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Wie Wertschätzendes Schreiben dein Leben bereichern kann

Mit „Wertschätzendem Schreiben“ legen wir den Fokus auf die Fülle unseres Lebens und gewinnen Gelassenheit im Alltag, Vertrauen in uns selbst und Klarheit über Werte und Ziele.

Foto von Kat Stokes auf Unsplash

Als Schreibwerkstättenleiterin mit poesietherapeutischer Ausbildung wende ich in meinen Workshops ressourcenorientierte und persönlichkeitsentwickelnde Schreibtechniken an. Im Workshop Wertschätzendes Schreiben in Maria Lankowitz, einem malerischen Wallfahrtsort in der Weststeiermark (Österreich), liegt der Schwerpunkt auf der Sichtbarmachung von Selbstliebe und der aktiven Forcierung von Selbstfürsorge. In diesem Artikel darf ich euch ein paar Ideen zum Thema Wertschätzendes Schreiben und konkrete Übungen vorstellen.

Die Kraft der Dankbarkeit

Es gibt verschiedene Schreibtechniken, um den Fokus auf die Fülle unseres Lebens, unserer Beziehungen, unserer Erinnerungen und unsere gegenwärtigen sowie zukünftigen Möglichkeiten zu lenken. Zum Beispiel Dankbarkeits- oder Erfolgstagebücher, in die du regelmäßig notierst, wofür du dankbar und worauf du stolz bist. Im täglichen Journaling kannst du dir konkrete Fragen stellen, die den Blick auf das Positive werfen, beispielsweise: Was läuft gerade wirklich gut in meinem Leben? Was kann diesen Tag wunderbar machen? Wenn wir uns in einer Krise befinden, helfen stärkende Journaling-Fragen: Was ist das Gute an diesem Problem? Wovor schützt es mich? Was kann ich aus dieser Situation lernen?

Schreiben macht uns innerlich stark und zeigt, was wir schon alles bewältigt haben – sowie was wir noch unbedingt erleben wollen. Jeden Tag „danke“ sagen für alles, was funktioniert, für unsere Gesundheit und all die Dinge, die wir als selbstverständlich erachten, macht uns liebevoller und verbessert nachweislich unser Leben!

Von Abenteuer bis Zauber

Ich bin ein großer Fan von ABC-Listen nach Vera Birkenbihl, die zur Ideenfindung dienen, das Schreiben beflügeln oder Geheimnisse enthüllen. Unser Gehirn denkt in netzartigen Verknüpfungen, sogenannten Assoziationen, was sich die ABC-Liste zunutze macht: Hierfür schreibst du auf der linken Seite eines Blatts die 26 Buchstaben unseres Alphabets untereinander auf. Zu den jeweiligen Buchstaben setzt du alle Begriffe, die dir zum Impuls einfallen. Es ist dir überlassen, ob du die Liste von A bis Z geordnet oder wild durcheinander ausfüllst.

Teilnehmer:innen meiner Workshops schrieben schon ABC-Listen zu den Überthemen „Was mein Leben bereichert“, „Was mir Freude verleiht“, „Was mir Spaß macht“, „Was ich liebe“ und „Was ich an mir liebe“. Diese spezielle Liste diente beispielsweise als Basis für einen Liebesbrief, den sie auf schönem Briefpapier an sich selbst verfassten. Dann durften sie Kuverts mit ihrer Adresse beschriften und ich schickte ihnen diese Liebesbriefe ein paar Wochen später per Post zu.

Einmal gab ich das Gedicht „Als ich mich selbst zu lieben begann“ von Kim McGillen (das fälschlicherweise Charlie Chaplin zugeschrieben wird) als Impuls und lud die Teilnehmer:innen ein, einen Text zu schreiben, in dem immer wieder die Passage „Als ich mich selbst zu lieben begann“ vorkommen sollte. In einem weiteren Schritt filterten sie aus dem Geschriebenen das für sie Wichtigste heraus und verdichteten es in einem Vierzeiler auf einem Post-it. Alle Post-its klebte ich auf ein größeres Blatt und las das so neu entstandene Gedicht der gerührten Gruppe vor.

Ein wertschätzender Schreibspaziergang

Im Schreiben liegt ein besonderes Potenzial zur Verfolgung von Visionen und Zielen, daher biete ich unglaublich gerne Wunschworkshops an. Eine besondere Variante führte in Form eines Wunschschreibspaziergang durch meine Heimatstadt Graz:

Treffpunkt war der buddhistische Stupa im Volksgarten. Nachdem die Gruppe den Stupa dreimal im Uhrzeigersinn umrundet hat (das bringt nämlich Glück!), schrieben sie auf Parkbänken sitzend ihre persönlichen Wünsche. Weiters bat ich sie, einen Stein, Ast oder einen anderen Naturgegenstand aus dem Park mitzunehmen. Die nächste Station war eine Kirche, in der moderne Kunst Betrachter:innen zum Staunen und in den Schreibfluss bringt. Hier ließ ich die Teilnehmer:innen Wünsche für geliebte Menschen aufschreiben und Kerzen für deren Erfüllung anzünden. Die abschließende Station war eine Brücke über die Mur, die durch Graz fließt. Hier konnten die Teilnehmer:innen sich Wünsche für die Stadt bzw. den Ort, an dem sie leben, ausdenken und den Naturgegenstand in den Fluss fallen lassen.

Alle haben mir freudestrahlend rückgemeldet, dass sie noch nie auf die Idee gekommen waren, einem Ort etwas Gutes zu wünschen, doch dass sich das sehr stimmig und wertvoll anfühle.

Gerade in Krisen: Schreiben hilft

Hinter uns liegen Monate des Verzichts und der Einschränkung von Möglichkeiten. Wir könnten jetzt jammern und klagen – oder den Fokus auf das legen, was gut in der letzten Zeit lief. Ich zum Beispiel hatte trotz Homeschooling-Homeoffice-Haushalt-Hölle eine wirklich erfüllende Zeit mit unseren Kindern, entdeckte den Wald als persönliche Rückzugsoase, backte mich durch ein österreichisches Mehlspeisenkompendium und fand genug ruhige Momente, um mein Buch fertigzuschreiben.

Ich lade dich dazu ein, dir darüber Gedanken zu machen, was du in den letzten Monaten gewonnen anstatt verloren hast. Was hast du gelernt und worin fandest du Kraft? Fülle deine persönliche ABC-Liste mit allem Guten der letzten Monate aus und schreib in Resonanz darauf ein zehnminütiges Freewriting. Dieses Freewriting verdichtest du zu einem Vierzeiler, der mit „Ich bin dankbar für“ beginnt.  

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