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Warum das “morgen“ dein Feind ist

Beim Schreiben meines Buches bin ich auf einen Gedanken gestoßen, den ich hier teilen will. Es geht um gute Vorsätze. Und zwar sollten wir diese vermeiden, wann immer es geht.

Erfolg für Buchautoren
Schon zu hoch gesprungen? Vorsicht vor den Erfolgen von morgen. (Foto von Aziz Acharki non Unsplash)

Es gibt ein Zitat vom römischen Philosophen Seneca: „Beweise mir, dass ein gutes Leben nicht bedeutet, dass es lang ist, sondern wie es genutzt wird.“ In meinen Augen geht es darin darum, dass es nicht hilfreich ist, sich ein gutes Leben vorzunehmen, sondern es zu leben. Es ist besser, jetzt sofort etwas zu ändern – statt sich vorzunehmen, das morgen zu tun.

Nur noch ein bisschen vorbereiten

Darin steckt viel Wahres. Gerade, wenn man in einem Projekt wie dem Schreiben eines Buches steckt: Du kannst dir sehr lang ausrechnen, wie viele Seiten du pro Tag schreiben willst. Du kannst dann deine Story oder den Inhalt deines detailliert Sachbuchs plotten und recherchieren. Du kannst dann sehr viel über Schreibstil lesen und diesen täglich verfeinern. Dann suchst du nach der richtigen Software, in das du dein Buch tippst, eine Software für die Quellenverwaltung und natürlich eine für deine Notizen. Dann bereitest du dein Umfeld vor und suchst nach einem ablenkungsfreien Ort, an dem du schreiben kannst. Welche Musik willst du hören? Und. So. Weiter.

Das Problem: Auf diese Weise wirst du auf keinen Fall ein Buch schreiben, sondern dein Buch lediglich vorbereiten. Die eigentliche, schwere Arbeit schiebst du Tag für Tag vor dir her und stellst dich als grandiosen Autor lediglich vor. Es wird großartig sein, wenn du dann endlich schreibst. Nur: Es wird vermutlich niemals dazu kommen.

Ich bin mir sicher: Die besten Bücher der Welt wurde niemals geschrieben, weil ihre Autor:innen sich immer noch darauf vorbereiten.

Das gilt übrigens auch für andere Vorhaben wie regelmäßig Tagebuch schreiben, zweimal die Woche joggen gehen und weniger Stress im Leben zulassen. Das sind Projekte, die wir heute ziemlich detailliert und ausgiebig vorbereiten können. Wir können Notizbücher kaufen, über Tagebücher lesen, Laufschuhe nach Farbe oder Sohle aussuchen oder Bücher über Stoizismus und Buddhismus lesen. Und währenddessen werden wir uns vorstellen, dass wir ab morgen…

Dein Hirn arbeitet gegen dich

Und da kommt die Neurobiologie ins Spiel: Die Vorstellung, dass du ab morgen regelmäßig schreibst, joggst oder stoisch bist, ist nicht nur wenig hilfreich – sondern schädlich. Denn aus der Hirnforschung wissen wir, dass unser Gehirn in manchen Situationen nicht zwischen Realität und Vorstellung unterscheiden kann. Deshalb gehen Abfahrtsläufer vor dem Start jede Kurve im Kopf durch. Deshalb hilft es, wenn wir uns vor einem öffentlichen Auftritt ins Klo einsperren und unsere grandiose Rede schon vorher feiern damit wir nicht mit zitternden Händen auf der Bühne stehen. Und, hey: Das funktioniert!

Denn ein vorgestellter Erfolg löst dieselbe Biochemie aus wie ein echter Erfolg. Unser Hormoncocktail aus Testosteron, Serotonin und Dopamin wirkt auf unseren Geist, wenn wir uns einen nur Erfolg vorstellen.

Und das gilt auch, wenn wir uns selbst versprechen „Ab morgen schreibe ich täglich fünf Buchseiten“.

Du musst dir also nur vorstellen, dass du ab morgen dein Werk schreibst – schon wirst du dafür belohnt. Wenn du dann morgen am Schreibtisch sitzt, wirst du allerdings nicht schreiben. Denn das kostet viel mehr Energie und ist ein viel größeres Risiko, als sich das nur vorzustellen. Schreiben ist echte Arbeit, die Vorstellung von Schreiben ist, nun ja, leicht. Die Chancen stehen also gut, dass dir dein Unterbewusst zuflüstert: „Hey, warum denn dieser ganze Aufwand? Es reicht doch, wenn wir uns vorstellen, wie toll es morgen wird. Wenn wir uns ausmalen, fünf Buchseiten zu schreiben. Lass uns die Sache lieber noch ein bisschen vorbereiten. Das fühlt sich super an und ist nicht so anstrengend.“

Das kommt dir bekannt vor? Eben!

Selbst deine ToDo-Liste…

Und wie ist das mit der ToDo-Liste? Wenn ich meine Aufgaben aufschreibe, die ich in der nächsten Woche erledigen will/muss/werde? Spiele ich meinem Hirn damit eigentlich auch vor, dass ich diese schon erledigt habe – und mir fehlt nachher die Energie für die wirkliche Umsetzung?

Ich schätze, das ist kompliziert. Vermutlich lässt sich das nicht so einfach sagen. Allerdings weiß ich, dass ich gerne meine Tasks aufschreibe und mich danach besser fühle. Obwohl ich noch gar nichts getan habe…

Tun statt vornehmen

Wie kommen wir aus dieser Zwickmühle heraus? Indem wir etwas tun statt es uns vornehmen. Auf dein Buch bezogen heißt das: Schreibe deine verdammten fünf Seiten. Selbst, wenn du um den Stil kämpfen musst oder sich Wissenslücken offenbaren. Falls du keine fünf Seiten schaffst, schreibe drei oder zwei. Egal: Schreib!

Bezogen auf andere Vorhaben: Wenn du es gerade nicht schaffst, dein Ziel zu erreichen, dann tue ETWAS, das in diese Richtung zeigt. Wenn du Tagebuch schreiben kannst, schreibe deine Gedanken auf ein Stück Papier. Wenn du joggen gehen willst, laufe mit den Klamotten, die du hast und ohne App ein oder zwei Kilometer. Und wenn du weniger Stress willst, setz dich fünf Minuten hin und tue nichts. Du musst es ja nicht gleich Meditation nennen.

Danach darfst du dein Projekt weiter vorbereiten. Doch erst, wenn du auch wirklich etwas getan hast.

Das funktioniert wirklich. Versprochen. Ich habe es selbst ausprobiert. 🙂

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