Im nächsten Urlaub: Reisetagebuch schreiben

Nie ist es wichtiger, ein Tagebuch zu schreiben als im Urlaub. Wenn du diesen Artikel gelesen hast, wirst du nie mehr ohne ein digitales oder analoges Reisetagebuch unterwegs sein. Denn dieses macht deinen Urlaub eindrucksvoller und spannender. 

Immer dabei - zur Entlastung und Aufarbeitung: das Reisetagebuch.

Immer dabei – zur Entlastung und Aufarbeitung: das Reisetagebuch. (Photo by Kira auf der Heide on Unsplash)

Jahrelang habe ich beim Reisen und beim Wandern alle denkbaren Formen von Reisedokumentation ausprobiert: Eine Bildergalerie danach, eine Kladde mit der Sammlung aller Eintrittskarten, ein Ordner mit den Hotelrechnungen. Doch alles ist irgendwie unvollständig und muss nach der Reise aufgearbeitet werden. Nicht so ein Reisetagebuch. Das ist schon ein abgeschlossenes Werk, bevor die erste Wäsche nach der Reise wieder trocken ist. Es ist eine großartige Erinnerung und macht deine Erlebnisse in anderen Ländern noch gefühlvoller und bunter. Und nicht nur die Erinnerungen – denn auch die Reise selbst wird dir mehr Spaß bringen.

Denn: Tagebuch schreiben ist mehr als nur die Dokumentation des Lebens. Schreiben entlastet die Seele von unguten Eindrücken und hilft beim Aufarbeiten von Emotionen und Erlebnissen. Schreiben hilft uns beim internen Storytelling, ohne das unser Geist nur eine Sammlung sinnloser Eindrücke wär. Naja, warum und wie du Tagebuch schreibst, habe ich ja schon ausführlich erklärt. Alle Einsteiger finden auf ihrer nächsten Reise garantiert die besten Voraussetzungen, um einem Tagebuch anzufangen. Und zwar nicht nur, um irgendwie anzufangen – sondern weil Aufschreiben von Erlebnissen sogar noch mehr Sinn macht, als zuhause. Garantiert!

9 Gründe, ein Reisetagebuch zu schreiben:

  1. Unterwegs gibt es immer Zeit für ein paar Zeilen Text: Eine Reise beginnt fast immer mit Leerlauf – in der Flughafen Wartehalle, im Zug oder als Beifahrer im Stau. Wenn du dann mit den ersten Notizen beginnst, hast du beste Chancen, mit einem vollen Reisebericht zurück zu kommen.
  2. Neue Erlebnisse, die verarbeitet werden müssen/wollen: Der Vorgang „Schreiben“ lässt dich besondere Ereignisse besser (und wenn du willst „intensiver“) verarbeiten. Und wer unterwegs ist, hat Erlebnisse. So oder so…
  3. Storytelling: Dein Gehirn wird es dir danken, wenn Erlebnisse und Eindrücke nicht einfach unsortiert im Bewusstsein und später im Unbewussten herumgeistern – schreibe sie in einen Gesamtzusammenhang hinein und erhalte damit Sinn.
  4. Es wird dein bestes und liebstes Andenken: Kennst du das? Du kommst zurück und schon wenige Tage später hat dich der Alltag zurück. Mit einem Reisetagebuch kannst du dich an jeden besuchten Ort der Welt zurück zu beamen.
  5. Die perfekte Vorbereitung für deine Reiseerzählungen: Wer eine Reise tut, der hat was zu erzählen – sagt man. Und wer auf Reisen Tagebuch geführt hat, der kann besonders bunt und treffend erzählen.
  6. Nachschlagewerk – für alle weiteren Entwicklungen: Mir jedenfalls kommen im Urlaub die besten Ideen, was ich in Zukunft mit meinem Leben anfangen will. Nur vergesse ich diese immer wieder. Mit etwas Organisation kann ich sie mittels Tagebuch ins wahre Leben transportieren.
  7. Das Aufschreiben bringt dir Qualitäts-Zeit: Wenn du von A nach B über C nach D reist, ist das spannend – aber richtet deinen Geist ausschließlich auf viele äußere Eindrücke aus. Immer, wenn du dann über deine Gefühle und die inneren Erlebnisse schreibst, bekommst du ein Gespür für die wirklich wichtigen Dinge.
  8. Der Start für ein schönes Fotoalbum: Je nach Aufzeichnungsart (digital oder auf Papier) hast du vielleicht direkt nach deiner Reise schon ein fertiges Fotoalbum und damit das schönste Erinnerungsstück.
  9. Gute Gewohnheit etablieren: Nicht zuletzt etablierst du mit einem Reisetagebuch eine wirklich gute Gewohnheit, nämlich das Schreiben eines Tagebuchs, die du dann gleich in den Alltag übernehmen kannst.

Habe ich zu viel versprochen? Ich denke, die Frage, ob du auf der nächsten Reise unbedingt Tagebuch schreiben willst, ist damit geklärt. Jetzt geht es nur noch um das WIE…

Digital oder analog?

Die wohl wichtigste Entscheidung ist die Form: digital oder analog. Beides hat seine Vorteile und Nachteile. Ich selbst bin ein Fan meiner „Day One“-App, mit der ich ohnehin auf iPhone, iPad und dem Notebook schreibe. Diese kann ich im Urlaub einfach umfunktionieren und die Reiseerinnerungen auf Wunsch in ein PDF exportieren.

Aber ich weiß: Es gibt schönere digitale Reisetagebücher mit besseren Export-Funktionen. Und wenn ein Mitreisender, sein mächtigest Moleskine-Heft heraus zieht und mit Füller, Buntstiften und Pritt-Stift für die Eintrittskarten ans Werk geht, bin ich auch immer ein bisschen neidisch. Allerdings bin ich dieser Typ nicht. Aber vielleicht du?

Wer zum ersten mal mit dem Gedanken an ein Reisetagebuch spielt, sollte sich etwas Zeit für diese Entscheidung lassen: Schau dir die entsprechenden Apps für dein Handy an und fingere in einem Schreibwarenladen an den Notizbüchern herum. Vielleicht packst du zur Sicherheit beides in den Koffer? Wichtig ist nur eines: Beschäftige dich damit. Hier einige Gedanken:

  • Hast du dein Handy / Tablet im Urlaub immer bei dir? Dann ist das vielleicht genau das richtige Gerät.
  • Fotografierst du digital – vielleicht sogar mit dem Handy? Das spricht auf jeden Fall auch für eine digitale App-Lösung.
  • Zeichnest du gerne oder vielleicht sogar gut? Das spricht ganz klar für Papier.
  • Willst du möglichst viel Abstand zum Job und dem „realen“ Leben? Dann kommt für die meisten vermutlich vor allem ein manuelles Reisetagebuch in Frage.

Du sieht, die Entscheidung ist eine sehr persönliche. Und vielleicht wirst du sie für den nächsten Urlaub anders treffen. Oder mitten im Urlaub ändern. Das ist egal, denn Papier kann man scannen und digitale Einträge ausdrucken. Hauptsache du schreibst!

Weitere Tipps für deine Aufzeichungen

Egal, ob digital oder analog: Los geht’s:

Wenn du am ersten Reiseort angekommen bist, sollte der erste Eintrag schon geschrieben sein. Warum? Weil die Anreise wichtig ist und mit konsequentem Schreiben die Routine kommt.

Und dann bitte (mindestens) täglich schreiben. Na gut, wenn du mal ein paar Tage am Meer verbringst, wirst du nicht so viel erleben. Aber vielleicht hast du Gedanken, die du sonst nicht hast. Außerdem hast du nun Zeit für die Schreib-Routine. Also, keine Ausreden. Und falls du abends mal zu müde oder zu berauscht bist – egal. Notiere genau das.

Vielleicht machst du an manchen Tagen auch ein Foto-Tagebuch. Eine schöne Übung ist: Knipse über den Tag verteilt genau drei Fotos (nicht mehr und nicht weniger) und verwende sie im Tagebuch. Vielleicht mit einer kurzen Bildzeile. Aber nicht mehr. Ich verspreche dir: Das wird spannend.

Ansonsten gilt: Notiere alles, was dir notierenswert erscheint. Aber: Denke vor allem an deine Gefühle, Gedanken und Ideen. Denn natürlich ist es wichtig, dass ihr morgens um fünf Uhr zu einer Safari aufgebrochen seid und während dieser zwei Löwen, zehn Gnus und drei Giraffen gesehen habt. Abends gab es Hamburger. Ja, das ist ein ordentliches Logbuch. Aber wie ging es dir dabei? Was hast du in den Augen der Tiger gesehen? Wie weit war die Steppe? Und welche Gespräche habt ihr am Abendessen geführt?

Du solltest nicht viel Zeit mit großartigen Formulierungen oder der korrekten Grammatik verplempern. Das ist dem Ziel eines Reisetagebuchs nicht angemessen. Vielleicht willst du sogar nur Stichwörter notieren und gar keine ganzen Sätze oder Erzählungen schreiben. Wenn dir das hilft, deine Gedanken flüssig abzubilden, ist das sicherlich eine gute Entscheidung.

Zumal ich dir ohnehin empfehle, dein Tagebuch nur für dich selbst zu schreiben. Wenn du kein Reiseblogger bist oder werden willst, dann schreib nur für dich. Selbst dein Liebster oder deine besten Freunde sind – gerade, weil du ihnen so nahe stehst – für tiefe Gedanken und Gefühle nicht immer die besten Adressaten.

Warum Facebook, Instagram und/oder dein Blog KEIN Reisetagebuch sind

Nun könnten – zumindest die Socical Media Influencer unter uns – auf die Idee kommen, das angenehm Nützliche mit zukünftigem Ruhm in den sozialen Medien zu verbinden. Also vielleicht einfach öffentlich schreiben und dadurch die Community erreichen. Doch: Das halte ich schlicht für falsch!

Der Sinn eines Tagebuchs geht weit darüber hinaus, interessante Erlebnisse zu dokumentieren. Es geht um deine Gefühle, dein inneres Storytelling. Und das darf sich einfach nicht nach außen richten. Wir alle haben Gedanken, die nur für uns selbst bestimmt sind. Bitte akzeptiere das. Du kannst das natürlich durch „Doppelte Buchführung“ lösen: Schreibe erst deine privaten Gedanken in dein Tagebuch – und veröffentliche danach (!) deine Postings wo auch immer du das tun willst.

Und jetzt: Machen!

Der nächste Urlaub steht hoffentlich demnächst an. Also: Bereite dich darauf vor und nimm ein digitales oder analoges Heft mit. Und ich verspreche dir: Du wirst dir selbst für dein erstes Reisetagebuch dankbar sein. Ich war es auch!

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Ein Kommentar

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