Es ist der 21. März 2020. In Deutschland gelten tatsächlich Ausgangsbeschränkungen. Und: Heute beginnt deine Zukunft. Vielleicht eine düstere, vielleicht eine schöne, sehr sicher eine spannende Zukunft. Heute ist schon alles anders als noch vor einer Woche. Und in wenigen Wochen wird wieder alles völlig anders sein. Es wird Zeit, mit einem Tagebuch zu starten!

Wann, wenn nicht jetzt? (Foto von Essentialiving bei Unsplash)

Sei dein eigener Chronist

Einige von euch werden in einigen Wochen arm sein. Manche finden in den nächsten Tagen ihre Liebe des Lebens. Vermutlich werden auch liebe Menschen krank und – hoffentlich wenige – sterben. Möglicherweise findest du in den nächsten Wochen eine neue Bestimmung?

Für uns alle ändert sich das Leben. Jetzt und unaufhaltsam!

Drei Gründe, die dich davon überzeugen, noch heute mit einem Tagebuch zu starten:

  1. Die positiven psychologischen Effekten sind gut erforscht, das kannst du in meinem Beitrag über das Schreiben eines Tagebuchs nachlesen. Gerade jetzt, wenn wir zu Hause sitzen, ist diese Seelenhygiene wichtig.
  2. Willst du die Berichterstattung dieser historischen Veränderung DEINES Lebens den großen Verlagen oder gar den Sozialen Netzen überlassen? Hast du kleine Kinder? Was wirst du ihnen in einigen Jahren sagen, wenn sie dich fragen, wie das damals war?
  3. Wie hast du dich gefühlt, als wir vor einer Woche noch recht überrascht von alledem waren, was passiert? Ich weiß es schon gar nicht mehr. Ich will aber nicht vergessen, wie das war.

Vielleicht stehen wir am Rande einer neuen Gesellschaft, der Zukunftsforscher Matthias Horx nennt diesen Moment Bifurkation. Er schlägt eine Re-Gnose vor: Wir sollten uns überlegen, wie wir in der Zukunft über die Erfahrungen denken, die wir jetzt machen werden. Das ist eine gute Idee. Doch wollen wir nicht auch schriftlich das festhalten, was wir ganz sicher nicht behalten können: unser Leben heute und hier.

“21. März 2020: Ich fange an…”

So könnte dein erster Eintrag in dein Tagebuch lauten. Hier einige schnelle Tipps, wie du sofort starten kannst:

  1. In irgendeinem Schrank hast du ein Heft zum Schreiben. Beginne damit. Vielleicht wirst du später auf dem Notebook oder mit einer App weitermachen. Aber gönne dir die haptische Erfahrung am Anfang.
  2. Wähle einen schönen Stift, nimm dir etwas Zeit. Vielleicht reichen zehn Minuten. Aber es ist Wochenende, wir haben Ausgangsbeschränkungen (jedenfalls in Bayern) und das Wetter ist schlecht. Also: Beginne mit 30 Minuten.
  3. Bleibe beim Schreiben bei dir und deinen Gefühlen. Es ist nun sehr einfach, die Dinge zu berichten, die draußen passieren. Doch dafür gibt es andere Experten. Du bist der Experte für DEIN Leben und DEIN Innenleben. Achte auf dich – wie fühlt es sich an?
  4. Glaube nicht, dass du große Dinge aufschreiben musst. Auch Belanglosigkeiten können sich zu etwas sehr Wichtigem entwickeln. Also schreib auf, was dich bewegt! Selbst, wenn es klein aussieht. Das ist dein Tagebuch.
  5. Nimm dir Zeit, es schönzumachen. Unterstreiche wichtige Wörter und Sätze, male vielleicht etwas daneben, verwende verschiedene Farben. Und schreibe leserlich. Vielleicht willst du in zehn Jahren wissen, was heute passiert ist. Oder, eigentlich ist es ganz sicher, dass du das dann mal wieder nachschlagen willst.

Warum schreiben und auch noch von Hand?

Wäre ein Foto-Tagebuch auch sinnvoll?

Alles ist sinnvoll, was du gerne tust. Und Fotos transportieren sehr viel. Es ist sicher eine gute Idee, zusätzlich auch ein Fototagebuch zu schreiben oder Bilder in dein Tagebuch zu kleben. Allerdings ist der psychologische Effekt beim Schreiben besonders stark. Und für Erinnerung spielen auch Gefühle und Gedanken eine Rolle. Die lassen sich nicht fotografieren.

Warum von Hand schreiben?

Auch das ist ein psychologischer Trick. Den Hintergrund habe ich hier beschrieben. Ein Nachteil hat die Sache allerdings in der Tat: Papier lässt sich schlechter archivieren. Und trotzdem: Beginne mit einem Notizbuch, dann startest du leichter. Später kannst du dann auch in eine Tagebuch-App wie “Day One” umsteigen. Das ist besonders komfortabel und kann auch mit Fotos verschönert werden.

Und: los! Schick mir, was du hast!

Weitere Tipps werden folgen! Ich freue mich auch über deine Mail mit einem Foto. Gerne übernehme ich hier die Dokumentation dessen, was ihr aufschreibt. Natürlich völlig anonym. Und nur, wenn sich das als hilfreich erweist.

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