3 Achtsamkeitsübungen mit der Kamera

Und was hat Fotografie und Achtsamkeit gemeinsam? Beide schulen die Wahrnehmung und fokussieren deine Gedanken. Allerdings nur, wenn du mal nicht nur atemlos „knipst“, sondern „achtsam fotografierst“. Vielleicht mit diesen drei Übungen. 

Achtsam fotografieren: Als ich am Steg saß, meldete sich der Random Alarm...

Achtsam fotografieren: Als ich am Steg saß, meldete sich der Random Alarm…

Zugegeben, die Omnipräsenz von Handy-Kameras an allen schönen Orten der Welt ist manchmal anstrengend. Doch während die einen darüber herummaulen wird woanders erforscht, dass Touristen mit Kamera den besuchten Ort viel intensiver und positiver empfinden als die Nicht-Knipser. Und vermutlich gibt es viele vermeidbarer Rempeleien – weil jemand die Welt nur durch sein Handydisplay erlebt – während durch gegenseitiges Fotografieren vor atemberaubenden Kulissen Menschen sogar zueinander finden.

Alles gute Gründe, das Fotografieren als Achtsamkeitsübung zu etablieren!

Warum Fotografieren und Achtsamkeit ein Traumpärchen sind

Machen wir uns von solchen Pro- und Contra-Überlegungen mal frei. Atmen durch und überlegen uns, wie wir mittels Digitalfoto unsere Achtsamkeit trainieren können. Denn eines steht fest: In einem Bild können mehr Stories und Gefühle stecken als in einem Text. Und um das Entdecken der inneren Stories und der Emotionen geht es schließlich auch bei der Achtsamkeit.

Es gibt mehrere Ziele, die wir beim Umgang mit Kamera-Übungen erreichen können:

  • Eine genauere und detailreichere Wahrnehmung dessen was gerade – in deinem Körper und draußen – IST.
  • Die Fokussierung auf die wenigen Millisekunden die festgehalten werden.
  • Die intensive Beobachtung, was – vielleicht unsichtbar – vor oder hinter der Kamera mit dabei war.

Ah, das klingt nach Innenschau und der Offenlegung von tiefen Gedanken. Deshalb, die erste Regel: Was du bei diesen Übungen fotografierst, ist nur für deine Augen bestimmt. Vergiss in dieser Zeit mal deine Facebook-Freunde, deine Instagram-Influencer-Ambitionen und alle anderen Timelines.

Du. Fotografierst. Jetzt.

Bevor es losgeht, ein paar Details zu den Formalitäten, zu den Do’s and Don’ts dieser Übungen. Und diese lauten: Es gibt keine. Das sind lediglich drei Vorschläge, wie du mit deiner Handy-Kamera etwas tun kannst, was dir gut tut. Wenn du sie nur einmal machst, werden sie dir vielleicht Spaß machen. Wenn du sie immer wieder in deinen Tag einbaust, haben sie zusätzlich die Chance, zu wirken. Schau selbst, was dir guttut. 

1. A Picture A Day

Mit dieser Übung kannst du erst morgen früh starten. Die Anleitung ist ganz kurz:

  1. Nimm dir ganz fest vor, dass du an diesem Tag genau ein Foto machen wirst.
  2. Mache genau ein Foto an diesem Tag.

Das klingt einfach, ist aber sehr spannend. Denn so ein Tag ist ganz schön lang, wenn man entscheiden muss, welcher Moment am besten fotografiert werden soll – was das beste Fotoobjekt des Tages sein wird. Was, wenn am Abend noch ein echter Höhepunkt auf dich wartet? Aber was, wenn du den interessantesten Moment jetzt gerade erlebst?

Viel Spaß bei dieser Innenschau und dem Ergebnis. Nur eines noch: Du kannst damit nichts falsch machen! Denn es gibt immer einen nächsten Tag, an dem du wieder genau ein Foto machen könntest…

2. Random Picture

Suche dir für dein Handy (hier für iOS) eine App, die dir einen zufälligen Alarm ermöglicht. Also, zum Beispiel heute Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr – weil du da gerade in der Stadt unterwegs bist und etwas Zeit hast. Wenn der Alarm los geht, halte den Atem an und fotografiere die Situation so intensiv wie möglich. Mach ruhig mehrere Fotos aus verschiedenen Perspektiven. Entdecke den Zauber der Situation, versuche deinen Gemütszustand mit einzufangen. Vielleicht helfen dir die folgenden Fragen dabei:

  • Was ist hier gerade in MEINEM Fokus?
  • Wie sehen das die Menschen um mich herum?
  • Welche Details hätte ich ohne den Random Alarm nicht gesehen?
  • In welche Richtung will ich weiter gehen? Wann und wo ist diese Situation vorbei?

Drehe dich mindestens einmal um dich selbst und fotografiere, was du dir interessant erscheint. Dann machst du dich schnell aus dem Staub, denn die Leute um dich herum werden sich über dich wundern.

Nimm dir am Abend und am nächsten Tag ein paar Minuten Zeit, um dir die Fotos anzuschauen. Was geht dir dabei durch den Kopf? Was verändert sich durch den Abstand?

3. Die Story zum Bild

Diese Übung setzt voraus, dass du bisher schon fleißig fotografiert hast. Wenn du mal ein paar Minuten Zeit hast, wähle auf deinem Handy so zufällig wie möglich ein Foto aus (am besten eines mit Menschen) und erzähle dir die dazugehörige Geschichte. Oder besser zwei dazugehörige Geschichten:

  1. Wie es zu der Situation auf dem Foto kam.
  2. Wie die Story weiter ging.

Und, hey: Es ist DEIN Foto, DEIN Leben, DEINE Story. Also mache dir nicht zu viele Gedanken darüber, was WIRKLICH war, sondern stellt dir vor, wie das alles in deinen Augen war. Oder überlege, wie es hätte weiter gehen können. Übernimm in dieser Übung die Macht über deine Story!

Es wird dich kaum wundern, dass diese Übung idealerweise mit einem Stift in der Hand und ein bisschen Übung in Automatischen Schreiben oder in einem Tagebuch funktioniert. Probiere es mal. 

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