In den Buchhandlungen liegen unzählige Ausfüll-Journals, die dem veränderungswilligen Schreiber ein besseres Leben versprechen. Was sind das für Menschen, die diese Journals entwickeln? Wir haben mit Iris Reiche gesprochen, Gründerin von The New You.

Iris Reiche: The New you
Iris Reiche hat ein Ausfüll-Journal entwickelt und nutzt es selbst noch…

Im Interview erklärt sie, wie es zur Veröffentlichung des Journals kam, warum Menschen immer wieder an ihren Zielen scheitern und welche zwei Mindset-Veränderungen sie – abgesehen vom Journaling – zu einem glücklicheren Menschen gemacht haben.

Ich habe keine besondere Historie zum Schreiben und bin kein besonders kreativer Schreiber.

Iris Reiche

Iris, welche Rolle spielt Schreiben in deinem Leben?

Ich schreibe in mein Journal, weil es für mich die perfekte Möglichkeit ist, um mir selbst einen Rahmen zu geben, um zu visualisieren und um an meinen Zielen dranzubleiben. Ich habe aber keine besondere Historie zum Schreiben und bin kein besonders kreativer Schreiber. Ich weiß aber, dass Schreiben sehr wirksam ist, um Dinge nicht aus den Augen zu verlieren und Gewohnheiten zu verändern. Aus diesem Grund trägt Richard Branson ständig ein Notizbuch mit sich herum und auch in Therapien wie zum Beispiel bei den Anonymen Alkoholikern, wird Schreiben als Therapieform eingesetzt.

Beim Schreiben geht es bei mir nicht um das Schreiben an sich, sondern um die Wirkung, die es auf uns hat. Sich vorzunehmen anders zu denken und dann nachzuverfolgen, ob man anders gedacht hat, ist eher schwierig. Beim Schreiben hat man alles schwarz auf weiß.

Aus deiner Journaling-Routine hast du in ein Selbstcoaching-Journal entwickelt. Wie kam es zur Idee von The New You?

Ich habe viele Jahre in leitenden Positionen im Marketing für große internationale Konzerne gearbeitet. Von außen also eine super Karriere. Irgendwann habe ich aber gemerkt: Ich mache das zwar gut, aber es macht mir nicht so viel Freude und im Leben sollte es viel mehr um Freude gehen. Ich hatte schon länger den Gedanken, mich selbstständig zu machen, wusste aber nicht genau womit.

Gleichzeitig habe ich mich immer für Neurowissenschaften interessiert, Seminare von Joe Dispenza und Alberto Villoldo besucht. Irgendwann haben mich immer mehr Menschen angesprochen, wie es mir gelingt, so entspannt zu wirken. Da habe ich habe gemerkt: Viele lesen Ratgeber und besuchen Workshops, aber nur wenige kommen danach in die Veränderung. Ich will den Leuten etwas in die Hand geben, mit dem sie die Theorie in ihrem Alltag verankern können. Deswegen habe ich dann 2016 The New You gegründet.

Irgendwann wird das zum Automatismus, aber vor allem zu Beginn hilft das Schreiben, das neue Denken zu trainieren.

Iris Reiche

Nutzt du das Journal selbst?

Ich arbeite immer noch jeden Tag mit den Fragen und Übungen aus dem Journal, ja. Manchmal beantworte ich Fragen auch nur in Gedanken. Irgendwann wird das zum Automatismus, aber vor allem zu Beginn hilft das Schreiben, das neue Denken zu trainieren.

Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Journals. Wie erklärst du dir diesen Trend?

Es findet ein Umbruch in unserer Gesellschaft statt. Unsere Welt wird immer schneller und wir können nicht damit umgehen. Und weil wir an unsere Grenzen kommen, fangen viele an, etwas zu ändern. Vor allem junge Menschen überlegen viel stärker, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Bei der Jobsuche zum Beispiel kann man sie mit hohen Gehältern und teuren Firmenwagen nicht mehr locken. Sie schauen eher auf flexible Arbeitszeiten, auf Homeoffice-Optionen. Diese reflektierte Herangehensweise an das eigene Leben ist ansteckend. Immer mehr Menschen stellen sich die Frage, wie sie leben wollen. 

Ohne das Aufschreiben schiebt man gute Gedanken leicht beiseite. Wir merken gar nicht, wie viel Gutes uns passiert. Es geht einfach im Alltag unter.

Iris Reiche

Warum ist das Schreiben aus deiner Sicht so hilfreich, um sich Klarheit zu verschaffen, was man wirklich vom Leben will?

Schreiben ist ähnlich wie reden. Man hat ein Problem, man redet darüber und plötzlich wird einem schon einiges klar, ohne dass das Gegenüber etwas sagen muss. Einfach durch das Aussprechen. Beim Schreiben passiert Ähnliches. Man sieht die eigenen Glaubenssätze schwarz auf weiß und kann sie leichter verändern. Auch für die Zielsetzung ist es wichtig, zu wissen: Wo will ich überhaupt hin?

Das Journal hat auch eine Erinnerungsfunktion. Es erinnert daran, positiv zu denken und neue Verhaltensgewohnheiten zu trainieren. Ohne das Aufschreiben schiebt man gute Gedanken leicht beiseite. Wir merken gar nicht, wie viel Gutes uns passiert. Es geht einfach im Alltag unter. Studien haben gezeigt, dass wir positive Erfahrungen dreimal schlechter erinnern als negative. Wir brauchen drei positive Erfahrungen, um eine einzelne negative Erfahrung auszugleichen. Aufschreiben hilft, das Positive zu sammeln.

Wenn man das Journal betrachtet, ist es eigentlich ganz einfach, was man tun muss, um ein glückliches Leben zu führen. Man braucht eine klare Zukunftsvision, muss hinderliche Überzeugungen loslassen und dann mit Freude und Konsequenz an der Erreichung der eigenen Ziele arbeiten. Warum fällt es Menschen so schwer, diese Schritte einfach umzusetzen?

Aus meiner Erfahrung sind es zwei Gründe. Zum einen setzen sich viele unrealistische Ziele. Wer sich vornimmt, jeden Tag zwei Stunden zu joggen, merkt schnell, dass er es nicht schafft und dann gibt er wahrscheinlich nach wenigen Tagen demotiviert auf. Das Ziel muss im normalen Alltag machbar sein.

Zum anderen sind Menschen einfach bequem. Deswegen leben viele in Beziehungen, die ihnen nicht guttun, fahren immer an den gleichen Urlaubsort und essen immer im gleichen Restaurant. Es ist vielleicht nicht fantastisch, aber man kennt es. Es ist bequem und bekannt.

Was ist dein Tipp, um gegen die Bequemlichkeit anzugehen?

Aufschreiben. Sichtbar machen. Dann kann ich am Ende der Woche zurückblättern und sehe, was ich wirklich getan habe. Und die Ausrede, dass keine Zeit ist, lasse ich nicht gelten. Eine Affirmation zu sprechen, dauert keine drei Minuten. Das kann man beim Zähneputzen machen. Auch ins Journal habe ich in drei Minuten geschrieben. Unser Problem als Erwachsene ist, dass wir vergessen haben, Neues zu lernen. Kinder können das noch. Sie gehen Neues spielerisch an, scheitern, probieren es anders, machen weiter. Diese Haltung ist bei jeder Veränderung wichtig, aber viele Erwachsene müssen sie erst wieder lernen.

Einfach losgehen, du musst nicht die ganze Wegstrecke sehen.

Iris Reiche

Musstest du sie auch erst wieder lernen?

Ja, ich habe viele Jahre gewartet, ehe ich mich selbstständig gemacht habe. Ich hätte es früher wagen können, aber mir fehlte der Mut, bis ich die Veränderung in kleinen Schritten angegangen bin. Ich wusste, ich muss etwas anders machen. Also habe ich über die Themen gebloggt, die mich interessieren. Die Idee des Journals kam erst später. Wäre ich sofort mit dieser Business-Idee gestartet, hätte mich das wahrscheinlich überfordert. Das wäre zu groß gewesen. Man muss sich selbst die Zeit zur Transformation geben. Das ist auch ein Tipp: Einfach losgehen, du musst nicht die ganze Wegstrecke sehen. Die nächsten Schritte ergeben sich nach und nach.

Wenn du eine Glücksgewohnheit nennen müsstest – abgesehen vom Journaling – welche würdest du Menschen ans Herz legen?

Es gibt den Spruch: Tomorrow starts today. Das ist eine Denkgewohnheit, die ich verinnerlicht habe. Wenn wir in unserer Zukunft etwas verändern wollen, müssen wir heute starten, aber auf morgen gucken. Wenn wir nur auf heute gucken und denken, „das ist aber blöd, das gefällt mir nicht“, dann kommen wir nie zur gewünschten Veränderung.

Man be-schwert sich unnötig, wenn man Dingen übermäßig Raum gibt.

Iris Reiche

Die zweite Gewohnheit ist auch eine Einstellung: Die Dinge im Verhältnis zu sehen. Bevor du dich aufregst, halte erst einmal kurz inne und überlege: Lohnt sich der Ärger? Wenn ich falsch geparkt habe und abgeschleppt werden, kann ich mich aufregen oder einfach hinnehmen, dass ich nicht aufgepasst habe. Man be-schwert sich unnötig, wenn man Dingen übermäßig Raum gibt.

Welche Pläne hast du mit The New You in der Zukunft?

Das Journal unterstützt bei Veränderung in allen Lebensbereichen. Zurzeit entwickle eine Online-Business Academy, um Menschen zu helfen, die sich speziell beruflich verändern wollen. Ich habe bei den Rückmeldungen zum Journal gemerkt, dass sich viele auch beruflich verändern wollen aber nicht wissen wie. Wie finde ich meine Passion? Wie wird daraus ein Businessmodell und wie nutze ich Online-Marketing richtig? Um diese Fragen wird es gehen. Im Rahmen des Kurses wird es auch Gruppen-Coaching geben und die Möglichkeit zu persönlichem Austausch. Das Journal wird weiterhin bestehen bleiben und sich auch weiterentwickeln. Ich denke hier an unterschiedliche Bereiche, um bestimmte Bedarfe abzudecken. Veränderung ist ja ein sehr breites Thema. Und genau wie wir selbst ist ein Unternehmen einem ständigen Wandel unterlegen.

Vielen Dank für das Interview!

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