal am Abend ganz aus.
Sieht auch fies aus, oder? Das ist das Licht, dass gute LED-Leuchten produzieren. (Bilder: Innovative Eyewear)

Und welche Rolle spielen Farben?

Wenn das Licht beim Schreiben einen Effekt hat – sind die Farben des Stiftes und des Papiers zumindest ein Aspekt. Allerdings befinde ich mich da auf einem unbekannten Terrain und ich kann dich nur zu Experimenten anregen. Diese beruhen auf der Farbtherapie, über die ich im Fachmagazin AKOM im Mai einen Artikel schreiben durfte, und auf der Idee, dass bestimmte Farben zugehörige Emotionen in uns auslösen.

Für die Zuordnung von Farben zu Emotionen gibt es verschiedene Systeme. Etwa Darius Dinshah und Alexander Wunsch (Quellen unten) haben lange Jahre geforscht und präsentieren interessante Ergebnisse. Wer sich damit beschäftigt, entdeckt eine neue spannende Welt auf. Ebenso, wie die Welt der Düfte oder der Klänge.

Hier einige typische Zuschreibungen:

  • Rot: Steht für Antrieb und Energie. Diese Farbe wirkt anregend. Hast du schon mal versucht, etwas in rot zu schreiben, was dir sonst schwer von der Hand geht?
  • Gelb: Ist die Farbe der Lehre. Sie aktiviert Weisheit und Nervenstärke und hilft bei Müdigkeit und dabei, düstere Stimmung zu überwinden. Mit einem gelben Stift zu schreiben ist keine gute Idee. Doch warum nimmst du immer blütenweißes Papier? Wie läuft es mit (künstlich) leicht vergilbten Seiten?
  • Grün: Schafft Ausgleich und Gleichgewicht. Gefördert wird Heilung und Harmonie. Wenn du dein Tagebuch schreibst, um dein Inneres ins Lot zu bringen, probiere es mal mit einem grünen Stift.
  • Türkis: Diese Zwischenfarbe fördert Konzentration und Achtsamkeit – denn sie dämpft die Gehirntätigkeit. Das ist nützlich, wenn es darum geht, etwas zu produzieren. Das erfolgt zwar meist am Monitor – aber vielleicht hast du auch dafür einen Anwendungsfall.
  • Blau: Das ist, für viele überraschend, die Farbe der Entspannung. Wenn du abends noch deine drei guten Dinge oder ein Achtsamkeits-Journal schreiben willst, ist der blaue Stift die richtige Wahl. Hier brauchst du keinen Blaulichtfilter 😉
  • Indigo/Violett: Indigo ist nahe am Blau, Violett geht in Richtung Magenta. Beide Farben stehen für Intuition und Weisheit (wenn man das als ähnlich betrachten darf). Offensichtlich sollten das die Stifte sein, die du am häufigsten zum Schreiben verwendest.

Bunte Farben am Monitor oder mit Stift und Papier? Nun, der Monitor ist bei einem so feinsinnige Thema wie der Text- oder Papierfarbe raus. Die Gründe dafür habe ich weiter oben angeführt. Selbst mit einer Blaufilterbrille dürften die Unterschiede einer roten oder blauen Typo auf einem LED-Bildschirm relativ gering sein.

Sozusagen eine Brillen-Apotheke 🙂

Wenn du die Effekt von Farben auf Körper und Geist noch intensiver testen möchtest, kannst du es auch mal mit richtigen Farbbrillen versuchen. Ich setze auf das Farbset von Innovative Eyewear, das auf der Forschung von Dinshah und Wunsch beruht. Doch ich denke, da gibt es auch Alternativen.

Macht das wissenschaftlich Sinn?

Wissenschaft hat die großartige Eigenschaft, dass sie manchmal die Wahrheit klar benennt. Der Nachteil ist, das dies nur dann gelingt, wenn ausreichend geforscht wurde. Doch leider gab offenbar noch nicht genug Forschungsgelder für die Farbauswahl von Stiften beim kreativen Schreiben.

Ist es deshalb falsch? Nein. Nur noch nicht erforscht.

Ist es plausibel? Eigentlich schon. Denn die Wirkung von Licht und Farben auf die menschliche Biologie sind gut nachgewiesen und oben beschrieben.

Doch selbst, wenn gar nichts dran ist und dir trotzdem ein paar bunte Stifte kaufst und deine Schreibübungen damit verschönerst, hast du gewonnen. Denn das ist eine hilfreiche Achtsamkeit für deine kreativen oder heilenden Schreibereien – und darum geht es ja.

Literatur

„Darius Dinshah: Es werde Licht“, Dinshah Health Society, 3. Auflage, 2015

„Wunsch, Alexander: Die Kraft des Lichts: Warum wir gutes Licht brauchen und schlechtes Licht uns krank macht“, Riva, 2019

„Wunsch, Alexander: SpektroChrom – Farbbrillen Handbuch“, 2016

Forschungs-Ergebnisse „HumanCarger“: [https://de.humancharger.com/forschung/]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.