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Contentman > 7 Schritte, die wir nicht überspringen sollten

Texte garantiert besser schreiben

  • 7 min read

Ich neige nicht zu Übertreibungen. Deshalb habe ich das „garantiert“ in der Headline mehrfach ein- und dann wieder ausgebaut. Aber selbst ich muss zugeben, dass es da hingehört. Denn nach diesem Artikel wirst du garantiert bessere Texte schreiben können. Ob du es denn auch tust, ist dann deine Sache. 

garantiert bessere Texte schreiben
Mir ist einfach kein sinnvolles Bild dafür eingefallen. Deshalb eines ein tolles Foto von Jaanus Jagomägi auf Unsplash.

Tipps auf der Basis des Golden Circle

Als ich die Idee zu diesem Artikel hatte, dachte ich nur an eine Liste der Arbeiten, die für Texter:innen notwendig sind – die leider oft übersprungen werden. Das liest du weiter unten. 

Golden Circle für Texter
Drei Kreise, die mir immer wieder begegnen: Why, How, What.

Und dann kam mir wieder er Golden Circle in den Sinn. Du kennst vielleicht das Video von Simon Sinek? Oder du hast schon woanders darüber gehört? Für mich sind die drei Fragen nach dem „What“, „How“ und „Why“ zu einem wiederkehrenden Thema in ganz vielen Bereichen meines (Arbeits-)Lebens geworden. 

Falls dir diese Fragen etwas sagen, wirst du die Freude meiner Erkenntnis verstehen: Zwar ist das „Why“ eines Textes das Wichtigste und sowohl Journalist:innen wie auch Online Marketer:innen arbeiten immer mehr daran. Doch danach geht es ihnen meist nur noch um das „What“ – also das Ergebnis. Dabei vergessen sie, dass das Ergebnis immer von dem „How“ abhängt. Es ist wie in der Goldschmiedekunst: Damit ein Ring entstehen kann, muss erst die Legierung hergestellt werden, dann bekommt er die richtige Form und erst dann wird er entgratet und veredelt. Wer einen Ring schmiedet, würde niemals mit dem entgraten beginnen. 

So ist das mit Texten auch. 

Was ist wichtig für gute Texte?

Doch noch ein Schritt zurück zum „What“: Ein guter Text hat angemessenen Inhalt, ist in klarer Sprache verfasst und hinterlässt bei Lesenden das Gefühl, etwas gelernt zu haben – oder sich zumindest gut unterhalten zu haben. 

Was das konkret bedeutet, kann sehr unterschiedlich sein. Nimm dir bitte ein paar Minuten Zeit und notiere, welche Elemente deiner Erfahrung nach ein guter Text enthält. Oder, was du von einem guten Text erwartest, wenn du ihn liest. Vermutlich werden einige der folgenden Punkte in deiner Liste auftauchen: 

  • verständliche Sprache
  • passende Wortwahl
  • gute Aufteilung in Abschnitte, Absätze und Sätze
  • neue Einsichten
  • unterhaltsame Elemente
  • flüssiger Satzbau
  • logischer Aufbau 
  • u.s.w.

Je nach Stilform sind die Kriterien unterschiedlich, die deinen Text zu einem guten Artikel machen. Wenn du einen Blogbeitrag über die Schönheit von Schmetterlingen schreibst, folgt dieser andren Kriterien als der Produkttext auf der Webseite eines Schraubenherstellers. Das ist natürlich so und gute Textarbeit ist deshalb immer eine „Einzelfallentscheidung“. Ich werde demnächst in einem Beitrag erläutern, wie die Herangehensweise an dieses „WAS“ ist. 

Doch ebenso wie Goldschmied:innen Ihre Arbeiten in der richtigen Reihenfolge erledigen, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erhalten, ist für Autor:innen das „WIE“ untrennbar mit der Qualität ihrer Arbeit verbunden – um das es hier gehen soll. 

Was du für einen guten Text tun musst

In meinen Seminaren lasse ich alle Teilnehmer:innen alle Tätigkeiten aufzählen, die zur Erstellung eines Artikels notwendig sind. Die Punkte lassen sich dann immer – zusammengefasst – in folgende Schritte einteilen: 

Konzept

  • Idee
  • Ziel / Zielgruppe 
  • Kanäle
  • formale Vorgaben

Planung 

  • Recherche
  • Kernbotschaft entwickeln
  • notwendige Schritte
  • Medien

Kreation

  • Gliederung erstellen
  • Schreiben
  • Redigieren
  • Strukturtexte formulieren
  • Korrektur

Produktion

  • Freigaben
  • Herstellung im CMS
  • Meta-Angaben
  • Analyse vorbereiten
  • Verlinkung / Sharing

Ob du diese Punkte bewusst erledigst oder nicht, tut zunächst nichts zur Sache – denn alle werden ohnehin erledigt. Wenn du nicht bewusst darüber nachdenkst, wer deine Zielgruppe ist, überlässt du diesen Schritt dem Zufall. Wenn du keine Kernbotschaft entwickelst, wird diese unpräzise sein und die Leser:innen kaum fesseln. Und falls du nicht ausreichend recherchierst, läufst du Gefahr nur das zu schreiben was du ohnehin immer schreibst und alle schon wissen.

Es lohnt sich also, alle Schritte bewusst und angemessen sorgfältig zu gehen. Ich weiß, dass wir Autor:innen das nicht immer tun. Ich auch nicht. Und ich habe oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal wieder keine Gliederung erstelle. Und meist führt das dann dazu, dass ich unangemessen lange redigieren muss – weil die inhaltliche Verwirrung im Text mangels Gliederung groß ist. 

Doch sei’s drum. Wir sind nicht perfekt. Und genau da setze ich mit diesem Artikel an. Denn wir lassen häufig einige Schritte aus – wegen Faulheit oder aus Unwissenheit. Doch wenn wir diese Lücken schließen, können wir uns absolut sicher sein, dass unsere Texte gewinnen. Deshalb habe ich mich getraut, das „garantiert“ in die Überschrift zu schreiben. Packen wir es an. 

Wie du deine Texte besser machst

Wisse, was du schreiben willst. Sorge für die notwendigen Informationen. Schreibe diese auf und arbeite danach so lange am Ergebnis, bis es gut ist. So könnte man die Autor:innen-Arbeit zusammenfassen. Im Folgenden die meiner Erfahrung nach häufigsten Abkürzungen beim Texten – die wir uns nicht erlauben sollten: 

1. SCHRITTWEISES VORGEHEN

Scrolle noch einmal nach oben zum Ablauf. Darin habe ich vier große und viele kleine Schritte beschrieben. Nun: Die Qualität deines Textes hängt davon ab, dass du die vier großen Schritte Konzept, Planung, Kreation und Produktion nicht durcheinander bringst. Ob du dann die Freigabe nach dem Bau ins CMS oder das Schreiben der Headline nach der Korrektur machst, ist nicht mehr so wichtig. Arbeite dich also systematisch durch die großen Schritte – und sei bei den kleinen großzügig. 

3. BAUE EINE GLIEDERUNG

Bei einer kurzen News ist die Gliederung des Textes so einfach, dass du nicht darüber nachdenken musst. Doch selbst ein Twitter-Posting gewinnt durch die richtige Reihenfolge der Wörter und der Aussagen. Jeder (!) Ratgeber- oder Produkt-Text natürlich noch viel mehr. Nur, wenn die Informationen in einer richtigen Reihenfolge portioniert werden, ist das Ganze verständlich. 

Ob du deine Gliederung nun in einer MindMap baust, oder in Word mit der Überschrift-Funktion ist egal. Hauptsache, du tust es. 

4. FORMULIERE EINE KERNBOTSCHAFT

Viele Autor:innen formulieren eine Arbeits-Überschrift oder einen Arbeits-Vorspann. Ich formuliere eine Kernbotschaft. Das Ergebnis ist allerdings identisch: Es geht in dieser Vorbereitung darum, sich selbst zu erarbeiten, was die Lesenden „mitnehmen“ können. Was schreiben sie ihren Follower:innen, wenn sie den Inhalt teilen? 

Nur, wenn die Kernbotschaft teilenswert ist, wirst du einen guten Text schreiben. 

5. SCHREIBE ABLENKUNGSFREI

Es ist fast unmöglich, sich nicht ablenken zu lassen. Sei es, weil du im Großraumbüro arbeitest oder weil ein Insta-Account ständig neue Kommentare in dein Leben spült. Und trotzdem: Während du schreibst, musst du alle Ablenkungen vermeiden. Ich brauche dir ja nicht erklären, wie du das tun kannst. Wir sind ja erwachsene Menschen. Ich kann dir aber sagen, dass das „Schreiben“ so komplex und schwierig ist, dass jede einzelne Ablenkung die Qualität, das Ergebnis reduziert. 

Vielleicht musst du wieder lernen, mal eine Stunde wirklich unabgelenkt am Notebook zu sitzen und zu schreiben. Wenn das der Fall ist, lerne es! Und kannst du dir sicher sein, dass dieses Learning die Qualität des Ergebnisses auf eine völlig neue Stufe heben wird. Und: Dass es – mit etwas Übung – einen riesigen Spaß macht, unabgelenkt und konzentriert zu arbeiten. Das nennt sich dann „Flow“. 

6. NIMM DIR ZEIT FÜR DIE REDIGATUR

Ein Text, der im Flow entstanden ist, steckt voller Fehler und Ungenauigkeiten. Wie übrigens jede andere erste Textfassung auch. Erster Vorschlag: Versuche nicht, diese Fehler während des Schreibens zu korrigieren, sondern nimm dir lieber noch einmal mindestens so viel Zeit, um den Artikel zu redigieren. Hier, in welcher Reihenfolge du das tun kannst: 

  1. Einmal darüber schlafen (oder zumindest Zeit verstreichen lassen)
  2. Schnell lesen: Ist der Ablauf logisch und alles drin?
  3. Was kann raus? Suche nach überflüssigen Wörtern und unnötigen Informationen. 
  4. Stilistische Überarbeitung: Noch weiter kürzen, Wortwahl überprüfen, Länge von Sätzen und Absätzen überdenken u.s.w..
  5. Korrektur: Letzte Runde auf der Jagd nach Fehlern. 
  6. Strukturtexte überarbeiten: passen Headline, Zwischenheadlines, Vorspann, Fazit noch? 

7. BETRIEBSBLINDHEIT ÜBERWINDEN

In einer professionellen Redaktion gibt es immer (!) das 4-Augen-Prinzip. Kein Text geht raus, den nicht jemand gegengelesen hat. Falls du alleine bloggst und einfach niemanden dafür hast (so geht es mir hier im Blog auch) – dann schlafe einmal drüber und lies noch einmal alles. Und plane ein, dass du danach schon wieder Arbeit mit dem Artikel haben wirst. 

Ist das nicht viel zu viel Arbeit?

Nein. Es sei denn, dir ist die Qualität deiner Texte egal.

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