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Die Gliederung: der digitale rote Faden

4.3
(12)

Einleitung, Hauptteil, Schluss: Die Gliederung eines Dramas gilt – vereinfacht – auch für digitale Inhalte. Naja, vermutlich gilt das für alles. Webseiten und Newsletter benötigen allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit für die Gliederung.

kurz zusammengefasst …

Dieser Artikel beschreibt drei Ansätze für eine digitale Gliederung von digitalen Artikeln: den Problem-Lösungs-Ansatz, den überzeugenden Ansatz und die modulare Kapitel-Gliederung. Jeder Ansatz hat Vor- und Nachteile, aber alle sollten eine klare Struktur und Benutzerfreundlichkeit bieten. Mir gefällt der modulare Ansatz am besten. Der Artikel gibt am Ende Tipps zur Anpassung der Gliederung für LinkedIn-Beiträge.

Gliederung von Texten
Hier kommt jede Gliederung zu spät. (Foto: Eric)

Erst planen, dann schreiben

Eine wichtige Erinnerung an den Schreib-Workflow: Bevor wir mit dem Schreiben starten, sollen wir den Text ausreichend geplant haben. Denn während wir später konzentriert an Gedanken und Sätzen basteln, verlieren wir immer wieder den Blick für das Ganze. Und dann gerät der roten Faden in Gefahr, zerrissen zu werden. Also muss er vorher zurechtgelegt und für uns Autor:innen immer sichtbar sein.

Und genau das ist die Aufgabe der Gliederung: Einen roten Faden zurechtlegen, an dem wir im Schreibprozess arbeiten können. Vielleicht sogar in umgekehrter oder anderer Reihenfolge. Wenn eine gute Gliederung vorliegt, ist es nicht mehr nötig, von vorn nach hinten durchzuschreiben. Und das kann Vorteile haben.

Diese gilt natürlich nur für den Beginn. Falls dir im Schreibprozess bessere Ideen oder gar am Ende ein andersfarbiger Faden schlauer erscheinen, darfst du alles ändern. Wenn das aber nicht der Fall ist, fokussierst du dank Gliederung deine Aufmerksamkeit auf den komplexen Schreibprozess.

f… Einstieg, Hauptteil, Ende

Bevor ich nun wieder in meine bewährte Art der Gliederung einsteige (ich schätze, wir alle haben da unsere Präferenzen), ein wichtiger Hinweis: Es gibt eben NICHT die eine richtige Gliederung. Wie bei nahezu allem im Leben kommt es auf den Einzelfall an. Deshalb schlage ich auch drei mögliche Arten der Gliederung vor – von denen ich allerdings nur eine genauer beschreibe.

Der Grund dafür ist: Der genauer beschriebene Baukasten ist meiner Ansicht nach der beste, einfachste und flexibelste rote Faden, den du legen kannst. Er beinhaltet nämlich ein entscheidendes Merkmal von digitaler Kommunikation: die Nicht-Serialität.

Vor allem bei längeren Artikeln auf Webseiten können wir uns nämlich nicht sicher sein, dass unsere Leser:innen am motivierenden Anfang starten, sich dann durch den Hauptteil arbeiten und dann das gloriose Ende feiern. Sie haben keine Zeit, sie suchen sich ein Kapitel, das sie interessiert, und sie lesen sich genau dieses durch.

Und diesem unaufmerksamen, illoyalen und hektischem Verhalten müssen wir wohl den passenden Stoff liefern. Doch dazu dann weiter unten. Es ist gut, mehrere Ansätze für eine lesenswerte Gliederung zu kennen. Also los.

3,5 Ansätze für eine digitale Gliederung

Der Problem-Lösungs-Ansatz

Dieser typische Ansatz lohnt sich für die Gliederung von Erklärbärwebseiten oder auch etwa Podcasts, in denen ein Problem gelöst werden soll

  1. Problemdarstellung: Beginne mit der Darstellung des Problems oder der Herausforderung, mit der sich die Leser konfrontiert sehen. Beschreibe – so kurz wie möglich – die Schwierigkeiten oder Unzulänglichkeiten, die das Thema des Artikels adressiert.
  2. Ursachenanalyse: Was können die Ursachen des Problems sein? Was trägt dazu bei? Auch das ist empathisch und ermöglicht den Leser:innen schon ein besseres Verständnis des Kontexts und bildet die Grundlage für die präsentierten Lösungen.
  3. Lösungsvorschläge: Nun präsentierst du verschiedene Lösungsvorschläge oder Strategien, um das Problem anzugehen. Diese können in separaten Abschnitten oder Unterkategorien aufgeführt werden. Erkläre jeden Lösungsvorschlag detailliert und bewerte ihn hinsichtlich der Möglichkeit, das Problem zu lösen.
  4. Vor- und Nachteile: Das ist vielleicht das wichtigste Element. Hier diskutierst du (objektiv) die Vor- und Nachteile jeder vorgeschlagenen Lösung oder legst sie auf die Waage. Vielleicht lassen sich auch verschiedene Stile darin erkennen? Und auch Nebenwirkungen jeder jeweiligen Lösung? Dies hilft den Lesern dabei, die verschiedenen Optionen besser abzuwägen und ihre Entscheidungen fundierter zu treffen. Ich nehme an, du hast eine Lösung, die du deinen Leser:innen ans Herz legen willst. Hier sollte diese recht gut wegkommen.
  5. Fallbeispiele: Falls du Fallbeispiele oder Erfahrungsberichte für die Lösungen hast, werden diese deren Anwendung veranschaulichen. Allerdings sollten sie realistisch sein – halte deine Leser:innen nicht für blöd.
  6. Empfehlungen: Im Fazit schließt du mit einer klaren Empfehlung. Aber auch hier solltest du nicht unterkomplex sein. Damit der Artikel glaubwürdig ist, kannst du zum Beispiel formulieren, für wen deine Lösung gut ist und wer die anderen präferieren sollte. Außerdem gibst du den Lesern hier noch praktische Ratschläge, wie sie die vorgestellten Lösungen umsetzen können. Und ermutige sie, den ersten Schritt zu tun.

Der Vorteil dieses Ansatz ist auch sein Nachteil: Du nimmst damit deine Leser:innen mit auf eine vollständige Reise durch das Thema. Das ist mit einer Präsentation zu vergleichen, aus der sie nicht weglaufen können.

Wenn sie dir den gesamten Weg folgen, ist das eine sehr überzeugende Textart. Allerdings nur dann. Denn es wird schwer sein für deine Leser:innen, nur thematische Blöcke zu lesen.

Der überzeugende Ansatz

Dieser Gliederungs-Ansatz kann überzeugen. Er ist der Problemlösung recht ähnlich, unterscheidet sich allerdings am Beginn und diskutiert nicht verschiedene Ansätze, sondern stellt eine Lösung in den Mittelpunkt.

  1. Einleitung durch eine Geschichte: Starte den Artikel mit einer Story oder Anekdote, die den Leser:innen hilft, die Relevanz zu verstehen. Diese Geschichte sollte einen Zusammenhang zum Thema des Artikels haben und eine emotionale Verbindung herstellen. Doch übertreibe es nicht. Manchmal reicht schon ein Filmzitat oder eine schnelle Erzählung aus deinem eigenen Erleben.
  2. Hintergrundinformationen: Gib einen kurzen Überblick über den Kontext der Story und die relevanten Hintergrundinformationen. Hiermit stellst du sicher, dass die Leser:innen das Thema verstehen und einen Bezug herstellen können.
  3. Fokussierung von Details: Nun läufst du mit der sprachlichen Taschenlampe um das Thema herum und beleuchtest Details
    1. Das können Pro- und Kontra-Argumente für deine Sicht sein. Es lohnt sich, eine ausgewogene Darstellung anzubieten und echte Perspektiven zu berücksichtigen.
    2. Fakten und Statistiken: Integriere relevante Fakten, Statistiken oder Forschungsergebnisse, um deine Argumentation zu unterstützen und die Glaubwürdigkeit deines Artikels zu stärken. Verwende vertrauenswürdige Quellen und sorge für eine klare Referenzierung.
    3. Expertenmeinungen oder Zitate: Gibt es Meinungen oder Zitate von Experten auf dem Gebiet dazu? Das erhöht die Autorität und Glaubwürdigkeit deines Artikels deutlich. Außerdem bringen sie weitere Perspektiven ein.
    4. Fallstudien oder Beispiele: Wo gibt es das schon oder warum nicht? Konkrete Beispiele veranschaulichen das Thema machen und die Leser:innen mit realen Anwendungen oder Situationen.
  4. Empfehlungen oder Handlungsaufforderungen: Gib am Ende des Artikels eine klare Empfehlung ab oder fordere zum Handeln auf. Und auch hier kannst du noch kurze praktische Ratschläge anbieten, um das Gelernte umzusetzen.

Also: Einleitung > Mittelteil > Schluss. Hier kommen wieder die Vor- und Nachteile: Je nach Zahl der Elemente im Mittelteil könnte die Übersicht verloren gehen (übrigens nicht nur für die Leser:innen, sondern auch für dich). Und ein erzählerischer Einstieg muss schon hervorragend gemacht sein, dass er online funktioniert. Denn wir sollten nicht vergessen, dass digitale Informations-Sammler hektisch sind und schnell zum Punkt kommen möchten.

Doch der Ansatz zählt eine Menge möglicher Elemente im Mittelteil auf, die wir für die präferierte Kapitel-Gliederung, dem nächsten Ansatz verwenden können. Deshalb merke dir mindestens diese.

Die modulare Kapitel-Gliederung

Die erfolgreichsten Online-Artikel werden thematisch nach Kapiteln sortiert. Hier findet sich auch die inhaltliche Schnittmenge mit dem Thema „Textformen im Internet“, dort habe ich auch diskutiert. Doch zunächst der Ansatz von vorn bis hinten.

  1. Dachzeile/Überschrift: Wir starten immer mit einer aussagekräftigen und ansprechenden Überschrift. Sie sollte das Interesse der Leser wecken und den Inhalt des Artikels prägnant zusammenfassen. Falls das Layout eine Dachzeile zulässt, ist das hilfreich. Denn dann schreibst du dort schnörkellos das Thema des Artikels hinein und hast bei der Headline mehr kreative Freiheit.
  2. Einleitung: Es folgt eine einleitende Passage, die den Leser einführt und ihm einen Überblick über das Thema gibt. Und das bitte kurz, knapp und mit einem Versprechen, was der Artikel alles enthält. Die Einleitung sollte den Leser dazu motivieren, weiterzulesen – muss genau deshalb sehr klar und einfach zu verstehen sein.
  3. Sprungmarken: Die folgenden Kapitel werden – wenn es das Layout zulässt – von einer Inhaltsangabe in Form von Sprungmarken eingeführt. Jedenfalls, wenn der Artikel mehr als zwei Kapitel enthält. Diese ermöglichen den Leser:innen einen Überblick und helfen, sofort zu ihrem Kern zu kommen.
  4. Hauptabschnitte/Kapitel: Strukturiere deinen Artikel in logische Abschnitte, die verschiedene Aspekte des Themas behandeln. Du kannst etwa die wichtigsten Fragen zu Kapitel erheben oder sinnvolle Unterkategorien verwenden, um die Informationen zu organisieren. Achte darauf, dass jeder Abschnitt klar definiert ist, einen spezifischen Fokus hat und auch allein verständlich ist.
  5. Unterüberschriften: Diese Kapitel werden mit Unterüberschriften eingeführt, die den Lesern helfen, sich besser zu orientieren und den Text leichter zu erfassen. Unterüberschriften sollten informativ sein und den Inhalt des jeweiligen Abschnitts zusammenfassen.
  6. Absätze und Aufzählungen: Verwende kurze Absätze, um den Text leicht lesbar zu machen. Lange Absätze können abschreckend wirken und den Lesefluss beeinträchtigen. Es gilt die Regel: Ein Gedanke ein Satz; ein Gedankengang ein Absatz. Wo immer es sinnvoll ist, verwende Aufzählungen oder Nummerierungen, um Informationen oder Schritte zu präsentieren. Natürlich werden die Aussagen in den Absätzen von inhaltlich hilfreichen Bildern unterstützt – die durch Bildüberschriften leichter verständlich sind.
  7. Zwischenüberschriften: Wenn dein Artikel sehr umfangreich ist und sogar die Kapitel recht lang werden, kannst du zusätzliche Zwischenüberschriften einfügen, um den Leser zu unterstützen. Diese dienen als Orientierungshilfe und ermöglichen es dem Leser, schnell zu bestimmten Abschnitten zu springen, die für ihn relevant sind.
  8. Zusammenfassung/Fazit: Schließe deinen Artikel mit einer Zusammenfassung oder einem Fazit ab, in dem du die wichtigsten Punkte noch einmal hervorhebst und möglicherweise einen Ausblick auf weitere Entwicklungen gibst.
  9. Call-to-Action: Wenn du möchtest, dass die Leser nach dem Lesen deines Artikels eine bestimmte Aktion ausführen, kannst du einen Call-to-Action am Ende platzieren. Dies könnte etwa die Aufforderung sein, einen Newsletter zu abonnieren, einen Kommentar zu hinterlassen oder auf Social-Media-Plattformen zu teilen.

Wichtig ist, dass die Gliederung logisch und benutzerfreundlich ist. Du solltest sicherstellen, dass die Informationen leicht zugänglich sind und die Leser den Artikel angenehm lesen können.

Anpassung der Gliederung, z.B. für LinkedIn

Nun will ich – beispielhaft – einige dieser Gliederungs-Ansätze für eine völlig eigene Beitragsart, den langen LinkedIn-Beitrag anpassen. Ich wundere mich immer wieder, warum manche der wirklich langen Postings bei LinkedIn so erfolgreich sind. Und ich bringe das mit einem guten Aufbau in Verbindung.

Hier die Voraussetzungen, dass es überhaupt funktionieren kann: Du benötigst einige Follower, ein gutes, zu dir passendes Thema und natürlich ein gutes Bild. Das soll hier keine Rolle spielen. Aber, was dann?

Teaser-Ansicht: Solange noch niemand deinen Artikel aufgeklappt hat, gibt es diese Elemente, die zusammen einen attraktiven Sinn ergeben müssen:

  1. Autor:innen Profil: Bild, Name und Bezeichnung sind zwar klein, aber ein Hingucker. Und nur, wenn deine Berufsbezeichnung Kompetenz verspricht, wird dir Kompetenz zugesprochen.
  2. Der Text vor „…mehr anzeigen“: Hier gilt alles, was ich bei Dachzeile, Überschrift und Einstieg weiter oben geschrieben habe. Oder was für Title-Tag und Meta Description gilt. Wichtig ist das Versprechen über den Inhalt des Beitrags. Gerne auch guter Schreibstil oder sogar eine provokative Frage. Es muss aber klar sein, dass es sich lohnt, beim Scrollen anzuhalten und den auf „… mehr anzeigen” zu klicken. Übrigens können hier schon Emojis, Hashtags oder verbundene Nutzer:innen stehen. Setze diese aber gezielt ein – und gib trotzdem dein Versprechen ab.
  3. Bild: Vergiss nicht, dass auch auf einem Bild Text stehen kann. Und da die Schrift hier größer als die normale Typo sein kann, lohnt sich ein solcher Text. Der natürlich inhaltlich zum Profil und den ersten drei Zeilen steht.

Hier einige Angaben zu der Länge: Auf dem Desktop hast du 270 Zeichen (Beiträge mit Anhang) oder 400 Zeichen (ohne Anhang) Platz. Mobile sind das 135 Zeichen bzw. 225 Zeichen. Ich schlage vor, du orientierst dich an den mobilen Beschränkungen.

Der gesamte Text ist dann modular planbar. Hier hast du bei einem Post 3.000 Zeichen Raum für deine Gedanken, bei einem Artikel 40.000 Zeichen. Allerdings empfehle ich, für so lange Teile eher einen eigenen Blog einzusetzen. Also planen wir mal 3.000 Zeichen.

  1. Einstieg: Der ist durch die ersten Zeilen schon festgelegt. Allerdings hilft es natürlich, wenn du den ersten Gedankenimpuls erweiterst und dein Versprechen erklärst.
  2. Absätze / Kapitel: Auf LinkedIn hast du keine Zwischenüberschriften oder andere Textformatierungen. Und trotzdem kannst du das mit Emojis simulieren. Wenn du etwa drei wichtige Punkte zu einem Thema hast, kannst du diese mit 1️⃣ 2️⃣ 3️⃣ oder ➡️ einleiten. Ansonsten gilt, was ich bei den anderen Konzepten schon geschrieben habe: Kapitel sollen auch einzeln lesbar sein, können verschiedene Elemente enthalten und Aufzählungen werden eher gelesen als purer Lauftext.
  3. Abschluss: Fasse alles nochmals aus einer Meta-Position zusammen. Oder mit einer Handlungsaufforderung. Und spätestens hier solltest du Menschen, die es betrifft, verlinken. Vielleicht auch als „Danke an…“ und natürlich auch mit Hashtags den Inhalt abrunden.

Soweit mal LinkedIn. Allerdings mit dem Hinweis, dass ich ganz sicher kein LinkedIn-Evangelist bin – und ganz sicher kein Freund dieses Sozialen Netzwerkes. Doch das ist eine andere Geschichte. Ich wollte hiermit zeigen, wie die Ideen der Artikel-Gliederung auf andere Beitragsarten angewendet werden können.

Und jetzt selbst machen

Hier noch mal die drei wichtigsten Punkte für den Spickzettel:

  • Gib deinen Leser:innen zu Beginn einen guten Überblick, was sie erwartet.
  • Ermögliche ihnen, schnell den Teil zu finden, der sie interessiert.
  • Akzeptiere, dass sie nicht alles lesen wollen und portioniere deine Informationen entsprechend.

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