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Wer ein Buch schreiben will, sollte lesen

Ein Buch zu schreiben bedeutet, sich auf die Langstrecke zu begeben. Wenn du also schon lange selbst kein Buch mehr gelesen hast, überdenke dein Buchprojekt. Oder bestelle eines der hier empfohlenen Ratgeber übers Schreiben – denn dabei lernst du auf jeden Fall etwas.

buch lesen für Autoren
Wenn du mit deinem Werk demnächst hier, in der Bibliothek Stuttgart stehen willst, lohnt es sich vermutlich, einige Bücher selbst zu lesen.

Einen Roman schreiben

In meinen Seminaren sitzen immer wieder Teilnehmer:innen, die „nebenher“ einen Roman geschrieben haben – oder mittendrin stecken. Manchmal schon seit Jahren. Von diesen weiß ich dann zwei Dinge: Erstens, sie schreiben gerne – für manche ist es möglicherweise sogar eine Art Lebensziel. Zweitens sind das auch diejenigen, deren Texte bei den Schreibübungen fast immer sensationell sind. Falls du auch schon mit dem Gedanken gespielt hast, einen Roman zu schreiben, solltest du das unbedingt tun. Und wenn etwas Zeit übrig ist, dann lies ein wenig darüber.

James N. Frey: „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“

Ein lesenswertes Buch über das Schreiben von spannenden Krimis: Etwas hemdsärmelig – aber spannend und lebensnah – führt der US-Schriftsteller und Schreib-Lehrer durch die Welt des kreativen Schreibens. Frey verlangt vom Autor eine geradezu selbst-therapeutische Entwicklung und die Beschäftigung mit den dunkelsten Fantasien. Ein großartiger Lehrer, wenn es auch manchmal ein kleines bisschen weniger theatralisch sein dürfte. Wobei, eigentlich machen gerade die großen Gesten die Unterhaltung.

Jedenfalls sollte jeder zukünftige Romanautor seinen Frey nicht nur kaufen, sondern auch lesen! (Amazon-Link)

Sol Stein: „Aufzucht und Pflege eines Romans“

So richtig erinnere ich mich nicht mehr an die Lektüre des Buches. Das muss länger als 30 Jahre her sein. Im Gegensatz zu dem Ratgeber von James N. Frey ist die „Aufzucht und Pflege eines Romans“ langatmiger geschrieben – aber ich habe mehr mitgenommen. Wobei das natürlich auch daran liegen kann, dass es eines meiner ersten Roman-schreibe-Bücher war. (Amazon-Link)

Ein Buch schreiben (Belletristik oder Sachbuch)

Für ein Sachbuch braucht es vielleicht etwas weniger Fantasie – aber sprachlich und persönlich ist auch das eine der größten Herausforderungen deines Lebens. Deshalb buche keinen Kurs „In 7 Tagen einen Bestseller schreiben“, sondern mache dich auf viel Arbeit und eine sehr interessante Zeit mit dir selbst gefasst.

Stephen King: „Das Leben und das Schreiben: Memoiren“

Hat Stephen King jemals ein Sachbuch geschrieben? Ich kann mich nicht erinnern. Und auch dieses (Standard-)Werk über das Schreiben ist eher seine Geschichte als ein Sachbuch. Allerdings ist es die Geschichte eines talentierten Journalisten, der während seines prallen Lebens zu einem der erfolgreichsten Autoren der letzten Jahrzehnte wurde.

Deshalb möchte ich es auch Sachbuch-Autor:innen auf den Nachtisch legen. Denn King kann durchaus auch über Schreibblockaden, Grammatik und die Vermarktung schreiben.

Zugegeben, an manchen Stellen liest sich das etwas ausführlich. Aber er wäre nicht Stephen King, wenn es nur ein schmales Büchlein geworden wäre. (Amazon-Link)

Hans Peter Röntgen: „Vier Seiten für ein Halleluja“

Die Idee von Buchcoach Hans Peter Röntgen ist so einfach wie genial: Lektoren erkennen nach vier Seiten eines Manuskripts ob das Buch etwas taugt. Vier Seiten zeigen sprachliche Schwierigkeiten, einen lahmen Plot und ein blasses Personal. Und weil das so ist, geht der erfahrene Buchcoach mit seinen Lesern durch diese vier Seiten und trifft dabei auf alle wichtigen Themen, die dem möglichen Erfolg eines Buches im Wege stehen können.

Deshalb lohnt sich diese Lektüre auch für Autor:innen, die etwa im Selbstverlag und ohne Lektor:in veröffentlichen wollen. Letzteres ist übrigens keine schlaue Idee… (Amazon-Link)

Sol Stein: „Über das Schreiben“

Dieses Buch ist das eigentliche Hauptwerk von Sol Stein. Ich habe das – weil sich ein großer Teil der Tipps auch auf Sachbücher beziehen – hier einsortiert. Von Stein lernst du darin, wie ein Manuskript funktioniert, wie Dialoge spannend bleiben und wie man bei der täglichen Schreibarbeit bleibt. (Amazon-Link)

Über das Schreiben – allgemein

Auch, wenn bei einem Roman der Plot und bei einem Sachbuch das Konzept, wirst du beim Schreiben des Buches die meiste Zeit mit dem Formulieren von Sätzen verbringen. Stephen King wurde gefragt, wie er es denn schaffe, so dicke und erfolgreiche Bücher zu schreiben. Seine Antwort war „Satz für Satz“. Hier einige Ratgeber, die dabei helfen.

Andreas Eschbach: „Über das Schreiben“ (Online)

Vielleicht kann man der Webseite von Andreas Eschbach ansehen, was für Typen wirklich erfolgreiche Autoren sind. Diese Seite sieht ein bisschen aus, wie aus der Zeit gefallen – ich stelle mir gerade die Frage, ob er sie überhaupt noch pflegt. ABER: Die Informationen darauf sind großartig! Da hat einer über das Schreiben geschrieben, der es wirklich kann. Und der bereit ist, ehrlich und brutal zu arbeiten. Ob du nämlich wirklich selbstkritisch sein kannst, erfährst du zum Beispiel, wenn du dich mit einem deiner Texte durch die „10-Punkte-Überarbeitungs-Vorbereitung“ arbeitest. Halleluja!

Cal Newport: „Konzentriert arbeiten: Regeln für eine Welt voller Ablenkungen“

Was hat ein Ratgeber über konzentriertes Arbeiten hier zu suchen? Das lässt sich schnell erklären: Das Schreiben eines Buches ist wie das Bohren eines wirklich dicken Brettes. Und das vielleicht wichtigste Werkzeug, das du dafür benötigst, ist deine Konzentration – also die Fähigkeit, sich nicht ablenken zu lassen.

Cal Newport ist durch diese Fähigkeit zu einem sehr bekannten Wissenschaftler geworden UND hat nebenher noch Besteller-Sachbücher geschrieben. Es lohnt sich also, ihm beim Bohren über die Schulter zu schauen. (Amazon-Link)

Roy Peter Clark: „Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben: Handbuch für Autoren, Journalisten, Texter“

Eigentlich sind diese 50 „Werkzeuge“ teils ohnehin bekannt und, teils banal. Und doch: Als ich gerade noch mal durch die Inhaltsangabe geblättert habe – hat das zwei Stunden gedauert. Denn einiges musste ich unbedingt doch noch einmal nachlesen.

Und jetzt liegt das Buch auf meinem Nachttisch. Denn ich fühle mich ganz schlecht, da ich sehr viel davon in den vergangenen paar Jahren wieder vergessen habe. (Amazon-Link)

Fingerübungen für Autor:innen

Und schließlich gilt es dranzubleiben. Die täglichen Fingerübungen, mit denen du jeden Tag ein bisschen besser wirst.

Hanns-Josef Ortheil: „Schreiben dicht am Leben“

Ehrlich gesagt, ist dieses kleine Büchlein teils etwas pathetisch und irgendwie auch überflüssig. Aber für alle, die ich z.B. mit meinen Hinweisen zum Tagebuchschreiben nicht überzeugen konnte, täglich schnell mal was aufzuschreiben, ist es vielleicht genau der richtige Impuls. (Amazon-Link)

Wolf Schneider: „Deutsch für Profis“

In meinen Schreib-Seminaren habe ich aufgehört zu fragen, wer Wolf Schneider kennt. Denn es ist immer ein bisschen unangenehm zu sehen, dass es Autor:innen gibt, die dieses Buch NICHT gelesen haben. Denn „Deutsch für Profis“ ist DAS Standardwerk für alle, die schreiben müssen oder wollen. Und alle, die das schon gelesen haben, sollen prüfen, ob es nicht wieder Zeit ist, Schneiders Tiraden für gute Sprache zu lesen.

Bonus-Tipp: Es gibt von Wolf Schneider auch das Buch „Deutsch für junge Profis“. Die Empfehlung ist, dieses WEDER zu kaufen NOCH zu lesen. Bleibt beim Original. Bitte. (Amazon-Link)

Julia Cameron: „Der Weg des Künstlers“

Ich sage es ganz ausdrücklich: Ich bin kein Fan dieses Buchs. Aber es war für mich richtig wichtig. Darin geht es um das Wecken der Kreativität in dir. Für meinen Geschmack macht sie da ein bisschen zu viel esoterisches Gewese (sorry). Und doch sind ihre Übungen (die Morgenseiten und der Künstlertreff) zusammen mit dem konzentrierten Arbeiten (siehe oben) die wichtigsten Tools für alle kreativ Schaffende. (Amazon-Links)

Nur die besten Vorbilder lesen

Und natürlich prägt uns auch das, was wir selbst lesen. Wer wieder „Deutsch für Profis“ liest, wird schon durch die klare Sprache von Wolf Schneider wieder etwas „aufgegleist“. Allerdings lebt unsere Sprache auch von Metaphern, originellen Formulierungen und natürlich Satzmelodie. Deshalb ist das Lesen guter Bücher nicht nur ein Genuss, sondern eine gute Schule für gutes Schreiben. Hier einige Empfehlungen, ich freue mich auf Buchtipps von dir:

  • Donna Tartt – „Die geheime Geschichte“: Eigentlich kannst du jedes der sehr wenigen Bücher von Donna Tartt lesen. Sie schreibt große Kultur – aber auch spannend. Und sprachlich wirklich einzigartig klar. (Amazon-Link)
  • T.C. Boyle – „Sind wir nicht Menschen“: Ja, seine Romane habe ich geliebt, bis sie mir dann doch etwas zu langweilig wurden. Doch die Kurzgeschichten (nicht nur diese) bleiben für mich immer leckere Snacks. (Amazon-Link)
  • Harui Murakami – „Die Ermordung des Commendatore“: Murakami erzählt sehr langsam und sehr ruhig. Und er erzählt von Geschehnissen, die niemanden interessieren. Selbst, wenn man sie verstehen würde. Vielleicht ist es gerade das, was mich an ihm fasziniert. Diese beiden Bücher und auch „1Q84“ habe ich übrigens nicht gelesen, sondern via Audible gehört. Ein Genuß! (Amazon-Link)

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