Bitte Autoren: Zehn-Finger-Schreiben lernen!

Du sitzt den ganzen Tag am Computer – und beherrscht dein Handwerk nicht? Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenige Autoren und Profi-Schreiber ohne Zehnfingersystem schreiben. Schätzungweise 20-25 Prozent der professionellen Autoren (und diese meine ich), tippen mit dem Adler- oder einem eigenen System. Nehmt euch doch ein paar wenige Stunden Zeit mit einem (digitalen) Schreibtrainer und tut, was ihr bisher verpennt habt.

Vier bis fünf Stunden hartes Training – und dafür ein Leben lange kreativere Texte! Lerne mit zehn Fingern zu schreiben. (Foto: Kaitlyn Baker on Unsplash)

Es ist nämlich so: Wer besser, kreativer, klüger, informativer oder stilvoller schreiben lernen will muss mit zehn Fingern tippen! Eine Ausnahme: Wenn du mit ein paar Fingern schreibst, OHNE auf die Tastatur zu schauen, ist das im Prinzip auch egal. Aber das ist die absolute Ausnahme. Sobald ich in meinen Kursen die Teilnehmer auffordere, etwas zu schreiben, schauen sie nicht mehr auf den Bildschirm sondern auf ihre Hände! Das heißt, ein Teil ihrer Aufmerksamkeit wird damit beschäftigt, das „j“ oder das „z“ zu suchen. #seufz

Wieso investiert man einige hundert Euro und ein bis zwei Tage Lebenszeit in ein Seminar zum Thema „Professionell Online Texten“ und sucht auf der Tastatur nach dem großen „W“? Das ist in etwa so, als ob man einen Kurs in Business-Englisch belegt, aber beim Grundwortschatz noch einen Langenscheidt braucht.

Warum ist das 10-Finger-Schreiben so wichtig?

Ein ordentliches Tippsystem ist wichtig, weil es zum Werkzeugkoffer eines Autoren gehört! Punkt! Wenn du Auto fährst, dann kannst du doch auch nicht jedes mal darüber nachdenken, wo der zweite Gang ist. Oder?

Denken wir mal kurz über Kunst nach: Pablo Picasso übte sich jahrzehntelang im Malen von Stierkampfszenen und Landschaften. Erst, als er schließlich nicht nicht mehr über Farbe, Pinsel und Leinwand nachdenken musste, hatte er die Möglichkeit, wirkliche Kunst zu schaffen. Vielleicht willst du ja gar nicht „Kunst“ schaffen. Aber kreativ muss/willst du schon sein, wenn du schreibst. Und Kreativität fängt dann an, wenn dein Kopf frei von ermüdenden Aufgaben ist. Die Suche nach Buchstaben auf einer Tastatur gehört dazu.

Und das Schöne daran: Du brauchst nicht lange, um das zu lernen. Die paar Stunden Übungszeit holst du nach dem Schreibtraining schnell über die Zeitersparnis beim Tippen rein. Versprochen!

Finnische Forscher haben getestet, welche anderen Tipp-Konzepte es gibt und wie sich diese auswirken.

Finnische Forscher haben getestet, welche anderen Tipp-Konzepte es gibt und wie sich diese auf die Performance auswirken. Nun, letztendlich funktioniert doch wohl nur das Zehn-Finger-System.

Wir als Autoren haben drei Werkzeugkisten:

  • unsere Kreativität,
  • die sprachlichen Fähigkeiten mit Rechtschreibung und Grammatik und schließlich
  • die rein technische Tipparbeit.

Und wir arbeiten uns von unten nach oben: An unsere Kreativität kommen wir nur ran, wenn wir unser Hirn und unsere Seele nicht sinnlos beschäftigen. Unsere Artikel entstehen irgendwo im Kopf und das benötigt unsere volle Aufmerksamkeit. Genauso wenig, wie wir in einer fremden Sprache gut texten können, bringen wir unsere Gedanken ohne Zehn-Finger-System störungsfrei zu Papier.

Übrigens, am Rande: Diese Reihenfolge (Tipparbeit > sprachliche Fähigkeiten > Kreativität) können wir auch ein bisschen damit optimieren, dass wir halbwegs richtig schreiben – und alle Fehler NACH Fertigstellung des Artikels korrigieren. Dann haben wir noch etwas mehr „Raum“ für unsere Kreativität. 

Also: Nimm dir ein paar Stunden und lerne das Zehnfingersystem!

Eine von vielen kostenlosen Schreibtrainer-Webseiten: http://de4.schreibtrainer.com/

Eine von vielen kostenlosen Schreibtrainer-Webseiten: http://de4.schreibtrainer.com/

Am einfachsten geht das so: Nimm dir über einige Tage verteilt die 4-5Stunden Zeit und quäle dich durch einen Schreibtrainer. Schon die kostenlosen Programme (siehe rechts) sind ausreichend. Du findest davon massenhaft via Google-Suche. Ich glaube, der Unterschied zu den teureren ist nicht sonderlich groß. Wer es etwas didaktischer und gefälliger haben will, kann sich auch ein Programm kaufen. Allerdings wird der Lernvorgang dadurch nicht viel schneller und weniger nervenaufreibend sein. Denn das allerwichtigste ist:

  1. Üben, üben üben
  2. Und danach dranbleiben, bis es sich automatisiert hat.

Ich weiß noch, wie sehr es mich beim Schreiben gequält hat, bis ich endlich nicht mehr in mein bisheriges Zweifinger-System geflüchtet bin. Das war wirklich eine Qual – aber eine kurze. Wenn du JETZT damit beginnst, kannst du in zwei Wochen entspannt mit allen Fingern tippen – und kannst von da an täglich schneller werden. Und du wirst spüren, wie sich deine Kreativität entwickelt.

Versuche es vielleicht gleich jetzt: Setze die beiden Zeigefinger auf das F und das J und tippe diese beiden Buchstaben abwechselnd. Dann wechsle mit den Ringfingern auf D und K. Tippe erst diese und dann alle vier Buchstaben. Und so weiter. In der Übersicht sieht das so au:

  • Kleiner Finger links: Q A Y < 1 2 ^
  • Ringfinger links: W S X 3
  • Mittelfinger links: E D C 4
  • Zeigefinger links: R F V T G B 5 6
  • Daumen links: Leertaste
  • Kleiner Finger rechts: P Ö – Ü Ä ß ´ + #
  • Ringfinger rechts: O L . 0
  • Mittelfinger rechts: I K , 9
  • Zeigefinger rechts: Z H N U J M 7 8
  • Daumen rechts: Leertaste

Ich selbst tue mir mit den Ziffern schwer. Aber zum Glück schreibt man Zahlen unter zwölf mit Buchstaben aus 😉

Vielleicht verschiebst du diese Tipp-Übungen ja auch in deine Urlaubszeit – denn dann musst du nicht zwischen beruflicher Tipperei und den kleinen Lernfortschritten hin und her wechseln und kannst danach anfangen, wirklich alles mit zehn Fingern zu schreiben. Das ist übrigens auch quälender Moment. Aber glaube mir: Dann hast du es schon so gut wie geschafft!

Danach können wir hier weiter machen. 😉

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