Rechtschreibung und Grammatik: häufige Fehler und die dazu passenden Regeln

Es wird allgemein zu wenig (richtig oder falsch?) richtig geschrieben! Und gerade weil kein Großmeister der Rechtschreibung und der Grammatik bin, habe ich mir das als Selbstlehrgang vorgenommen: Hier findet ihr immer mehr häufige Schreibfehler und ihre Auflösung.

Rechtschreibung und Grammatikprüfung

Wie soll man da nicht unter gehen – oder untergehen? (Photo by nikko macaspac on Unsplash

Mein Service für euch: Wenn du hier irgendwo Fehler findest oder eigene Unsicherheiten geklärt haben möchtest, melde dichper Kommentar oder sonstwie. Dann ergänze ich das hier.

Und noch etwas vorab: Wir sind hier unter Erwachsenen. Und so möchte ich auch mit euch umgehen. Das heißt, dass ich über praktische Regeln und nicht über Pingeligkeiten oder die reine Lehre philosophiere. Das mag den einen oder anderen vermutlich abschrecken. Aber wo die Anführungszeichen genau hingehören (oben oder unten), wie lang ein Bindestrich im Vergleich zum Gedankenstrich ist und ob man ein Wort wie „sonstwie“ verwenden darf, interessiert mich nicht wirklich. Ich denke, wir haben genug damit zu tun, sinnentstellende Fehler zu korrigieren.

Rechtschreib-Fehler und -Regeln

Getrennt oder auseinander?

Damit könnte man eine ganze Webseite füllen. Versuchen wir, uns die wichtigsten Fälle und Regeln zu merken. Und das ist ganz allgemein:

  • Wortgruppen werden getrennt geschrieben: Das sind – gefühlt – Wörter, die einen gemeinsamen Sinn ergeben, aber auch einzeln funktionieren. (z.B. „Auto fahren“)
  • Zusammensetzungen werden zusammengeschrieben: Hier ergeben die beiden (oder mehr) Wörter eine neue Gesamtbedeutung oder einer der Bestandteile macht einzeln keinen Sinn oder der erste Bestandteil verdeutlicht den zweiten oder die Bestandteile lassen sich nicht steigern oder erweitern.

Also:

  • krankschreiben: Der Wortsinn wird nur in dieser Kombination erreicht.
  • großspurig: Der Teil „spurig“ macht alleine keinen Sinn.
  • todlangweilig: Noch viel langweiliger als langweilig, der Wortsinn von „Langweilig“ wird von „tod“ also nur verdeutlicht.
  • todlachen: Man kann sich nicht töter lachen. Aber man könnte zum Beispiel lauter lachen (deshalb getrennt.)

Damit ist – eigentlich – alles gesagt. Allerdings gibt es einige Sonderregelungen und Ausnahmen. Aber die meisten von euch haben diese vermutlich im Gefühl. Ich will diese einfache Faustregel („gemeinsamer und einzelner Sinn der Wörter“ = getrennt, „nur gemeinsamer Sinn“ = zusammen) nicht zu sehr trüben. Aber ein paar Verfeinerungen noch zum Nachschlagen (wer kann das schon alles auswendig lernen?):

  • gleichrangige Verben immer getrennt („schreiben lernen“)
  • gleichrangige Adjektive zusammenschreiben (, „höllenheiß“)
  • Verbindungen mit
    • lassen“ oder „bleiben“ mit neuer Bedeutung können mal so („sitzenbleiben“ -> Klasse wiederholen) und mal so („sitzen bleiben“ -> nicht aufstehen) geschrieben werden.
    • zusammen schreibt man dann zusammen, wenn damit nicht ein „gemeinsam“ gemeint ist. (also „zusammenrechnen“ wenn wir Zahlen addieren aber „zusammen rechnen“ wenn wir das gemeinsam tun.)
    • herunter, hinauf, hinein und durch immer zusammenschreiben. („hineingehen“, „durchlaufen“).
  • Verbindungen von Adjektiv/Partizip, bei dem
    • der erste Teil den Ton angibt zusammen („wochenlang“)
    • der erste Teil den zweiten stärkt oder schwächt zusammen („dunkelgrün“, „todlangweilig“)
    • ein Fugenelement (z.B. ein „s“) eingefügt wird („lebenslustig“)
    • mit Endung „ig“, „isch“ oder „lich“ immer getrennt („fröhlich grau“)
  • Zusammensetzungen
    • mit zu werden zusammen geschrieben, wenn sie durch das Wort „zu“ eine neue Bedeutung bekommen („du musst den Kofferraum nicht zu öffnen“ vs. „könntest du den Kofferraum zuschließen“)
    • mit zu werden getrennt geschrieben, wenn das Wort „zu“ als Adverb genutzt wird („zu hoch“, „zu Fuß“)
    • mit „wie“ werden immer getrennt geschrieben („wie viel“) aber „wievielmal“ und „wievielte“ zusammen. So ist das halt.

Also, nun zum Test: Lautet es „großschreiben“ oder „groß schreiben“? 😉

“s“, „ss“ oder „ß“ und “das“, „dass“ oder „daß“?

Fangen wir allgemein an, und zwar mit den Regeln für die Schreibung von „s“, „ss“ und „ß“:

  • Das „s“ ist der Normalfall. (Haus, hausen, Maus)
  • Kommt nach einem betonten (!) Vokal (a, e, i, o, u) ein einfacher s-Laut, wird dieser verdoppelt. Du solltest das Wort als leise sprechen, dann wird es klar. Lies am besten die Worte oben im Vergleich. (Essen, Kongress, vergessen und übrigens auch „du isst“)
  • Es gibt Ausnahmen: Wörter , die mit „nis“ enden und manche Fremdwörter werden trotzdem mit einem „s“ geschrieben – im Plural allerdings mit Doppel-s. (Bus und Busse, Zeugnis und Zeugnisse)
  • Ein „ß“ wird geschrieben, wenn auf einen langen Vokal oder einen Diphthong (Zwielaut 😉 ein einfacher, stimmloser s-Laut folgt – aber nur, wenn der s-Laut in allen Beugungsformen stimmlos bleibt. Hä?
    Also: Wird ein Vokal lang gesprochen (Spaaaaaß) folgt darauf ein „ß“. Zwielaute sind „ie“, „au“ und so. Diese werden immer lang gesprochen, deshalb folgt auf diese immer ein „ß“ (weiß, außer). Ausnahme hier: „Beweis“ wird nicht „Beweiß“ geschrieben. Weil „beweisen“ mit einem weichen „s“ gesprochen wird. Das gilt auch für „sauste“ (-> sausen) und „meistens“. Aber das ist so ein Sonderding, das wir uns halt merken müssen.
  • In Namen kann das wieder ganz anders aussehen (siehe Theodor Heuss)

So, nun zum „daß“, „dass“ oder „das“. Das geht ganz einfach…

  • Das „daß“ gibt es seit 1996 nicht mehr.
  • Ein „das“ steht nach einem Komma, wenn es sich gedanklich sauber durch ein  „dieses“, „welches“ oder „jenes“ ersetzen lässt. („Er weiß, das Haus steht sicher.“)
  • Ansonsten steht immer „dass“ da. (Er weiß, dass dieses Haus sicher steht.“)

Problematische Wörter

„wie“ vs. „als“

„Als“ wird bei der Beschreibung einer Ungleichheit verwendet: „Der ist größer ALS ich.“. Und „wie“ bei der Beschreibung von gleicher Ausprägung: „Der ist so groß WIE ich.“ Frage nicht, nach dem „Warum“…

„seid“ vs. „seit“

Auch darauf macht euch die Autokorrektur von Word nicht aufmerksam. Denn beide Wörter sind richtig – wenn sie im richtigen Zusammenhang stehen. Also: „Seit“ bezieht sich immer auf die Zeit: „Seit ich mich darum kümmere, schreibe ich richtig.“ „Seid“ ist dagegen die Pluralform von „sein“: „Seid ihr auch solche lustvollen Fehlschreiber?“

„Tod“ vs. „tot“

Der „Tod“ ist eingetreten, nun liegt er „tot“ da. Oder anders gesagt: „Tod“ ist das Hauptwort und „tot“ das Adjektiv.

Standard/Standart

Standart – ein Fehler,

Das ist eigentlich ganz einfach: Es heißt – fast immer – „Standard“. Nur in einem Fall nicht. Wenn man damit meint, WIE jemand steht, das ist dann seine Art zu stehen, seine Stardart. Aber wer sagt so was schon?

Grammatik-Fehler und -Regeln

Groß oder klein nach einem Doppelpunkt?

Zunächst ein Hoch auf den Doppelpunkt: Der macht deinen Text meist interessanter zu lesen. Laut Duden gibt es drei Gründe, einen Doppelpunkt zu verwenden:

  1. Wenn danach eine angekündigte wörtliche Äußerung, Gedanke oder Textstelle steht (Betonung auf „wörtlich“).
  2. Wenn dahinter eine Aufzählung (wie hier) oder Angaben oder Erläuterungen stehen.
  3. Wenn das vorher Geschriebene noch einmal zusammengefasst oder geschlussfolgert wird.

Und geschrieben wird nach der einfachen Regel: Wenn hinter dem Doppelpunkt ein selbstständiger Satz mit Subjekt und Verb oder eine wörtliche Rede steht, wird groß geschrieben. Wenn dahinter ein unvollständiger Satz steht, also etwa eine Aufzählung, wird diese klein geschrieben.

  • Bitte beachten Sie: Ein Doppelpunkt macht einen Text interessanter.
  • Und dann schrie er: „So nicht!“
  • Er hat sich alles selbst erarbeitet: sein Haus, sein Auto und seine Yacht.

Relativsätze mit Komma trennen

Weil die Regel so einfach ist, geht es hier eigentlich nur um die Frage, wie man einen Relativsatz erkennt. Aber von Anfang an:

Ein Relativsatz wird mit einem Komma abgetrennt. Angehängte Sätze mit einem Komma, eingeschobene Sätze mit zwei Kommata. Da gibt es keine Ausnahmen und keine Wahlfreiheit.

Aber wie erkennt man einen Relativsatz? So, wie wir das alle in der Schule gelernt haben: Wenn sich das Wort „der“, „die“ oder „das“ mit „welcher“, „welche“ oder „welches“ ersetzen lässt, ist es ein Relativsatz.

Es gibt also ein (vorausgegangenes) Nomen, das (WELCHES) durch den angehängten oder eingeschobenen Satz näher erklärt wird.

Ach ja: In diesem Fall schreibt man übrigens „das“ und nicht „dass“ – aber das weißt du ja schon 😉

Sonstige Fehler und Faustregeln

Leerzeichen vor Satzzeichen

Ganz einfach: Das geht gar nicht!

NICHT: „Ganz einfach : Das geht gar nicht !“

Punkt.

“Effizient“ oder „effektiv“?

Eigentlich eine Wortfindungs-Frage. Aber irgendwie passt das trotzdem hier rein. Also: Wenn du etwas „effektiv“ tust, dann hat das eine Wirkung. Zum Beispiel, wenn du dich zu Fuß auf den Weg von München nach Hamburg begibst. Der Effekt wird sein, dass du ankommst (vermutlich). Das ist aber nicht „effizient“, denn es dauert eine Ewigkeit. Effizient ist wohl eher ein Flug oder eine Bahnfahrt. Je geringer ein Aufwand für die Wirkung ist, umso „effizienter“ ist die gewählte Alternative.

Also:

  • Effektivität ist, das Richtige tun.
  • Effizienz ist, die Dinge richtig tun.

Übrigens: Manchmal stehen sich diese beiden Prinzipien im Weg. Ein Mathematik-Professor, der den Hof kehrt ist auf jeden Fall effektiv (weil der Hof danach sauberer ist). Aber das ist nicht sonderlich „effizient“.

Was einige Autoren noch anmerken: Man kann einen Prozess „effizienter“ machen (also sparsamer oder schneller oder so) aber der Begriff „effektiv“ kann nicht gesteigert werden. Denn etwas hat einen Effekt oder nicht. Wenn ein Produktionsprozess mehr Output hat als ein anderer, ist er logischerweise „effizienter“ und nicht „effektiver“ – denn einen Effekt haben ja beide.

“zuhause“ oder „zu Hause“ und „Zuhause“

Da macht der Duden sich (und auch uns) ziemlich einfach: Die Empfehlung lautet, immer dann „zu Hause“ zu schreiben, wenn es sich NICHT um einen Ort handelt. Also:

  1. Wenn das Substantiv „zu Hause“ gemeint ist (also ein Ort, an dem du wohnst), dann wird das groß und zusammen geschrieben: Mein Zuhause ist eine kleine Wohnung am Rande des Universums.
  2. Wenn das Adverb (also eine Verbindung mit dem Verb) gemeint ist, dann kann man „zu Hause“ oder „zuhause“ schreiben – aber „zu Hause“ wird empfohlen: Ich bin am Rande des Universums zu Hause (oder „zu Hause“)

Tools zur Rechtschreib- und Grammatik-Prüfung

Das Problem von Rechtschreib-Prüfungen ist doch, dass diese nicht wissen, ob du gerade „dass“ oder „das“ schreiben wolltest. Deshalb braucht man in der Regel ein Programm, das auch Grammatik kann. Nun, dafür gibt es ja Word. Aber das nutzen nicht alle (ich z.B. für meine Texte hier kaum).

Wer als etwa in Ulysses oder direkt in WordPress oder so seine Texte schreibt, hätte sicherlich gerne eine Rechtschreib- und Grammatik-Prüfung. Das ist aber gar nicht so einfach:

  • Das Language-Tool macht in verschiedenen Browsern und auch auf dem Rechner einen guten Job. Kostenlos nach Anmeldung auf https://languagetoolplus.com/ bis zu 2.400 Zeichen kostenlos oder ab 19 €/Monat.
  • Die Rechtschreibprüfung vom Duden ist super – aber leider auf 800 Zeichen begrenzt. Ich habe leider keine – auch kostenpflichtige – Erweiterung gefunden (und würde die gerne bezahlen). Aber das Duden Wörterbuch, das es für Mac und Windows gibt, habe ich nicht kapiert…
  • Die Rechtschreibprüfung24 sieht vielversprechend aus.
  • Lingulab macht eine – teilweise etwas klugsch… Stil- und SEO-Textprüfung. Aber es gibt nur eine einfache Rechtschreibprüfung und keine Komma-Regeln. Schade, denn das würde den Dienst objektiv sinnvoll machen. Aber das Abo-Modell ist auch ziemlich, äh, seltsam.
  • Es gibt für WordPress – leider – keine Rechtschreib- und schon gar keine Grammatik-Prüfung. Man kann wohl über das Plugin „Jetpack“ etwas installieren – aber ich bin mir gar nicht so sicher, ob das dann auch Deutsch kann.

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