Das Führen eines Bullet Journal ist mehr eine “Haltung” als ein Tagebuch. Die Idee dazu kommt von Ryder Carroll – doch er macht darin keine Vorschriften oder Regeln, sondern liefert einen Werkzeugkasten zur Organisation des persönlichen Lebens.

Bullet Journal als Weg
Ich würde sagen, mit einem Bullet Journal hast du einen einfacheren Weg durchs Leben… (Foto von by Patrick Fore auf Unsplash)

Nach vielen Arten von Tagebüchern, bin ich – derzeit – bei einem Bullet Journal gelandet. Das ist eine geniale Methode, nicht nur seine täglichen Aufzeichnungen zu organisieren – sondern das ganze Leben. Und hier erkläre ich, wie das geht. 

Was ist ein Bullet Journal?

Es ist im Grunde ein Tagebuch oder ein Journal. Nur etwas strukturierter. Oder eigentlich weniger strukturiert. Das zu erklären ist ein wenig kompliziert. Vielleicht willst du seinen Ted-Talk dazu hören – der erklärt einiges:

Allerdings ist die Geschichte auch schnell erzählt: Ryder Carroll (was ein Name, oder?) hatte in der Schulde so etwas wie ADHS und konnte sich nur schwer konzentrieren. Wie viele ADHS-Jugendliche war er aber gleichzeitig sehr schlau und das half ihm, eine Methode selbst zu entwickeln, seine Gedanken, seine Aufgaben und die Entscheidungen zu organisieren. 

Und tatsächlich hat er der Welt diese selbstentwickelte „Bullet Journal Methode“ geschenkt und diese in seinem Buch ausführlich beschrieben. Wer es also genau wissen will, kann das Buch kaufen und ihm damit auch „Danke“ sagen. Ich persönlich muss zugeben, dass ich viele Seiten überblättert habe, weil das schon ein sehr, äh, amerikanisches Buch ist. Ich frage mich da immer, wie viel Zeit die mit Stories und Überzeugungsarbeit verbringen – obwohl ein ordentliches HowTo doch eigentlich genügen würde. Aber das ist halt meine Meinung. 

Jedenfalls ist sein Buch ein Bestseller und selbst die deutsche Facebook-Community ist echt groß und aktiv. Einige der Postings dort irritieren mich zwar auch (wer betreibt denn so einen Aufwand?) – aber ich schaue dort wirklich gerne vorbei. 

Wieso wirkt die Bullet Journal Methode?

Es gibt einige Ideen, die ein Bullet Journal zu einem wichtigen Begleiter durch den Alltag machen. Hier einige Highlights aus meiner Praxis, bevor ich auf die eigentlichen „Regeln“ komme: 

  • Ein Bullet Journal bringt dich „offline“. So, wie ich das Schreiben mit Stift und Papier für wichtig erachte, ist es meiner Ansicht nach eine gute Idee, die tiefe Organisation des Lebens keinen Bits anzuvertrauen. Natürlich habe ich meinen Kalender nur noch digital und selbstverständlich ist mein E-Mail-Postfach so etwas wie meine To-Do-Liste. Wenn ich aber nach Orientierung suche, dann tue ich das mit einem Stift in der Hand. Vielleicht gerade, weil mein Leben ansonsten digital verläuft. 
  • Das Bullet Journal ist eine geniale Möglichkeit, bleibende Gedanken zu behalten und mit den flüchtigen Terminen, den Gefühlen und Gedanken, die im Laufe eines Tages für uns wichtig sind, zu verbinden. 
  • Ein wichtiger Bestandteil meines Bullet Journals ist die Rückschau geworden: Beim Zurückblättern der vergangenen Tage kann ich mich an Gedanken und Erfahrungen erinnern, die ansonsten verloren wären. Und das sind manchmal die besten. 

Wie funktioniert die Bullet Journal Methode?

Hier die – einfach formulierten – Module, die so ein Bullet Journal enthält. Wie du genau damit anfängst, beschreibe ich im nächsten Kapitel. Hier erst einmal die, nun, „Formalien“. Und die funktionieren – meiner Erfahrung – nur, wenn du sie nicht wortgetreu umsetze. Aber siehe selbst: 

Wochenplan
Wie gesagt: Ich arbeite mit einer Wochen- und nicht mit einer Monatsübersicht. Nun, das ist wohl eine ruhige Woche 😉
  • Der Index: Auf den ersten zwei oder vier Doppelseiten legst du einen Index für deine „besonderen“ Gedanken und Aufschriebe an. Listen, die du weiterführen möchtest. Oder geniale Gedankenblitze, die unbedingt aufgeschrieben werden müssen. Denn der Trick bei einem Bullet Journal ist: Du nummerierst, alle Seiten von Hand durch. Und wenn dir etwas für die Zukunft wichtig erscheint, dann trägst du dessen Seitenzahl in den Index ein. Klingt einfach, aber braucht eine Menge Disziplin. 
  • Future Log: Es gibt langfristige Termine. Und die trägst du in diesen Future Log ein. So ein Bullet Journal ist nach ein paar Monaten voll. Deshalb lohnt es sich vielleicht nicht, die Termine des ganzen nächsten Jahres einzutragen. Aber vielleicht doch. Um ehrlich zu sein: Ich habe meine langfristigen Termine digital – und deshalb KEINEN Future Log. Aber verratet mich nicht 😉
  • Die Monatsübersicht (oder, bei mir die Wochenübersicht): Jetzt wird es konkreter. Hier trägst du pro Tag etwa in einer Zeile ein, was du vorhast. Du merkst: Es ist notwendig, dass du dich mit der Zukunft beschäftigst. Im Facebook-Forum habe ich genial gestaltete Monatsübersichten gesehen, denen anzusehen ist, dass sie mehrere genussvolle Planungsstunden benötigt haben. Und ich beneide die Macher davon ein wenig. Ich, und ich will ja ehrlich sein, mache das nicht. Ich mache Wochenübersichten. Am Sonntag nehme ich mir 20 bis 30 Minuten Zeit, um die kommende Woche zu planen. Und das fühlt sich großartig an! Seitdem ist mein Montags-Blues fast verschwunden. 
tagesansicht
Hier auch ein ruhiger Tag. Und wie du siehst, führe ich mein Bullet Journal sehr “prosaisch”. Das sollte dich aber nicht von vielen Farben und Ideen abhalten.
  • Die Tagesübersicht: Nun wird es engmaschiger. Je nach Bedarf planst du nun deinen Tag am Vorabend und/oder im Laufe des Tages. Die Tagesansicht ist ein guter Grund, das Bullet-Journal hin und wieder zur Hand zu nehmen. Und auch nicht nur Termine einzutragen – sondern diese auch abzuhaken und gute Ideen oder Gedanken dazu aufzuschreiben. Denn wenn du wirklich dein Journal liebst und betreibst, wirst du hin und wieder auch mal rückwärts blättern und die letzten Tage durchschauen. Und du wirst überrascht sein, welche klugen Ideen dich dann wieder begrüßen und wie gut sich das anfühlt. 
Planung mit dem Bullet Journal
Versuche es gar nicht: Das kann nicht einmal mehr ich lesen. Aber so habe ich ein ganzes Kreativ-Seminar geplant. 😉
  • Freie Themen: Ich nenne das mal so. Denn für mich hat das Bullet Journal einen ganz besonderen Nutzen erhalten. Wenn ich etwa in einem Hörbuch eine gute Idee gehört habe und dazu etwas aufschreiben will, schreibe ich das in mein Buch. Und auch die Vorbereitung zu einem neuen Seminar mache ich darin. Ich schreibe, kritzle und notiere darin also ganz frei herum. Manchmal nehme ich mir auch ein paar Seiten, um Automatisch zu schreiben. Und danach trage ich diese Sonderdinge in den Index mit Seitenzahl ein – damit ich sie wieder finde. Auf diese Weise sammelt sich darin all das Wissen, das ich nicht digital ablegen will. 
symbole im bullet journal
In meinem Bullet Journal von “A Good Company” gibt es auf der ersten Seite eine Übersicht der Symbole.

Alle Einträge werden dann übrigens nach einer von Ryder Carroll entwickelten Methode unterschiedlich markiert. Und du kannst und solltest dir auch deine eigenen Kennzeichnungen ausdenken. Die klassischen Kennzeichnungen sind etwa für „Task“, „Notiz“, „Event“ und so weiter. Ich verwende regelmäßig Markierungen für Sport und Meditation und habe mir auch einen Farbcode für Beruf und Freizeit überlegt. Allerdings ist das noch etwas unausgegoren 😉

Das klingt alles ganz schön aufwändig und kompliziert. Ist es aber gar nicht. Es gibt allerdings einige Momente im Laufe der Tage und des Tages, an denen es gut ist, wenn dein Bullet Journal in der Nähe ist und du dich damit beschäftigst. Dazu im nächsten Kapitel. 

Wie fange ich ein Bullet Journal an?

Ich habe mir ernsthaft schon das zweite Bullet Journal bei „A Good Company” Das ist mit knapp 50 Euro eigentlich viel zu teuer, das gönne ich mir aber. Denn die Blätter bestehen aus Steinpapier, fühlen sich sensationell an, sind wasserfest und das Ganze ist klimaneutral. Ich liebe es einfach, mit einem schönen Stift auf tollem Papier zu schreiben. 

ABER! 

Wenn du mit einem Bullet Journal beginnst, empfehle ich dir ein beliebiges Din-A 5 Heft. Denn du wirst dich zunächst in die Mechanik einfinden müssen – und nach vielleicht einem Monat erst entscheiden, ob das etwas für dich ist und dann gerne wieder frisch anfangen um einige Fehler. nicht mehr zu machen. 

Also: Lege Heft und Stift bereit und beginne vielleicht so: 

  1. Wenn in deinem Heft die Markierungen stehen, dann zeichne diese auf die erste Seite. 
  2. Beginne auf der ersten Doppelseite mit einem Index – der vorerst leer ist. 
  3. Nun bist du vermutlich schon auf Seite 6 wenn man den Umschlag mitrechnet. Nummeriere ruhig noch einige Tage durch. 
  4. Wenn du startest, plane doch erst einmal die nächste Woche. Trage die Termine ein und mach eine Liste der Tasks, die erledigt werden müssen. So mache ich das jedenfalls. Vielleicht läuft das bei dir anders. 
  5. Dann beginne eine Tagesansicht, über die du das Datum und den Wochentag des nächsten Tages schreibst und überlege, was du da alles tun willst. Wichtig: Es geht hier nicht nur um deinen Job! Es geht um dein Leben. 
  6. Ab dem nächsten Morgen lässt du dein Bullet Journal nicht aus den Augen. Daran wirst du dich erst gewöhnen müssen. Aber bald wird das zur Gewohnheit. 
  7. Ist dann die erste Woche vorbei, wird es Zeit, ein gedankliches Resümee zu ziehen. Gehe die letzten Tage durch, schau, was übrig geblieben ist und was du in die nächste Woche migrieren willst (oder musst). 
  8. Dann plane die nächste Woche wie bei 4. 

Und, ganz wichtig: Halte dich an nichts! Mache es genau so, wie du es möchtest. Nur, wenn dein Bullet Journal zu deinem besten Freund wird, kann es dich nun begleiten. Aber dann wird es dir ein Teil deines Lebens „retten“. 

Tracker und andere Erweiterungen

Da du dein Bullet Journal immer bei dir trägst, kann es dir übrigens noch viel mehr helfen, als „nur“ den Alltag zu organisieren. Wer gerne malt, wird das darin wieder häufiger tun. Wer Gedichte schreibt auch. Und wenn du mal jemandem etwas erklärst und das dort hinein malst, hast du dir diesen Gedanken auch für immer gesichert. 

Sehr beliebt sind auch die „Tracker“: Etwa in einem Mood-Tracker notieren manche ihre jeweils aktuelle Stimmung mit entsprechender Farbe und sehen dann auf einen Blick, wie der Monat gelaufen ist. Ich notiere mir, wann ich Sport gemacht und Meditiert habe. Das motiviert ungemein. Dir wird sicher auch etwas dazu einfallen. 

Und wenn nicht, ist Pinterest dafür mal eine wirklich gute Quelle.

Inspirationen auf Pinterest 

Gibt es Bullet Journal Apps?

Das könnte sein. Es gibt sogar eine offizielle als Begleiter. Aber ich finde, das macht keinen Sinn. Bleibe doch bitte einfach mal dafür offline…

Was noch zu sagen bleibt…

Probiere es. Aber nur dann, wenn du nicht eh Tagebuch schreibst oder ein anderes Journal führst. Dann klaue dir einfach ein paar Ideen aus der Bullet Journal Methode und genieße es. 

Und alles, was ich jetzt noch nicht geschrieben habe, werde ich gerne ergänzen, wenn ich einen Hinweis darauf bekomme.