Bausatz für den besten Vorspann der Welt

Vorspann BausatzEin schlechter Vorspann ist das Ende deines Artikels. Dem Leser wird langweilig und er zieht weiter. Blöd, dass ausgerechnet der Vorspann schwer zu schreiben ist. 

Es sei denn, du hast dafür einen Bausatz…

Du hast 10 bis 20 Sekunden um deinen Leser davon zu überzeugen, dass er ohne deinen Artikel nicht weiter leben kann. In wissenschaftlichen Studien hat sich nämlich gezeigt dass nach 20 Sekunden die Langeweile einsetzt. Rechnet man das in Textmenge, verliert der Leser nach etwa 300 Buchstaben die Lust am Lesen. Und, hey, diese Studien sind 20 Jahre als. Heute gibt es Faciebook, werden Filmeinstellungen immer schneller und Texte passen in 140 Zeichen. Nehmen wir uns also vor, unseren Leser nach 10 Sekunden verzaubert zu haben.

Und womit verzaubern wir Ihn? Der Einstieg in einen Artikel sollte das alles können: 

  • Eine Zusammenfassung des Inhalts bieten.
  • Mit einem Cliffhanger zum Weiterlesen zwingen.
  • Sprachlich Lust auf den Artikel machen.

Sonst noch was? Vielleicht. Es reicht aber schon, wenn der Vorspann diese drei Kunststücke beherrscht. Einige Beispiele:

  • Wie grüßt ein Bergwanderer? Kein Problem, denken viele. Schon falsch (SZ-Magazin)
  • Oft habe ich mich gefragt, woraus ein Hot Dog eigentlich besteht. Nun weiß ich es. Aber lieber wüsste ich es nicht (The New Yorker)
  • Was haben 1914 und 2014 gemeinsam? Leider recht viel. Die aktuelle Lage der Euro-Krise erinnert fatal an die Monate vor dem Ersten Weltkrieg. Angela Merkel hat das erkannt – und handelt trotzdem falsch. (Spiegel Online)
  • SEO wird anders im nächsten Jahr. Das liegt nicht nur an der Arbeit, die sich die Google-Ingenieure mit der Verbesserung der Suchergebnisse machen – sondern auch an uns selbst. (SEO-Book)

Das dritte, mein Beispiel habe ich angefügt, um zu zeigen, dass man nicht unbedingt Genialität besitzen muss, um einen ordentlichen Vorspann zu schreiben. So einen kann man sich auch mit wenig Mühe zusammen basteln. Dazu braucht man folgende Bestandteile: einen fertigen Artikel mit rotem Faden, die Sichtweise der Zielgruppe und ein bisschen Geschick beim Querdenken.

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Bausatz für einen Vorspann

  1. Wir lesen den fertigen Artikel noch einmal in Ruhe durch und notieren uns gedanklich die Kernaussage(en): Was wollen wir dem Leser eigentlich sagen? Was wird er lernen? Welchen Gedanken soll er in einen Tweet schreiben, wenn er den Beitrag teilt? Das kann recht allgemein sein oder ganz konkret. Egal.
  2. Nun versetzen wir uns in das Gehirn des Lesers: Wie nimmt er die Welt auf, wenn er über das Thema unseres Beitrags nachdenkt? Ist er ein erfahrener Bergwanderer oder ein Flachländer? Kennt er sich in Geschichte aus? Wie steht er zu Angela Merkel oder zur Suchmaschinenoptimierung?
  3. Was würde ihn überraschen? Haben wir etwas im Artikel, das quer zu einem seiner Glaubenssätze steht? Isst er gerne Hot Dogs? Oder denkt er, dass die Entwicklung der Suchmaschinenoptimierung von Google vorgegeben ist? Ist es ihm undenkbar, unsere politische Lage mit dem Jahr der Kriegserklärung des Deutschen Reiches zu vergleichen? Wir suchen nach dem einen Aspekt in unserem Beitrag, der seltsam, beängstigend oder lustig ist. (Merke: Ein Witz enthält meist immer etwas Unerwartetes!)

Nun setzen wir diese Bestandteile zusammen: Die Kernaussage des Beitrags, den Lebensraum unseres Lesers und etwas Unerhörtes. Man muss dabei zupfen und rütteln, alles immer wieder auf halber Strecke alles verwerfen. Und manchmal stellt man fest, dass der Beitrag leer ist, nicht in die Welt unserer Zielgruppe passt oder gar nichts Überraschendes enthält. Dann, tja, dann haben wir ein echtes Problem…

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Die einfachste Form: Drei Sätze passen immer

Die einfachste Form eines guten Einstiegs sind drei Sätze:

  1. Im ersten Satz rufen wir das Thema auf.
  2. Der zweite Satz ist für weitere Erklärungen oder für die Vorbereitung auf den dritten Satz.
  3. Im dritten Satz taucht unser Überraschungs-Effekt auf.

Das ist natürlich eine etwas grobe Regel, aber sie funktioniert fast immer gut. Der Spiegel-Online-Vorspann oben lässt den Leser schon in den ersten 9 Wörtern zusammen zucken. Die anderen Beispiele folgen diesem 3-Satz-Muster.

Und hast du etwas gemerkt? Ein guter Vorspann ist auch so etwas wie die Bestätigung der Headline. Diese soll ja ein Versprechen geben, was der Leser alles erleben wird, wenn er nur den Text liest. Und im Vorspann greifen wir genau dieses Versprechen wieder auf.

Zur sprachlichen Handwerkskunst

Kaum jemand schafft es, in einem Gebrauchstext alles richtig zu machen. Aber im Einstieg solltest du dir besonders viel Mühe geben. Baue kurze, gerade Sätze, verwende einfache, kurze Wörter und überlege dir, ob der Beitrag auch noch in einem halben Jahr gelesen werden soll. Denn dann solltest du auf aktuelle Bezüge („Kurz vor Weihnachten…“) verzichten.

Zum sprachlichen Feen-Staub

Eine Allegorie (also ein Vergleich), in ironischer Seitenhieb oder eine augenzwinkernde Übertreibung („Bauanleitung für den besten Einstieg der Welt“) lassen deinen Leser lächeln. Aber achte dabei auf die wichtigste Regel: „Don’t make make me think“: Wenn er den Witz nicht sofort versteht, hast du ihn verloren.

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Und nun vergiss all die Theorie

Schreiben, das sollte unser Mantra sein, lernt man nur durchs Schreiben. Also nimm dir diese Bauanleitung zu Herzen – aber erwarte nicht, dass sich nun dein Leben als Autor grundlegend verändert. Lass dir Zeit, durchlaufe bei jedem neuen Text die drei Schritte oben und genieße, wie deine Einstiege immer besser werden – und deine Leser immer tiefer in deine Artikel einsteigen.

Foto: © Kathriba – Fotolia.com

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