“KI-begleitet schreiben”? Hier kommen einige Ideen und ein Tool, das zeigt, wie das gehen kann.
Hinweis: Diesen Text habe ich unter Zuhilfenahme einer KI geschrieben. Und zwar hat mir marker.page dabei geholfen. Ich weiß nicht, welches KI-Modell dahinter steckt. Aber das ist im Beta-Test auch egal. Also, los geht’s.
“betreutes Schreiben”
Warum sollten wir uns überhaupt die Mühe machen, selbst zu schreiben? Ein Satz “Schreibe eine Produkt-Review zu marker.page” würde mir doch eine Menge Zeit und Mühe sparen. Claude sucht sich alle Infos zusammen, schlägt mir einen Text vor und ich kann daran herumoptimieren. Das ist doch perfekt. Oder?
Ja, das wäre perfekt. Es gibt aber zwei gute Gründe, warum das Unsinn ist:
- Wenn du Claude oder ChatGPT schreiben lässt, kann das sehr gut klingen und inhaltlich den Stand im Internet wiedergeben. Aber nicht mehr. Ich denke, diese Mittelmäßigkeit wird zukünftig zum Problem.
- Wenn du nicht selbst schreibst, verlierst du erst deine eigene Stimme und dann ganz grundsätzlich die Fähigkeit zu schreiben. Und damit auch die Beurteilungsfähigkeit, die KI durch den Prozess hindurchzunavigieren. Ich denke, das leuchtet ein. Oder?
Das sind übrigens nicht meine persönlichen Annahmen sondern das Ergebnis zweier wissenschaftlicher Aufsätze: “Borrowed or kept? How self-generation-first and direct-adoption AI workflows shape immediate unaided reasoning” zeigt, wer KI-Output einfach übernimmt, schneidet in Folgeaufgaben ohne KI schlechter ab. Und Lucas Bietti und Adrian Bangerter schreiben in “Writing is Thinking”, dass der extensive Einsatz von Sprachmodellen beim wissenschaftlichen Schreiben das kritische Denken von Forschenden gefährdet
Damit das gelingt, braucht es fünf Prinzipien: Du startest im Dialog, die KI liefert Fragen statt Fließtext, du bleibst am Steuer, KI-Feedback hilft – ersetzt aber nicht dein eigenes Lesen. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt marker.page.
Also entweder, du übst zusätzlich fleißig, um deine Schreib-Skills zu trainieren. Das ist für alle, die gerne Tagebuch schreiben oder etwa ein Buch (selbst) schreiben möchten, sicherlich eine gute Möglichkeit. Alle anderen müssen den Schreibprozess so anpassen, dass sie erstens keine Mittelmäßigkeit erzeugen UND ihre eigene Stimme und ihre Schreibfähigkeit behalten.
Das geht mit “betreutem Schreiben”. Und marker.page zeigt einige Möglichkeiten, das so zu gestalten, dass die KI dabei unterstützt – aber die Schreibenden den Prozess, den Inhalt und die Stimme behalten.
Der Schreibprozess
Nach langer Zeit hatte ich erstmals wieder dieses Leere-Blatt-Gefühl: Wenn du mit einem Artikel startest und vor dir ist nur ein leeres Dokument. Was ist das erste Wort? Was der erste Satz? Mit welchem Gedanken will ich starten? Das kennt schätzungsweise jede:r Autor:in. Und wir waren alle dankbar, dass uns die KI diese Verzweiflung nun erspart.
Allerdings bringt diese Verzweiflung auch eine gewisse Aktivierung der Fähigkeiten mit sich. Und ohne Aktivierung keine Spitzenleistung. Robert Bjork und Elizabeth Ligon Bjork nennen das Phänomen in ihrem Aufsatz “Making Things Hard on Yourself, But in a Good Way” “desirable difficulties” – wünschenswerte Erschwernisse. Ihre Forschung zeigt: Was sich im Moment mühsam und unangenehm anfühlt, verbessert langfristig Leistung und Erinnerungsvermögen. Genau das ist das leere Blatt vor dir. Dieses kurze Ringen um den ersten Satz ist unangenehm, aber genau deshalb produktiv – es zwingt dich, Gedanken zu ordnen, Prioritäten zu setzen und dich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wenn die KI dir diesen Moment abnimmt, nimmst du zwar die Abkürzung, verlierst aber genau die Erschwernis, die dich eigentlich besser macht.
Der Start
HALT! Du musst jetzt nicht aufhören zu lesen, weil du diese Verzweiflung überhaupt gar nicht vermisst.
Denn sie ist nur kurz zu spüren, wenn du den richtigen Weg in marker.page gegangen bist. Denn vor dem Schreiben gibt es einen so genannten “Workshop”. Das ist ein Interview, in dem dich die KI befragt. Und zwar nach Zielgruppe, Motivation und deinen Gedanken zum Thema. In diesem Sokratischen Interview steuert dich die KI nicht in Richtung Mittelmäßigkeit, sondern notiert, was dich und den Text besonders macht.

Sie formt das dann mit dir zusammen in eine Artikel-Struktur, die dir neben dem Text angezeigt wird.
Du startest also nicht bei null sondern nach einer guten Vorbereitung mit einem ersten Zwischenziel und deshalb wirst du zwar um das erste Wort, den ersten Satz ringen. Aber du wirst gut einsteigen. Versprochen.
Kleine Tools zur Unterstützung
Du hast also deine Struktur und einen Plan und beginnst zu schreiben. marker.page begleitet dich dabei mit verschiedenen kleinen Tools:
- Wenn du ein Wort mit Doppelklick markierst, schlägt er dir Alternativen vor. Ich war über die Treffsicherheit verblüfft – obwohl ich auf deutsch schreibe.
- Wenn du mitten im Text drei “x” schreibst, dann schlägt er dir das nächste Wort vor. Das kann entweder ein Name sein, der dir gerade nicht einfällt oder ein passendes Verb zum Abschluss eines Satzes.
- Neben jedem Absatz erscheint ein kleiner Kreis, der dir verschiedene Möglichkeiten zeigt, die dann jeweils in einen Chat zum Artikel und am Ende zu einem Vorschlag führen.
- Zu jeder Markierung kannst du einen Kommentar erfassen. Das wird vor allem beim Korrekturlesen hilfreich sein. Aber auch, wenn du dir vornimmst, noch etwas zu recherchieren und das nicht sofort machen möchtest.
Ansonsten bietet der Editor, was Editoren so können: grundlegende Formatierungen, Tabellen, Bilder, Dunkelmodus, Fokusmodus und so weiter. In der linken Seitenspalte gibt es neben dem (schon fast üblichen) Chat noch eine Materialsammlung (Bilder, Quellen, Notizen) und “Beobachtungen” mit einigen Insights zu deinem Text.
Eins noch: Es ist auch möglich, inhaltlich passende Dokumente einzubinden. Diese können als Quelle oder Fact-Check dienen. Diese können PDFs, Webseiten oder Seiten auf Google Docs, Notion oder Granola sein. Ich bin mir sicher, weitere Importe werden folgen.
Der Abschluss
Und dann hast du die erste Version geschrieben. Was nun? Meine Empfehlung sind – unabhängig vom Tool – drei Durchgänge:
- am Stück lesen (und kommentieren)
- eine Wortsparrunde (bei der alle unnötigen Wörter, Sätze und Informationen rausfliegen)
- laut lesen (um die letzten Stolperfallen zu finden)
Das ist ein zäher Abschluss, ich weiß. Deshalb bin ich marker.page auch nicht böse, dass hier im Chat eine Leserunde angeboten wird. Hierbei wird das Tool ein allgemeines Feedback geben und Kommentare dort hinterlassen, wo es sich lohnt. Das ist ein wenig wie das Gegenlesen von Kolleg:innen. Aber vielleicht etwas ehrlicher und detaillierter.

Natürlich, um das erwähnt zu haben: Es gibt zahlreiche Exporte. Was mir noch fehlt, ist ein Plugin für WordPress. Aber das wird sicher kommen.
So kann “betreutes Schreiben” funktionieren
Ich hätte das Tool nicht vorgestellt, wenn da nicht einige Ideen drin sind, die mir auf Anhieb gut gefallen haben. Da marker.page aktuell noch “beta” ist, kann das auch gar nicht direkt ausprobiert werden. (Ich habe noch ganz wenige Einladungs-Codes. Falls du also willst, melde dich bei [email protected])
Ich denke aber, dass auch mit anderen Tools ein “betreuter” Schreibprozess möglich ist. Zuerst fällt mir hierbei lex.page ein. Aber auch mit Claude direkt kannst du dir das zusammenbauen – wenn auch nicht so bequem und ausgefeilt.
Deshalb hier noch einma die fünf Punkte, die aus KI-Slop deinen Text machen:
- Du startest mit einem Chat über den Artikel.
- KI liefert Fragen statt Fließtext.
- Du bleibst immer am Steuerrad.
- Feedback von KI zum Text ist meist hilfreich…
- … ersetzt die eigenen Lesungen aber nur teilweise.


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