Hätte ich diesen Text vor zwanzig Jahren gelesen – ich hätte ihn vielleicht nicht verstanden. Jetzt liegt mehr „Leben“ hinter als vor mir. Deshalb hat mich dieses Gedicht von Mário Raúl de Morais Andrade – einem brasilianischen Schriftsteller und Musikforscher – sehr, sehr berührt. Und vor allem in Meetings macht es mich sehr, sehr ungeduldig 😉 

Upppps! Jetzt aber Vorsicht. Nur noch zwei da… (Foto: Pixabay / homar)

Das Original auf italienisch, findest du hier. Ich hoffe, die vielleicht etwas „freie“ Übersetzung einer Freundin von mir passt. 

Meine Seele hat es eilig

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.

Ich fühle mich wie ein Kind, das eine Tüte Bonbons gewonnen hat: Die ersten hat es mit Vergnügen gegessen. Aber dann merkt es, dass nur noch wenige übrig sind. Erst dann beginnt es, diese zu genießen.

Ich habe keine Zeit mehr für endlose Konferenzen, bei denen, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden – und jeder weiß, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die trotz ihres hohen Alters nicht gewachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen.

Ich will nicht in Meetings sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.

Ich vertrage keine Manipulierer mehr und keine Opportunisten.

Mich stören Neider, die versuchen, Bessere in Verruf zu bringen, um ihre Positionen, Talente und Erfolge zu übernehmen.

Meine Zeit ist zu kurz um über Überschriften zu diskutieren.

Ich will nun das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne massenhaft Süssigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor Verantwortung fliehen. Die menschliche Würde verteidigen und die Seite an Seite mit Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Das ist es, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, Herzen anderer zu berühren. Menschen, denen die harten Stöße des Lebens gelehrt haben, zu wachsen – und die Seele sanft zu berühren. 

Ja, ich habe es eilig. Ich habe es eilig, will mit Intensität leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche nun, wirklich keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden.

Ich bin mir sicher, dass sie noch köstlicher werden, als die, die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist es, mein Ende zufrieden zu erreichen. In Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben. Und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

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