Wer rechnet denn schon damit, dass es so etwas wie „Slow Writing“ schon gibt? Jedenfalls hatte ich diesen Begriff verwendet – und dann erst gemerkt, dass dieser Name schon mit Ideen „gefüllt“ ist. Und zwar mit ziemlich schlauen Ideen.

Slow, slow writing
Den Stil und die Kreativität üben – mit Slow Writing (Foto von Pascal van de Vendel auf Unsplash)

Schreibe, was dir durch den Kopf geht – aber langsam. Schreibe Wort für Wort, schreibe langsamer als du es eigentlich ertragen kannst.

Das ist ein bisschen wie das Stille Sitzen in der Meditation: quälend. Und deshalb wird es häufig nach wenigen Tagen abgebrochen. Deshalb lohnt es sich, eine Zusatzaufgabe einzubauen:

Schreibe sehr, sehr schön. Jeder Buchstabe entsteht in einem ruhigen Schwung und verbindet sich mit seinen Nachbarn zu eleganten, wie gestochenen Wörtern. Bleibe jederzeit auf der Linie und versuche nach und nach die Buchstaben mit Schnörkeln zu zu verschönen. Wenn du soweit bist, nimm Farben hinzu oder male kleine Bilder oder Icons dazu.

Das reizt mehr Sinne und hat einen ähnlichen Effekt. Wer mal einen Blick ins „Rote Buch“ von C.G. Jung geworfen hat, weiß auch, warum ich das vorschlage. In diesem überdimensionierten Tagebuch hat der große Psychologe seine Träume und seine Verzweiflung verarbeitet – ich würde sagen mit „schreibender Achtsamkeit“.

Wenn du nun Lust hat, hau rein!

Was ist „Slow Writing“ wirklich?

Der Begriff wurde schon 2008 von David Didau verwendet: Er beschreibt damit eine schöne Übung für Schreibschüler, die Kreatives Schreiben lernen möchten. Hierbei wird über ein vorgegebenes Thema geschrieben und zwar mit exakt definierten Anweisungen für jeden einzelnen Satz. Das kann etwa sein, dass der erste Satz mit einem Adverb starten soll, der zweite nur drei Wörter lang sein darf und der dritte ein Smiley enthalten muss. Das klingt mechanistisch, ist aber tatsächlich eine gute Schulung für Schreib-Einsteiger, die normalerweise mehr darüber nachdenken WAS sie schreiben, als das WIE sie schreiben. Doch das ist in einem professionellen Umfeld nun mal wichtig.

So könnten die Anweisungen aussehen:

Schreibe über Thema xy

  • Der erste Satz muss mit einem Verb in der Gegenwart starten.
  • Der zweite Satz darf nur drei Wörter lang sein.
  • Der dritte Satz muss ein Semicolon enthalten.
  • Der vierte Satz soll eine rhetorische Frage enthalten.
  • Der fünfte Satz muss mit einem Adverb starten
  • Der sechste Satz muss exakt 22 Wörter enthalten.

Das klingt schwer? Ist es auch. Doch du kannst dir vorstellen, was dabei alles gelernt wird.

Slow Writing Vol 2

Vier Jahre später beschrieb Didau – fast schon überrascht – welche positiven Effekte er beobachten konnte. Und dass sich diese Übung auch auf die Kreativität auswirkt. Je, nachdem, wie die Anweisungen lauten. Denn wenn er inhaltliche Anweisungen gibt, müssen die Schreibschüler ja inhaltlich die Wörter und den Inhalt durchdenken:

Schreibe fünf Regeln für gute Texte:

  • Der erste Satz startet mit „Aus Nutzersicht…“
  • Der zweite Satz enthält das Wort „Google“.
  • Der dritte Satz beginnt mit einer rhetorischen Frage.
  • Der vierte Satz ist höchstens vier Wörter lang.
  • Der fünfte Satz beginnt mit dem Wort „Zugegeben…“

Das wird dich garantiert ins inhaltliche (und formale) Denken zwingen. Versuche es einmal.

Achtsames Slow Writing

Auf dieser Basis habe ich natürlich auch „Achtsames Slow Writing“ entwickelt. Und das geht so:

Schreibe über deine Wahrnehmung jetzt in diesem Moment.

  • Der erste Satz beginnt mit „In mir“.
  • Der zweite Satz ist eine Lebens-Frage.
  • Der dritte Satz enthält drei Adjektive.
  • Der vierte Satz besteht aus nur drei Wörtern.
  • Der fünfte Satz enthält eine Aufzählung.
  • Der sechste Satz enthält ein Zitat.

Slow, nicht entspannt Schreiben

Ganz klar ist das Slow Writing überhaupt nicht entspannend. Darum geht es aber auch gar nicht. Selbst beim achtsamen Slow Writing steht der Lerneffekt im Vordergrund – der aber durch die Langsamkeit überhaupt erreicht wird. Falls dir das zu anstrengend ist, findest du hier 30 andere Übungen fürs Kreative Schreiben.

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