Glücksforschung – aber im Ernst: Positive Psychologie

Die „Positive Psychologie“ ist eine sehr wissenschaftliche und nützliche Wissenschaft – die sich aber mit den guten Gefühlen in unserem Leben beschäftigt. „Glücksforschung“ sozusagen. Und im Gegensatz zum „Positive Thinking“ ist die „PP“ wirklich ernst zu nehmen.

Ja, es geht auch mal bergab. Positive Psychologie versteht das.

Ja, es geht auch mal bergab. Positive Psychologie versteht das. (Photo by Matt Duncan on Unsplash)

Wissenschafts-Geschichte: Die „Positive Psychologie“ entsteht

Erstmals wurde der Begriff „Positive Psychologie“ 1954 von Abraham Maslow verwendet. Er wollte damit signalisieren, dass man als Psychologe nicht nur Krankheiten heilen – also Patienten wiederherstellen – sollte, sondern auch das Wohlbefinden gesunder Menschen steigern könnte. Damit ist dieser Zweig der Psychologie übrigens den Humanistischen Methoden (Carl Rogers, Viktor Frankl, Fritz Perls und Virginia Satir) sehr nahe.

Doch es dauerte dann wieder fast ein halbes Jahrhundert, bis der Begriff der Positiven Psychologie von Martin Seligman aufgegriffen wurde, einem Professor an der University of Pennsylvania. Als dieser im Jahr 1998 zum Präsidenten der American Psychological Association (APA) gewählt wurde, schlug er in seiner Antrittsrede vor, dass sich die Forschung nun endlich mehr mit der Selbstentwicklung von Menschen statt nur mit Psychischen Störungen beschäftigen solle. Damals war er schon für seine Arbeit an der Idee von „erlernter Hilflosigkeit“ bekannt – einem psychologischen Konzept zur Entstehung von Depressionen. Er bewies dieses Konzept zusammen mit Steven F. Maier in Versuchen mit Hunden und anderen Tieren und übertrug es 1967 auch auf Menschen.

Kurz zusammengefasst, geht es bei der „Erlernten Hilflosigkeit“ darum, dass wir in manchen unangenehmen Situationen das Gefühl haben, daran „eh nichts mehr ändern“ zu können. Wir glauben, dass zwischen unserem Verhalten und den Ergebnissen dieses Verhaltens KEIN Zusammenhang besteht. Das führt – bei einigen Menschen zu:

  • Motivations-Defiziten
  • Kognitions-Defiziten
  • Emotions-Defiziten

… und im schlimmsten Fall zu einer Depression, deren Leitsymptome ja Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit und gedrückte Stimmung sind. Wer in einer schwierigen Situation also glaubt, nichts daran ändern zu können, gibt die Hoffnung auf und„erlernt Hilflosigkeit“ – obwohl möglicherweise noch ein Weg offen stünde. Dann beeinflusst die Erwartung (nichts tun zu können) das Verhalten (nichts zu tun) und damit auch das Ergebnis (dass tatsächlich nichts besser wird.

Ich erkläre diese „erlernte Hilflosigkeit“ ein weithin anerkanntes Konzept ist – und mit anderen Vorzeichen unweigerlich zur Positiven Psychologie führt: Wenn du zum Beispiel lernst, auch die kleine Ziele zu erkennen, die du erreicht hast – wirst du dich glücklicher fühlen. Und folglich vielleicht auch die großen Ziele erreichen können. Dazu später.

Was die Positive Psychologie kann – und was nicht

Das klingt doch logisch, oder? Und es ist viel näher an der „Achtsamkeit“ als an dem fraglichen Konzept des „Positive Thinking“. In diesem wird empfohlen, auch unangenehme Situationen ins Positive umzudeuten und wegzulächeln. Was ich davon halte, habe ich ja schon aufgeschrieben. Aber man kann es auch ganz kurz zusammenfassen: Wenn etwas Scheiße ist, dann ist es nun mal Scheiße! Das können wir auch nicht „wegdenken“ oder uns selbst ausreden. Im Gegenteil: Das halte ich für sehr gefährlich, weil es zur Verdrängung führt. Wenn wir aber sehr genau hinschauen und unsere Sinne schulen, finden wir in jedem Leben auch etwas Gutes, wir finden Aufgaben, denen wir nicht hilflos gegenüberstehen und wir finden Menschen, die uns helfen. Wenn wir das PERMA-Prinzip der Positiven Psychologie kennen und uns mit ein paar Übungen schulen, werden wir, ja, glücklicher. Das ist wissenschaftlich bewiesen.

Allerdings versagt die Positive Psychologie bei, sagen wir mal, pathologischen Befunden: Ist eine Depression oder ein Burnout im klinischen Sinne einmal erreicht, hilft auch kein Dankbarkeitstagebuch oder ein Flow-Gefühl. Dann hilft die „andere Seite“ der Psychologie: Verhaltenstherapie oder eine ander Psychotherapie und manchmal auch – zunächst – Medikament. Und wenn du nicht weißt, ob das bei dir schon der Fall ist, suche einen Therapeuten auf. Aus manchen Situationen kommen man nun mal nicht mehr alleine heraus. Aber, wie oben schon gesagt: Die Psychologie kann heute sehr, sehr viel. Und wenn du deinen Kopf wieder übers Wasser gebracht hast, dann macht die Positive Psychologie vielleicht sogar glücklich. Aber eben nur dann.

Das PERMA-Prinzip der Positiven Psychologie

Martin Seligman und viele andere Forscher sehen hinter der Positiven Psychologie das so genannte „PERMA-Prinzip“. Dies ist ein Akronym für:

  • Positive Emotionen: Das regelmäßige Erleben und Wahrnehmen von positiven Gefühlen ist ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden eines Menschen. Merke: Es geht nicht darum, schlechte Gefühle zu verleugnen (siehe Positive Thinking) sondern bei den guten Gefühlen etwas genauer hin zu schauen. Sehr viel Wissen dazu von Barbara L. Fredrikcson in Die Macht der guten Gefühle: Wie eine positive Haltung Ihr Leben dauerhaft verändert
  • Engagement: Hier meint die Positive Psychologie vor allem den „Flow“, den wir alle spüren, wenn wir in einer Aufgabe völlig aufgehen. Irgendwo zwischen Unterforderung und Überforderung gibt es einen schmalen Grat, auf dem jede Arbeit richtig Spaß machen kann. Kennst du, gell?
  • Relationship, also Beziehung: Alleine kann kein Mensch glücklich werden. Deshalb sind Beziehungen und Netzwerke eine weitere Grundvoraussetzung für unser Glück. Ob Freundschaften via Facebook oder Instagram „echte“ Freundschaften und wirkliche Gespräche und Verbundenheit ersetzen können, wage ich übrigens zu bezweifeln.
  • Meaning, also Sinn: Hierbei muss es nicht immer um die ganz großen Zusammenhänge gehen. Schon, wenn wir einer älteren Dame beim Bezahlen im Supermarkt helfen, abends dabei sind, wenn der Kindergarten neu gestrichen werden muss oder sogar einen Job machen, der nicht völlig sinnentleert ist, steigert das unser Glücksgefühl merklich.
  • Achievement, also Zielerreichung: Natürlich ist es großartig, wenn wir etwas wirklich Gigantisches schaffen, was uns auf ewig überdauern wird. Aber auch das ist nicht wirklich notwendig. Wenn es dir schlecht geht, beende eine Arbeit, putze dein Auto oder backe einen Kuchen. Du wirst sehen, schon für das Abschließen eines solchen „kleinen“ Projektest wirst du von deinem Gehirn einer geringen aber glücklich machenden Dopamin-Dosis belohnt.

Übungen zur Positiven Psychologie

All diese Elemente des PERMA-Prinzips kannst du natürlich fleißig üben. Hier auf dem Contentman habe ich schon einige Übungen dafür veröffentlicht. Darunter zum Beispiel die „Drei guten Dinge“, die man zwei Wochen lang täglich aufschreibt. Oder das Dankbarkeitstagebuch.

Mehr davon demnächst hier! Und, natürlich, machen dich auch die anderen Übungen immer ein bisschen glücklicher. Probiere das doch mal aus.

Mehr lesen? Gerne:

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